Politik trifft Web 2.0 – so lautet das Motto des PolitCamp 2010, das vom 20.-21. März im Berliner Radialsystem V stattfindet. Ich habe den Organisator Valentin Tomaschek für Readers Edition in einem kurzen Mail-Interview befragt, wo in diesem Jahr die Reise hin geht. Dass in jedem Fall noch eine Menge Gesprächs- und Nachholbedarf besteht, bestätigt Tomascheks kritische Meinung zum vergangenen Bundestagswahlkampf: “Keine der Parteien hat eine wirklich überzeugende Onlinekampagne eingesetzt”.
RE: Das erste Politcamp im vergangenen Jahr lief bereits sehr erfolgreich. Wie ist die bisherige Resonanz – auch in den Medien – für das Event im März?
Tomaschek: Die Resonanz auf das zweite PolitCamp ist sehr positiv. In den Medien, aber vor allem auch bei der Politik zeigt sich, dass das Interesse an netzpolitischen Themen im Vergleich zum vergangenen Jahr sehr gestiegen ist. Daher geht es beim PolitCamp auch nicht nur noch um den Onlinewahlkampf und eventuellen Internetsperren, sondern um ein wesentlich breiteres Themenspektrum.
RE: Welche Fragen werden in diesem Jahr besonders hervorgehoben auf der Tagesordnung stehen?
Tomaschek: Ein ganz wichtiger Punkt ist das generelle Miteinander von Politik und den Netzbewohnern. Bei den Diskussionen um Internetsperren waren die Positionen oft verhärtet, aber es zeigt sich, dass vor allem die Politik sich in eine gute Richtung bewegt und viel mehr Diskussionen möglich sind. Thematisch wichtig sind natürlich auch der Jugendschutz, eGovernment und die Netzneutralität. Wir wollen aber natürlich auch einen Rückblick auf den Onlinewahlkampf der Bundestagswahl 2009 werfen.
RE: Hat der Bundestagswahlkampf deine im Mai 2009 eher skeptischen Erwartungen hinsichtlich der Nutzung des Internets bestätigt oder doch überrascht?
Tomaschek: Da wurde meine Skepsis leider bestätigt. Keine der Parteien hat eine wirklich überzeugende Onlinekampagne eingesetzt. Es wurde viel Zeit und Geld investiert, um parteieigene Social Networks zu implementieren, aber meist wurden diese dann nicht intelligent
eingesetzt. Da gibt es eine Menge Nachholbedarf.
RE: Wenn man vergleichen wollte: Welche Partei hat das Web am effizientesten, welche am wenigsten genutzt? Was ist dir dazu vielleicht beispielhaft in Erinnerung geblieben?
Tomaschek: Da ist es schwierig einen Vergleich zu ziehen. Beim Social Network der CDU gab es einen Versuch die eigenen Mitglieder lokal miteinander zu vernetzen und zu motivieren. Der Ansatz war durchaus gelungen. Beim grossen Gegenpart SPD wurde viel Zeit auf “Wahlkampf09″ gelegt. Allerdings war dies nichts mehr als eine Unterschriftenliste für Unterstützer des Kandidaten. Damit wurden zwar viele E-Mail Adresse generiert, um den Wahlkampf-Newsletter möglichst weit zu verbreiten, aber Newsletter sind nun wirklich nicht innovativ. Die Plattform wurde dann auch direkt nach dem Wahlkampf wieder vom Netz genommen. Allen Parteien fehlt aber eine gewisse Beständigkeit, um auch über den Wahlkampf hinaus die potentiellen Mitmacher zu motivieren.
RE: Welche politischen Schwergewichte habt ihr in diesem Jahr zu einer Teilnahme bewegen können?
Tomaschek: Als erstes muss man da natürlich die neue und sehr netzaffine Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Köhler (CDU) nennen. Wir haben da aber aus allen Bundestagsfraktionen Abgeordnete für eine Teilnahme gewinnen können. Sei es Dr. Peter Tauber (CDU), Lars Klingbeil (SPD), Sebastian Blumenthal (FDP), Halina Wawzyniak (DIE LINKE) und Volker Beck (Bündnis90 / Die Grünen).
RE: Welche Vertreter kommen aus aus dem Bereich Web 2.0?
