“Kein Geheimdienst dieser Welt würde so ungeniert auf Bilderjagd gehen”, schimpft Verbraucherschutz-Ministerin Ilse Aigner derzeit über den Internetriesen Google. Die CSU-Politikerin hat sich vorgenommen, die “millionenfache Verletzung der Privatsphäre” durch Google Streetview zu stoppen. Wenn es nach ihr geht, gibt es Bilder künftig nur noch mit Genehmigung. Während sie jedoch eine mögliche Gesetzesänderung prüft, hat der Konzern bereits den nächsten Coup gelandet. Doch dieses Mal dürften die meisten ziemlich gerne, zumindest aber erstaunt hinschauen.
Im Fokus der Aufmerksamkeit stehen nun allerdings keine Gebäude. Im neuesten Geschäftsfeld dreht sich alles um Mode, die zu einem etwas anderen Streetview verlocken könnte. Denn T-Shirts, Schals und erste Schmuckstücke im Google-Design sind definitiv neu auf internationalen Straßen. Billig ist das Ganze allerdings nicht. Zwischen 85 und 300 US-Dollar muss der Fan des Unternehmens berappen, wenn er die volle Identifikation mit Googles Haute Couture, kreiert von aufstrebenden Designern, genießen will. Erst im vergangenen Jahr wurden diese während des eigens ausgeschriebenen Wettbewerbs Council of Fashion Designers of America (CFDA) gefragt, ob sie nicht Lust hätten, in diese Richtung kreativ zu werden und sich von Googles Farben oder Funktionen inspirieren zu lassen. Seit vergangenem Wochenende werden die Stücke der drei Besten nun verkauft, nicht ohne jedoch den ein oder anderen irritierten Kommentar hierzu auszulösen: “Ich kenne dich nicht”, wendet sich zum Beispiel Autorin Leena Rao von techcrunch.com direkt an ihre Leser. “Doch schon allein aus ästhetischen Gesichtspunkten heraus ist mir der Schal keine 300 Dollar wert. Ich meine, komm schon, für 200 Dollar mehr bekomme ich einen iPad.”
Ganz unvermittelt kommt die Aktion jedoch nicht, weiß netzwelt.de. “Googles Vizepräsidentin Marissa Mayer ist bekannt für ihre Leidenschaft für Mode. Die 34-jährige Multimillionärin, die schon in der amerikanischen Zeitschrift Vogue als ‘Fashionista’ bezeichnet wurde, gibt ihr Interesse an Kleidungskunst scheinbar an das Unternehmen weiter.” Alle Erlöse des Verkaufs kämen – und das erscheint als der sinnvolle Teil – der CFDA-Stiftung zu Gute. Die Stiftung unterstütze angehende Designer in ganz Amerika und vertrete die Interessen der Modewelt gegenüber Handel und Wirtschaft. Es wird festgehalten und potentielle Interessenten damit sogleich enttäuscht: Google sei damit zwar der erste Suchmaschinenbetreiber, der eigene Designerkleidung an den Markt bringe. Der offizielle Google-Shop versende allerdings nicht nach Deutschland.
Kommentare
Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.