“Das Problem ist nicht die Arbeitsmoral”

Gruppe Die Linke: Erst heute morgen wurde auf der Readers Edition getitelt “Heizen mit HartzIV“. Der Autor nimmt darin Bezug auf einen Beitrag der Tagesthemen, der eine Familie zeigt, die seit Jahren von der Unterstützung durch den Staat leben muss. Nicht so ganz einsehen mag dieser das, was er da

Gruppe Die Linke: Erst heute morgen wurde auf der Readers Edition getitelt “Heizen mit HartzIV“. Der Autor nimmt darin Bezug auf einen Beitrag der Tagesthemen, der eine Familie zeigt, die seit Jahren von der Unterstützung durch den Staat leben muss. Nicht so ganz einsehen mag dieser das, was er da sieht. Oder ist es ein Spiel mit Klischees?

Bereits zu Wochenbeginn kreist das Thema innerhalb eines Threads der Gruppe Die Linke nämlich um eine noch unveröffentlichte Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Hierzu heißt es auf den Seiten der Frankfurter Rundschau: “Arbeiten? Ja, bitte!“. Autor Markus Sievers stellt hier heraus: “Fast alle Hartz-IV-Empfänger bemühen sich ernsthaft um Arbeit.” Von den Langzeitarbeitslosen unter 56 Jahre, so zitiert er aus dem vorliegenden Papier, stünden 90 Prozent für eine Beschäftigung zur Verfügung. Das Problem, so die Ökonomen, sei also nicht die Arbeitsmoral. Nur bei den Älteren würde die Bereitschaft dramatisch sinken, offenbar, so heißt es in der Bilanz weiter, weil sie keine berufliche Perspektive mehr für sich sehen würden. “Von den 56-Jährigen und Älteren erklärten 42 Prozent, keine Stelle mehr antreten zu wollen.”

“Ich freue mich schon sehr auf die Studie”, lässt der Thread-Eröffner, der die Zeilen bekannt gemacht hat, nun seine Mit-Diskutanten wissen und fragt provokant in die Runde: “Und, was sagen jetzt die ganzen Sozialneider von oben?” Eine Antwort erhält er prompt: “gar nix, wird ne gegenstudie bei ifo in auftrag gegeben und die studie ist neutralisiert”, folgert ein Kommentator. Ein weiterer VZ-Nutzer geht in Verteidigungshaltung und schreibt: “Ich wüsste nicht, wann wir behauptet hätten ALG II Empfänger seien faul. Der Herr Koch, der dies vor Kurzem durchblicken ließ, ist ein Unionspolitiker. Liberale begrüßen es grundsätzlich immer, wenn Menschen den Willen haben zu leisten, denn von nichts, kommt nichts, nech. Das Konzept des liberalen Bürgergeldes knüpft hier zum Beispiel an.”

Hier hakt nun auch der nächste Diskutant der Gruppe nach. Am vermeintlich mangelnden Arbeitswillen sei das Problem auch seiner Meinung nach nicht festzumachen. Er sieht die Ursachen an anderer Stelle: “Das Problem ist eher, dass es für immer mehr Bürger immer schwerer wird eine ‘gut’ bezahlte, das heisst, eine deutlich über dem ALGII Satz liegende Arbeit zu finden.” Arbeitsanreize, so führt er weiter aus, seien durch die geringen Zuverdienstmöglichkeiten kaum gegeben. Er persönlich kenne jedenfalls kaum einen HartzIV-Empfänger, der nicht “irgendwas arbeitet”. Allerdings, so gibt er zu bedenken, nur bis zu einer Marke von 100 Euro. Darüber lohne sich die Arbeit nicht mehr. Er schreibt weiter: “Sicherlich gibt es viele, die schwarz arbeiten und damit gut auskommen, allerdings für das Amt so aussehen, als würden sie sich der Arbeit verweigern und sogar Kürzungen in Kauf nehmen. Sie können ja keine 1-Euro-Maßnahme machen, weil sie schwarz arbeiten. Das wird sich verschärfen, wenn die Zuverdienstmöglichkeiten nicht signifikant erhöht werden oder der ALGII Satz gesenkt wird um die Zuverdienstmöglichkeiten zu erhöhen (…). Man braucht nur mal im Gastrobereich schauen. Ich behaupte, dass dort zu 80% schwarz gearbeitet wird. Mit Anmeldung zu 100‚¬. Das ist kein böswilliges Steuerhinterziehen oder erschleichen von Leistungen, das ist aus der Not heraus. Wer schon vom Staat gezwungen wird in eine 45qm Bruchbude zu ziehen, wird sich sicherlich nicht damit abfinden wollen, auch noch für umsonst arbeiten zu müssen, nur weil die Rahmenbedingungen (…), die er selbst nicht geschaffen hat, so sind wie sie sind.”

Würde das Bürgergeld hier also wirklich helfen? Die Diskutanten sind uneins. 662 Euro seien “scheißwenig” wirft ein StudiVZler in die Runde. Ein anderer meint: “Geht weniger um die eigentliche Zahl, also um den Fakt, dass es so etwas, wie ein Grundeinkommen ist mit dem sehr entscheidenden Vorteil, dass ohne bürokratischen Aufwand jeder, der arbeitet mehr hat, als der, der es nicht tut. Zumal ein unbürokratischer Umgang mit dem Arbeitsmarkt es für die Arbeitslosen es einfacher macht neben den 662 ‚¬ sich mit wenig Aufwand noch mal 200 ‚¬ (25 – 35 Monatsstunden) dazu zu verdienen.”

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  1. Lebst du noch, oder “hartzt” du schon

    [...]Nun kommt ein Mensch aus dem Arbeitsmarkt, auf dem er bereits schon seit Jahren ausgebeutet, ebenfalls schikaniert und immer wieder mit der Drohung um den Verlust des Arbeitsplatzes zu Mehrarbeit, Urlaubsverzicht und Sonderleistungsverzicht gezwungen wird, in diese Maschinerie hinein. Bereits geschädigt durch den wachsenden Druck, die Schikanen auf dem Arbeitsmarkt oder heute ja auch bereits in den höheren Schuljahrgängen, erhofft er sich nun in seiner prekären Situation Hilfe. Nein, die bekommt er dort in den wenigsten Fällen. [...]