Tomaschek: Aus dem Web 2.0 kommen natürlich viele Diskussionspartner. Dabei sind beispielsweise Thomas Knüwer, Markus Beckedahl, Prof. Dr. Peter Kruse und Julia Seeliger.
RE: Auf welchen Podien erwartest du die stärksten Auseinandersetzungen?
Tomaschek: Spannend wird es sicher bei der Session zum Thema “Politik trifft Web 2.0″, auf der wir das allgemeine Miteinander diskutieren werden. Da wird sich deutlich zeigen, wie tief eventuelle Gräben noch sind und natürlich auch, wo die Zusammenarbeit schon gut miteinander klappt.
RE: Auf der Veranstaltung 2009 war das Thema Twitter in der politischen Kommunikation eines der meist diskutierten Themen. Wie siehst du die Entwicklung, ist der Twitter-Hype noch aktuell/ aktueller denn je?
Tomaschek: Man merkt, dass Twitter schon fast nichts mehr besonderes ist unter den politischen Funktionären und Mandatsträgern. Letztes Jahr hat es einige Aufregung bei der Wahl des Bundestagspräsidenten gegeben, als das Ergebnis schon bei Twitter stand, bevor es offiziell verkündet worden war. Es gibt da momentan die Phase, wo sich ein wenig die Spreu vom Weizen trennt. Zur Bundestagswahl hatte sehr viele Kandidaten schliesslich einen Twitter-Account, aber oftmals ist dieser nach der Wahl wieder eingeschlafen. Ganz egal, ob das Mandat nun gewonnen wurde oder nicht. Twitter wird sicherlich wieder ein Thema sein, aber lange nicht in dem Ausmaße wie beim PolitCamp09.
RE: Im Fazit zum Politcamp 2009 sahst du – auch als selbstgestellte Aufgabe für 2010 – noch “eindeutig Diskussionsbedarf, wie wir das Verständnis der Politik dem Web gegenüber verbessern können.” Habt ihr dazu einen “Schlachtplan” entwickelt?
Tomaschek: Der Schlachtplan ist glaube ich das zweite PolitCamp an sich. Wir konnten deutlich mehr Politiker als beim ersten Mal für eine Teilnahme gewinnen und auch die Teilnehmerzahl wird sich deutlich steigern. So werden mehr Themen mit mehr Teilnehmern diskutiert. Das ist glaube ich schon eine gute Grundlage und wir werden sehen, das sich sehr spannende Diskussionen auch über Parteigrenzen hinweg entwickeln werden.
RE: Für jene, die sich evtl. noch für eine Teilnahme interessieren: Gibt es noch Karten für die Veranstaltung?
Tomaschek: Ja, die gibt es unter http://10.politcamp.org/ticket wobei der Andrang dieses Mal wesentlich grösser ist. Daher sollte man sich beeilen.
- – -
Nachtrag: Freundlicherweise hat Valentin Tomaschek zwei Tickets zur Verlosung für das PolitCamp 2010 bereit gestellt. Der erste, welche die Frage beantworten kann: “Wie ist der Name der netzaffinen Bundesfamilienministerin, die in diesem Jahr am Podium des PolitCamp 2010 teilnimmt?” und eine Mail an moderatoren@readers-edition.de schreibt, erhält 1 x 2 Tickets!
Photo: Thomas Vogt via flickr.com (cc Lizenz)
Obama verfolgt eine ähnliche Kontrollstrategie der Massen, indem er ein Bürgerportal zum “Wohle” der Nation eingerichtet hat. Auch Frau Merkel übt sich in dieser Sparte fleißig zum Beispiel “via wer-kennt-wen” und andere soziale Netzwerke das Volk zu belauschen. Ich sage Finger weg davon! Lasst sie im Dunkeln tappen. Macht euch untereinander mit Büchern schlau und gebt das Wissen über ihre dunklen Absichten weiter. Es ist 5 nach 12!
Geht zu euren Abgeordneten und rennt Ihnen die Tür ein. Macht Druck gegen das derzeitige feudalistische Ausbeutungssystem. Wir brauchen eine direkte Demokratie MIT von der Bevölkerung namentlich berufenen und vorallem jederzeit wieder abberufbaren Vertreten in Verwaltung und Organisation. dazu ein neues Unternehmertum OHNE Zinssystem und Börsengurus.
Bürger aufwachen, sie rauben unsere Systeme aus!