Staatsbankrott: Die Griechenland Legende

Griechenland wandert derzeit durch alle Gazetten der Weltpresse als das Problemkind der Weltwirtschaft. Die Realität könnte nicht ferner von der durch die Presse erzeugten Wahrnehmung sein. Durch diese Pressekampagne wird ein kleines Land und mit ihm der Euro zur Beute der Spekulanten. Umgekehrt lenkt man geschickt von den eigenen Problemen

Griechenland wandert derzeit durch alle Gazetten der Weltpresse als das Problemkind der Weltwirtschaft. Die Realität könnte nicht ferner von der durch die Presse erzeugten Wahrnehmung sein. Durch diese Pressekampagne wird ein kleines Land und mit ihm der Euro zur Beute der Spekulanten. Umgekehrt lenkt man geschickt von den eigenen Problemen in anderen viel wichtigeren Ländern ab. Japan gehört aufgrund seiner gigantischen Staatschulden zu einem der größten Sorgenkinder. Im Unterschied zu Griechenland schwanken die Angaben für Japan zwischen 170,4 und 198,6 Prozent mit der Tendenz rasch steigend. Auch Italien liegt deutlich vor Griechenland mit Werten zwischen 103,7 und 113 Prozent. Alle diese Angaben beziehen sich auf die Situation bevor mit den großen staatlichen Rettungspaketen die Staatsfinanzen weltweit aus den Fugen gerieten.

Anstieg der Staatsschulden ist in den USA, China, Großbritannien und Irland dramatischer

Während man das kleine Griechenland mit zwei Prozent am BIP der EU-Mitgliedsländer zum Sündenbock erklärt, lauern die Gefahren eines globalen Super-Gaus in der Staatsverschuldung ganz woanders.

USA

Die USA allen voran haben ihre Staatsschuldenquote von 60,8 Prozent aus dem Jahr 2008 (lt. CIA Handbook 2008) auf 84,3 Prozent im Jahr 2009 (lt. CIA Handbook 2009) gesteigert. Ein Anstieg um sagenhafte 23,5 Prozent innerhalb eines Jahres. Dies ist umso bedeutsamer als es sich bei den USA derzeit noch immer um die größte Volkswirtschaft der Welt handelt. Diese gewaltige Schuldenexpansion der USA ist auch seit langem gar nicht aus den Ersparnissen des Inlands finanzierbar. Die USA und insbesondere der amerikanische Staat lebt mit zunehmender Tendenz von den Ersparnissen der übrigen Welt.

China

In China wirkt die Staatsschuldenquote mit 15,5 in 2008 und einem Anstieg auf 18,2 Prozent geradezu paradiesisch. Allerdings droht sich die Lage wegen der derzeit sich abzeichnen Überhitzung der Wirtschaft zuzuspitzen. Im Jahr 2007 lag die Staatsschuldenquote noch bei 5,58 Prozent. Mithin liegt der starke Anstieg der Staatsschuldenquote um knapp zehn Prozent zeitlich vor dem der anderen Länder. China hat sehr viel rascher auf die Weltfinanzkrise reagiert und ist daher auch deutlich rascher aus ihr aufgrund der massiven Ausgabenprogramme des Staates und einer einmalig hohen Lockerung der Kreditbedingungen in der Wirtschaft aus der Krise hervorgegangen. Letztere stellen jedoch ebenso wie die Staatschulden eine Hypothek für die Zukunft des Landes dar. Der Bauboom in China oder die Automobilwelle auf Pump bergen hohe Risiken in sich, wenn die Solvenz der Schuldner äußerst zweifelhaft ist. Noch ist China der Musterschüler der Weltwirtschaft und spielt die Lokomotive aufgrund seines hohen Wirtschaftswachstums, allerdings €“ man denke an Japan zu Beginn der 1990er Jahre €“ können solche asiatischen Blütenträume wie die japanische Kirschblüte dahin zu wehen, sollte sich aufgrund der durch Spekulation hinsichtlich ewigen hohen Wirtschaftswachstums und damit verbunden rasant steigender Immobilienpreise die Vergangenheit nicht einfach in die Zukunft fortsetzen lassen.

