Er heißt ein wenig geheimnisvoll “Safer Internet Day“, was sich so einfach nicht aus dem Englischen übersetzen lässt: Ist das der Tag, an dem das Internet sicher ist? Der Tag, von dem an es sicherer zu werden verspricht? Ein Tag der Hoffnung jedenfalls für alle, die von elektrischen “Abzockern” (Bild) gequält, um ihre selbstgemachten Heimpornos betrogen und mit Spam überschüttet werden.
Naturgemäß lässt sich das durch alle Medien kollernde Phänomen des “SID” nicht im Ansatz erklären, ohne den Qualitätsjournalismus des “Nachrichtensenders” MDR Info zu Hilfe zu nehmen. Es moderiert Heiner Martin, Eingeweihten bis zu diesem Moment als einer der letzten gelegentlich journalistisch tätigen Mitarbeiter der Gebührenverbrauchsanstalt bekannt. Martin steht heute an einem Ende einer “Schalte” zum “Safer Internet Day”, der ortsgebunden “in Köln” angetreten war, das weltweite Datennetz endlich sicherer zu machen, am anderen ein namensloser Nachwuchskader, der sich mit nonchalanter Selbstverständlichkeit als Advokat eines umfassenden und sowieso unvermeidlichen Zensursystems gibt.
Distanz zum Objekt braucht er nicht, um hellstens zu scheinen. Den Konjunktiv kennt der Außenposten der elektronischen Menschenrechte auch nicht. In seiner Welt ist alles, wie es ihm gesagt wird – und zwar so: Das Internet wird “immer komplexer”. “Für den einzelnen Nutzer” sind die Abgründe, Risiken und Gefahren des Netzes “nicht länger überschaubar”. Deswegen, das ist nun naheliegend, “muss” hier der “Gesetzgeber tätig werden” und einen “Rahmen” schaffen, der die Ahnungslosen in den virtuellen Weiten vor sich selber
schützt.
Während die böse “Online-Industrie” nur an die Eigenverantwortung der Nutzer appelliert, liegt es für “Verbraucherschützer auf der Hand”, dass “schärfere Richtlinien” erlassen werden und viele, viele Verbote folgen müssen, die die “Abzocke” der Ahnunglosen regulieren und reglementieren.
Dazu gehört nach Angaben von MDR Info beispielsweise, dass die Datenmenge, die Nutzer von “Sozialen Netzwerken” dort angeben können, begrenzt wird. Name, Haarfarbe, Lieblingshunderasse, Schluss. Der “Nutzer”, in den Augen von Regierung, Verbraucherschutz und gebührenfunk ein debiles, betreuungsbedürftiges Wesen, wüsste ja gar nicht, was mit seinen “Daten geschehe”. Schaut sie sich jemand an? Nutzt sie ein anderer wie früher das Telefonbuch? Um Kontakt aufzunehmen?
Den Netzwerken vorzuschreiben, so heißt es beim “SID”, dass die “Grundeinstellungen” für die Datensichtbarkeit immer nur “nicht zeigen” lauten müsse, könne hier nur ein “allererster Schritt” sein. Denn wer lese auf solchen Seiten “schon das Kleingedruckte”? Der Nutzer, ein ziellos durchs Leben treibendes Stück Unwissenheit, sei
ja “oftmals völlig unbedarft”. Daher seien “die Networks in der Pflicht”, nur wie die aussehen müsse, wisse man noch nicht: das Kleingedruckte größer schreiben? Netzwerken mit Echtdaten verbieten?
Die sicherste Lösung wäre das, denn besonders kritisch ist es nach den vom MDR aufgeschnappten Informationen “um Kinder bestellt”. Kinder, die sich auf Social Networks als solche zu erkennen gäben, zögen “Pädophile” an wie das Licht die Motten. Es fängt, so lässt sich das knapp zusammenfassen, mit Facebook an und endet als Kinderf… Das ist neu, das hat der MDR ganz allein herausgefunden.
Auch das Rezept hat er parat: Zur Sicherheit sollten die von Nutzern zu veröffentlichten Informationen generell “einer Limitierung” unterliegen. Andererseits seien aber auch die Jugendlichen selbst in der Pflicht, sich als solche “nicht zu erkennen zu geben”. Das findet auch die Landwirtschaftsministerin, Oberverbraucherschützerin, Netzsicherheits-Expertin und Hobbykarnevalistin Ilse Aigner, von der ihre Fans behaupten, dass sie ein Satellit wäre, wenn Dummheit fliegen könnte. Sie plädierte nach aufwendigen MDR-Recherchen “am Rande des Safer Internet Days” entschlossen für die “Einführung eines Internet-Füehrerscheins”, mit dem “junge Online-Nutzer” ihre Befähigung zur Nutzung der “Datenautobahn” (Helmut Kohl) nachweisen sollten. Als Vorbild nennt Aigner den “Fahrradführerschein in der DDR”, seinerzeit eine Errungenschaft der Weltrevolution, heute aber leider vergessen.
Man müsse, so Ilse Aigner, “dieses Projekt in die Schulen tragen”, auch wenn “die genaue Ausgestaltung” der Beschneidung des Informationsrechtes junger Staatsbuerger “noch unklar” sei. Ein Anfang aber ist gemacht. Safer Surf im Dorf: Nichts Anderes hätte ein Reporter des DDR-Staatsfunks anno 1987 erzählt. Für seinen Auftritt kam nur das Internet zu spät.
Quelle: politplatschquatsch.com
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