Ich habe schon einmal versucht, mich diesem Thema zu nähern. Unvollkommen, wie die Leserkommentare zeigen. Der Verlauf der Diskussionen bei Readers Edition und die aktuellen Debatten über die Zukunft des IPCC haben mich inspiriert, die Frage erneut zu beleuchten. Denn spätestens, wenn den Alarmisten die Sachargumente ausgehen, greifen sie zu Diffamierungen, die dann immer schnell in den Begriff “Leugner” münden. Das ist perfide, auch ohne gleich die gewollte Nähe zum “Holocaust-Leugner” zu bemühen.
Und trotz der Tatsache, daß es die Skeptiker waren, die durch fortwährende Aufklärungsarbeit die Fehler im IPCC-Bericht und die wirtschaftlichen Verflechtungen von UN-Spitzenfunktionären in das Bewußtsein der Öffentlichkeit gerückt haben, werden diese in den Medien immer noch als wissenschaftsferne Spinner herabgewürdigt.
Aber je tiefer man in das Internet, in die Blogosphäre eintaucht, je intensiver man dort nachsieht, wo die Menschen authentisch und aus erster Hand über sich selbst berichten (statt über sich berichten zu lassen), desto klarer wird die Differenz zwischen der medialen Realität und der Wirklichkeit.
Natürlich, die “Klimaskeptiker” sind ein bunt zusammengewürfeltes Völkchen. Sie haben unterschiedliche Motivationen und differierende Ziele. Die Klimaskeptiker bilden keinen monolithischen Block gleichgeschalteter Interessen. Sie sind vielmehr die bunte Vielfalt, die in einer freien und offenen Gesellschaft immer dann entsteht, wenn sich ein Konsens der Autoritäten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Medien zur Durchsetzung eines definierten Zieles gebildet hat. Die Klimaskeptiker sind uneins, nicht nur mit den Autoritäten, sondern auch untereinander. Sie sind nicht organisiert, verfügen über keine selbstgewählte Führung, die inhaltliche Leitlinien vorgibt, sie treiben ungezielt, unstrukturiert und planlos die Debatte voran. Und genau das ist eben keine Schwäche, sondern der Grund, warum sie gewinnen.
Blind oder ignorant?
Sich diesem Phänomen über das Argument der Wissenschaftsferne zu nähern, zeugt von einer Wahrnehmungsstörung. Das Gegenteil ist richtig. Klar, es toben sich auch viele Laien in der Debatte aus, Menschen, die anders ausgebildet wurden und denen es daher schwerfällt, die Besonderheiten naturwissenschaftlichen Denkens zu verstehen. Aber gerade der Blick aus einer anderen Perspektive kann ein wichtiger Impuls für den wissenschaftlichen Fortschritt sein. Wenn ein Kaufmann, ein Ökonom, wenn ein Handwerker, wenn ein Jurist oder ein Arzt schon am Verständnis der “Temperaturanomalie” scheitern, vom “Treibhauseffekt” oder noch komplexeren Konzepten will ich gar nicht erst reden, dann darf die Seite der wissenschaftlichen Autorität nicht mit Häme und Ablehnung reagieren. Vielmehr hat sie zu erläutern, um Verständnis zu werben.
Der Wunsch, wirklich verstanden zu werden, ist aber in der Debatte auf Seiten der Alarmisten wenig ausgeprägt. Der engagierte Laie auf Seiten der Alarmisten nimmt hin, was die Autoritäten sagen, weil es die Autoritäten sind. Der engagierte Laie auf Seiten der Skeptiker hingegen hinterfragt die Autoritäten, weil diese sich selbst als Autoritäten klassifizieren. Wenn es um Klimasensitivitäten, um Muster in den Meeresströmungen, um die Validität von Messungen geht, dann ist nirgends das Ringen um Begreifen so ausgeprägt, wie in den zahlreichen Skeptikerblogs. Hier zeigt sich nicht Wissenschaftsferne, sondern ein übergroßes Interesse und eine enorme Wissenschaftsbegeisterung.
Und es sind ja nicht nur Laien auf Seiten der Skeptiker aktiv. Bestimmte Berufsgruppen aus dem naturwissenschaftlich-technischen Lager kann man dort häufig antreffen. Ingenieure beispielsweise, in ihrer üblichen Tätigkeit Maßstäben der Qualitätssicherung unterworfen, wie sie in der Grundlagenforschung völlig unbekannt sind. Über “Peer Review” können Ingenieure nur müde lächeln, denn sie müssen die Validität ihrer Annahmen regelmäßig Zertifizierungsbehörden nachweisen, die so genau hinschauen, wie es nur möglich ist. Astronomen und Astrophysiker beispielsweise, die ein Gefühl für die Dimensionen und die Komplexität der Fragestellungen mitbringen, die dem erdgebundenen Klimaforscher oft fehlt. Es ist auch die Sicht der anderen Naturwissenschaftler und insbesondere die der Techniker, die die Klimaforschung aus dem Elfenbeinturm der selbstgefälligen Nabelschau befreit.
