Börsen gehen weltweit auf Talfahrt
Die Party scheint langsam ihrem Ende entgegenzugehen. Die Börsen, die fulminant seit dem Frühjahr letzten Jahres sich nach der Lehmann-Pleite wieder erholt hatten, fangen angesichts der sich eintrübenden Weltwirtschaftslage sich in Richtung Süden herabzubewegen.
Die Bear-Market-Ralley könnte damit ein Ende finden. Gestern brach der Dow-Jones-Index auf breiter Front um 2,6 Prozent ein. Mit gerade noch 10.000 Index-Punkten ist bereits eine Korrektur um mehr als 700 Basispunkte in den letzten Wochen eingetreten. Die Ursachen sind vielfältig.
Verlieren die USA das Triple AAA-Rating von Moody’s?
Moody’s hat in den letzten Tagen wegen der ausufernden US-Staatsverschuldung mit der roten Karte, d.h. einer Herabstufung des AAA-Status für US-Staatsanleihen gedroht. Dies dürfte dann sehr teuer für den US-Bürger werden. Ein schlechteres Rating führt zu höheren Zinsen auf die in ihrer Bonität gesunkenen Staatspapiere. Da höhere Zinsen auch höhere Kosten implizieren und letztendlich das Budget des Staatshaushalts belasten, sinkt der Handlungsspielraum der US-Regierung. Es bleibt schlicht weniger Geld für andere Zwecke in der Kasse, wenn man nicht den Weg wie Island oder Argentinien in Richtung Zahlungsverweigerung gehen will. Mithin bleibt insbesondere weniger Geld für eine expansive staatliche Nachfrage übrig. Die von Obama bereits vorgenommenen Kürzungen bei Mitteln aus dem US-Konjunkturpaket zeigen den Zusammenhang klar an. Damit sinken aber auch die Hoffnungen vieler Anleger, dass die USA bzw. Staatengemeinschaft insgesamt tatsächlich in der Lage sind, die Folgen der globalen Finanzkrise nachhaltig zu internalisieren. Drohen einzelnen Staaten der Staatsbankrott, d.h. die Zahlungsunfähigkeit, Griechenland ist hierfür nur ein aktuelles Beispiel, dann müssen diese Länder ihren Haushalt zwangsweise konsolidieren. Antizyklische Konjunkturpolitik ist dann Fehlanzeige. Auch hier ist Griechenland beispielhaft. Im Prinzip steht der griechische Staat quasi unter EU-Zwangsverwaltung. Kein offizieller Staatsbankrott nur ein quasi-inoffizieller.
Die Gemeinsamkeiten der Regierungen der wichtigsten Länder schwinden
Der sich zuspitzende Konflikt zwischen den USA und China zeigt wohin die Reise geht. Die Chancen zu einer Einigung zwischen beiden Ländern, ihren Konflikt in Handels- und Währungsfragen einvernehmlich zu lösen, sinken. Dies wird insbesondere noch durch den erneuten Anstieg der Arbeitslosigkeit in den USA unterstrichen. Von der erhofften Stabilisierung der US-Wirtschaft kann derzeit nicht die Rede sein. Wenn daher die USA als Lokomotive der Weltwirtschaft zunehmend ausfallen und auch China seinen bisherigen expansiven Kurs nicht aufrechterhalten kann, dann fehlen wichtige Impulse weltweit. Japan ist ebenfalls weiterhin schwer angeschlagen.
Europa durchlebt ebenfalls eine Krise seiner EU-Mitgliedsländer. Griechenland, Portugal, Spanien, Irland oder auch die baltischen Staaten sind hier besonders gefährdet. Aber auch darüber hinaus sind große Länder wie die Ukraine aber auch Russland schwer wirtschaftlich angeschlagen.
Selbst die Ölstaaten am Golf können nicht mehr so sorglos wie bisher ihre Petrodollar verprassen. Dubai ist hier ein warnendes Zeichen.
In Südamerika spitzt sich die Lage um Länder wie Argentinien, Mexiko aber auch Venezuela zu. Von Haiti oder Jamaika ganz zu schweigen. Rund um den Globus stoßen die Wirtschaften und Staaten an die Grenzen ihrer finanziellen Belastbarkeit. Die Lenders of last Resort sind immer weniger in Lage ihre Rolle wahrzunehmen. Kommt es zu Dammbrüchen, d.h. einer Folge von Staatsfinanzkrisen, dann kann es leicht zu panikartigen Reaktionen auf den globalen Finanzmärkten kommen. Die Illusion man wäre bereits jetzt über dem Berg zerplatzt.
Selbst die Nato muss sich einem eisernen Sparzwang stellen. Aufgrund ihrer strategischen Überdehnung können die Nato-Länder nicht wie bisher ihre Aufgaben erfüllen. Rien ne va plus.











Georg Erber
aktuelle Meldung der FTD zum Thema
http://www.ftd.de/politik/international/:angriff-auf-eigenhandel-wall-street-fuerchtet-ertragseinbruch/50064098.html
Jan van Winried
Folgt nach dem berechtigten Vertrauensverlust in unsere Währung, der sich vermutlich noch deutlich ausweiten und beschleunigen wird, die Inflation? Die international tätigen Finanzbroker halten ungebremst an ihrem Geschäftsmodell fest - der Schaffung, der Aufwertung und dem Verkauf virtueller Handelsgüter ohne realen Wert.
Die betrogenen Staaten knicken nach und nach ein, verlieren ihre eigenständige Handlungsfähigkeit und müssen sich -warum auch immer- den strengen Regularien der Weltbank unterwerfen. Diese Entwicklung hat zur Folge, dass sich das soziale Gefüge häufig in Nichts auflöst und “private Investoren” zur möglichst unreglementierten Plünderung dieser Länder aufgerufen werden (Niedriglohn, kein Kündigungschutz, fehlende öffentliche Versorgung in den Bereichen Bildung und Gesundheit …).
So kann und wird unsere globalisierte Welt nicht funktionieren. Das ist ein Rückschritt für die gesamte Menschheit!
Georg Erber
Börsen talfahrt
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,676249,00.html
Georg Erber
Spekulationen über eine zweite Großpleite à la Lehmann Brothers
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,676260,00.html
Readers Edition » Leerverkäufe: BaFin fördert Spekulation
[…] Ein schöneres Geschenk hätte die BaFin derzeit den Finanzspekulaten am Finanzplatz nicht machen können. Seit der Freigabe stürzen die Aktienkurse in Deutschland besonders rapide ab. Kurse an den Aktienmärkten zu drücken. Aber selbstverständlich sind dies nur ganz normale Marktbewegungen, die nichts mit spekulativen Leerverkäufen erklärt werden können. Es wird jetzt wieder gesagt werden, dass der Beweis für die negativen Folgen spekulativer Leerverkäufe an den Aktienmärkten nicht erbracht werden könne. […]