Chinas Trauma wäre ein Protektionismus seitens der USA, die ihre Exportwirtschaft schwer schädigen würde, die bereits jetzt  von der Krise hart getroffen worden ist. Gewaltige Überkapazitäten könnten die Wirtschaft platzt die Blase in die Deflation treiben. Danach sähe die Lage für China plötzlich ganz anders aus.

Großbritannien

Großbritannien macht zwar hinsichtlich der öffentlichen Gesamtverschuldung zunächst einen solideren Eindruck. Dort lag die Staatsschuldenquote im Jahr 2008 noch bei 51,8 Prozent. Sie ist aber im Jahr 2009 auf 68,5 Prozent, d.h. ebenfalls um 16,7 Prozent hochgeschnellt. Da diese Entwicklung weitgehend ungebremst sich auch in diesem und im kommenden Jahr fortsetzen dürfte, befindet sich auch dieses Land auf dem Weg in die Schuldenfalle.

Irland

Irland hat wie Island oder Dubai sich als Offshore-Finanzplatz und Steueroase einen Finanzsektor zugelegt, der sie wegen der damit verbundenen Risiken bei der Bankenrettung tief in die roten Zahlen stürzen ließ. Auch hier ist die Staatsschuldenquote mit 44,2 Prozent für das Jahr 2008 noch niedrig, aber sie ist ähnlich wie in Großbritannien im letzten Jahr auf 63,7 Prozent hochgeschnellt. Dabei sind die Risiken hinsichtlich der Staatshaftungsgarantien noch gar nicht angemessen in die Zahlen eingeflossen. Dies gilt übrigens auch für alle vorher genannten Länder einschließlich selbstverständlich auch für Deutschland.

Portugal

Portugal als eines der jetzt zu den so genannten PIGS (Portugal, Irland, Griechenland und Spanien) zusammen gebündelten Länder, hatte seine Staatsfinanzkrise bereits vor dem Ausbruch der globalen Finanzkrise und befindet sich bereits auf einem Konsolidierungskurs. Im Jahr 2007 lag die Staatschuldenquote bei 75,2 Prozent und wurde im Jahr 2008 auf 66,4 Prozent gesenkt. Dieser Konsolidierungsprozess wurde jedoch im Zuge der Krise wieder zunichte gemacht. Im vergangenen Jahr stieg daher die Staatsschuldenquote wieder auf 75,2 Prozent an. Trotzdem ist dies im Vergleich zu den oben genannten großen Ländern wenig dramatisch.

Spanien

Spanien hat ebenfalls bisher eine niedrige Staatsschuldenquote von 40,7 Prozent im Jahr 2008 gehabt. Mit dem Platzen der Immobilienblase in Spanien ist jedoch auch dort ein Anstieg auf 59,6 Prozent zu verzeichnen.

Nicht auf die PIGS, sondern die GUJC kommt es an

Nimmt man alle PIGS-Länder oder PIIGS (PIGS einschließlich Italien) zusammen, dann ist die Entwicklung sicherlich unerfreulich, aber keineswegs so dramatisch wie es die Weltpresse zu suggerieren versucht. Hier wird aus meiner Sicht nur ein großes Ablenkungsmanöver gefahren. Die wirklichen Problemfälle, die die Weltwirtschaft an den Rand des Kollaps führen könnten, sind die großen Staaten. Die USA, Japan, China und Großbritannien (GUJCs könnte man sagen). Von ihnen geht die größte Gefahr aus, wenn sie ihre wirtschaftlichen Probleme einschließlich der maroden Staatsfinanzen nicht meistern. Ohne ihre Stabilisierung werden auch die anderen Länder kaum mit ihren Bemühungen Erfolg haben. Hier spielt die Musik und entscheidet sich die Zukunft der Weltwirtschaft. Die PIGS sind nur der Wurmfortsatz der GUJC-Staaten. Geht denen der Atem aus, dann lasst €“ frei nach Dante €“ alle Hoffnung fahren!

Kommentare

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  1. Herr Erber, die Frage ist nicht, wer wieviel Schulden hat, sondern wer noch jemanden findet, der ihm neue Kredite gibt. Dabei hatten Griechenland vor zwei Wochen riesengroße Probleme – deshalb steht das Land derzeit so unter Druck.

    Ihr Vergleich zielt also am Kern der Sache vorbei.