Viel Feind, viel Ehr€˜
Wenn der hochrangige IPCC-Funktionär Ottmar Edenhofer, seines Zeichens Ökonom und stellvertretender Direktor des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung, mithin einer der profiliertesten Alarmisten, in einem bemerkenswerten Artikel für die FAZ also schreibt:
“Dass diese Debatte so vehement, so leidenschaftlich und manchmal auch so unsachlich geführt wird, zeugt zunächst einmal vom Erfolg des IPCC.”
€¦dann ist das nur die halbe Wahrheit.
Nein, daß die Klimadebatte so intensiv in der Öffentlichkeit stattfindet, daß Klimaforschung so stark von den Medien und der Gesellschaft wahrgenommen wird, ist zumindest zu gleichen Teilen auch den Skeptikern zu verdanken. Ottmar Edenhofer ist prominent und berühmt genug, in der FAZ entsprechend Raum für seine Gedanken zu bekommen, er sitzt in Talkshows, berät hochrangige Politiker, wird als Redner zu Kongressen eingeladen und von Journalisten befragt. Und das wäre nicht der Fall, gäbe es nicht diese Opposition. Und das gilt auch für viele andere Protagonisten, für die Schellnhubers, Rahmstorfs, Marotzkes und Latifs dieser Welt. Viel Feind, viel Ehr€˜, der wahre Kern dieses alten Sprichworts zeigt sich auch hier wieder deutlich.
Die Skeptiker treiben die etablierte Klimaforschung vor sich her, sie zwingen diese zu Klarstellungen, Erläuterungen und Hinterfragungen. Die Skeptiker tragen damit nicht zu Wissenschaftsferne bei. Nein, sie machen Grundlagenforschung spannender und interessanter für das öffentliche Bewußtsein.
Das Wesen der Skeptiker
Wenn es also nicht Wissenschaftferne, sondern Interesse und Begeisterung sind, die die Skeptiker auszeichnen, wenn diese ein so uneinheitliches und buntes Völkchen ohne übergeordneten Plan darstellen, was bleibt dann, um sie in ihrer Gesamtheit zu erfassen?
Der monolithische, einheitliche Block steht auf der anderen Seite. Es sind die Alarmisten, die nicht nur den weiteren Erkenntnisprozeß außerhalb der Details für überflüssig halten (“Science is settled.”), sondern aus dieser Ansicht auch eine simple, klar definierte politische Handlungsmaxime ableiten. Es gilt nach ihrer Auffassung, Kohlendioxid-Emissionen zu reduzieren, koste es, was es wolle. Nur so könne man die Risiken des menschgemachten Klimawandels verringern.
Aus meiner Sicht ist jeder ein Skeptiker, der an dieser Schlußfolgerung zweifelt. Sei es, weil die Prämisse (“menschgemachter Klimawandel”) abgelehnt wird, sei es weil man den Vorhersagen (“wenn die Kohlendioxid-Emissionen sinken, werden die Risiken des Klimawandels geringer”) nicht traut. Sei es auch deswegen, weil man in einem insgesamt wärmeren Klima weniger Risiken, sondern mehr Vorteile erkennt.
Oder sei es, wie in meinem Fall, weil man der Überzeugung ist, daß eine Vermeidungsstrategie riskanter ist, als den mutmaßlichen Kimawandel einfach geschehen zu lassen. Weil man, wie ich, die Auffassung teilt, eine Vermeidungsstrategie könne nur dann effektiv umgesetzt werden, wenn der Staat auf eine Art und Weise in unsere individuelle Lebensgestaltung eingreift, wie man es ihm niemals erlauben darf.
Man kann es auch ausdrücken wie Edenhofer:
“Wer sich mit diesen Fragen beschäftigt [den möglichen politischen Schlußfolgerungen aus der Klimadebatte], wird schnell feststellen, dass eine umfassende Darstellung der alternativen Entwicklungspfade, ihrer Kosten und Risiken mit großen Schwierigkeiten behaftet ist. Es gibt noch große Wissenslücken, die in den nächsten Jahren geschlossen werden müssen.”
Vielfalt siegt über Einfalt
Die Skeptiker kann man nur als Gegensatz zu den Alarmisten verstehen, nicht als politische Bewegung mit eigenen Zielen, so meine Auffassung. Und da die alarmistische Grundhaltung in so vielen Punkten angreifbar ist, zeichnen sich die Skeptiker durch ihre argumentative Vielfalt aus. Nach meiner Überzeugung siegt Vielfalt am Ende immer über Einfalt. Und man kann diesen spannenden Prozeß derzeit live und in Farbe verfolgen.
Kaum zwei Jahre nach der Verleihung des Friedensnobelpreises steht das IPCC vor einer grundlegenden Neuorganisation. Eine der zentralen Forderungen der Skeptiker. Denn der direkte Weg von der Klimaforschung hin zu einer bestimmten politischen Agenda ist zerbrochen. Dieser Weg ist nur deswegen möglich gewesen, weil das IPCC in einer bestimmten Weise gearbeitet hat und organisiert war. Die alarmistischen Kreise haben den ständigen Ruf der Skeptiker nach einer Reformierung des IPCC und der ihm zugrundeliegenden Prozesse bereitwillig aufgegriffen. Aus Skepsis geborene Vorschläge, die eine bessere Qualitätssicherung und eine Differenzierung zwischen dem wissenschaftlichen und dem politischen Teil der Arbeit dieses UNO-Gremiums betreffen, werden unverändert durch die Alarmisten übernommen.
Man kann hoffen, daß Wissenschaft in Zukunft wieder unabhängig von politischen Interessen frei und selbstbestimmt agieren kann. Es sind die Skeptiker, deren unermüdliches Bohren, Fragen und Kritisieren die Klimaforschung am Ende aus der teuflischen Umklammerung durch den Ökologismus befreien kann. Wissenschaft ist eben keine Ideologie, sie darf nicht als solche betrieben und auch nicht zur Unterstützung einer solchen instrumentalisiert werden. Weder die Politiker, noch die Medien, insbesondere nicht die Gilde der Wissenschaftsjournalisten, und auch nicht die Wissenschaftler selbst, hätten dies aus eigener Kraft erreichen können. Die Skeptiker haben diese Gruppen nicht beschämt, wie einige Kommentatoren vorschnell urteilen, sie haben ihnen vielmehr geholfen. Sie dazu ermächtigt, sich nun aus eigener Kraft aus dem Sumpf, in dem sie zu versinken drohten, wieder zu befreien.
Das also sind Skeptiker: Menschen, die nicht bereit sind, ihre Freiheit auf Basis der unkritischen Anbetung von Computersimulationen zu opfern, Menschen, die verstehen und begreifen wollen, was Wissenschaft kann (und was nicht), Menschen, die den wissenschaftlichen und technischen Fortschritt engagiert aufgreifen. Nicht “Leugner” oder “Zyniker”, “Negierer” oder “Ignorierer”, sondern verantwortungsvolle Optimisten.
Und also sprach Edenhofer:
“Denn gefährlich wird wissenschaftliche Politikberatung immer dann, wenn nur ein Weg exploriert und damit präjudiziert wird. Gerade dann besteht die Gefahr, dass im Namen der Wissenschaft eine Politik legitimiert wird, für die es keine oder eine zu schmale Wissensbasis gibt.”
“Wissenschaftler sind keine Ersatzpolitiker. Oft genug wird aber die Wissenschaft durch die Politik in diese Rolle gedrängt.”
Genau, Herr Edenhofer, ganz genau diese Haltung zeichnet uns Skeptiker aus. Willkommen im Club.
Quelle: Science Skeptical
Die Betrachtung des Wesens der Menschen, die nicht blind den Klimaaussagen der vorgeblichen Autoritäten folgen wollen, ist nächst der Beschäftigung mit der streitigen Sachfrage und nächst der Befassung mit dem Wesen der Experten und Politiker, die ihre Behauptung der menschengemachten Gefahr mit allen Mitteln durchsetzen müssen, doch tatsächlich auch ein Thema, mit dem man sich befassen kann. Wie der
Autor aber feststellt, gibt es nicht eine eihheitliche Gruppe von “Klimaskeptikern.”
Ich habe dem endlosen Geplänkel lange Zeit mit Widerwillen zugesehen, bis ich feststellte, dass die “Experten” immer wieder gelogen und betrogen haben. Die IPCC ist in meinen Augen nicht mehr als eine Propagandamaschine.
Da es letzlich überhaupt nicht auf Befindlichkeiten ankommt, habe ich mir einmal
- als absoluter Laie – die Grundlagen für die Behauptung des CO2-Treibhauseffekts
angesehen und werden in Kürze hier darüber referieren.
Der Autor schreibt:
“Der Wunsch, wirklich verstanden zu werden, ist aber in der Debatte auf Seiten der Alarmisten wenig ausgeprägt. Der engagierte Laie auf Seiten der Alarmisten nimmt hin, was die Autoritäten sagen, weil es die Autoritäten sind. Der engagierte Laie auf Seiten der Skeptiker hingegen hinterfragt die Autoritäten, weil diese sich selbst als Autoritäten klassifizieren. Wenn es um Klimasensitivitäten, um Muster in den Meeresströmungen, um die Validität von Messungen geht, dann ist nirgends das Ringen um Begreifen so ausgeprägt, wie in den zahlreichen Skeptikerblogs. Hier zeigt sich nicht Wissenschaftsferne, sondern ein übergroßes Interesse und eine enorme Wissenschaftsbegeisterung.”
Wieso das Interesse der “Seiteneinsteiger” in die Materie “übergroß” sein soll, ist nicht verständlich. Die sogenannte Wissenschaft tritt oft auf der Stelle und legt ihre Scheuklappen nicht ab, während Menschen mit gesundem Menschenverstand, die
die Vorgänge aus neuer Perspektive beleuchten, Erkenntnisse gewinnen, die die
Experten nie gefunden hätten.