Tjerk und Peter wollen nach Istanbul. Aber ohne “Trekhaak” geht nichts

Da dürfte manch einer staunen, wenn er den Wohnwagenanhänger von Tjerk Ridder und Peter Bijl am Straßenrand oder auf einem Autobahnpark- oder Rastplatz stehen sieht. Denn dieser steht dort ohne ein Zugfahrzeug. Also stellen sich dem auf das Gefährt aufmerksam gewordenen Beobachter mindestens zwei Fragen. Erstens: Wie ist dieser Wohnwagenanhänger

UtrechtIstanterbur.jpgDa dürfte manch einer staunen, wenn er den Wohnwagenanhänger von Tjerk Ridder und Peter Bijl am Straßenrand oder auf einem Autobahnpark- oder Rastplatz stehen sieht. Denn dieser steht dort ohne ein Zugfahrzeug. Also stellen sich dem auf das Gefährt aufmerksam gewordenen Beobachter mindestens zwei Fragen. Erstens: Wie ist dieser Wohnwagenanhänger hier hin gekommen? Und zweitens: Wie soll er hier wieder wegkommen?

“Trekhaak gezocht!”

Dem Neugierigen kann geholfen werden. Schließlich wird er unschwer das Schild auf dem Wohnwagendach entdecken. Darauf auf Niederländisch geschrieben steht: “Trekhaak gezocht!” Oder in deutscher Sprache: “Anhängerkupplung gesucht!” Überdies wird man ohnehin rasch mit den beiden freundlichen Insassen der rollenden Unterkunft ins Gespräch kommen, die gerne alle im Zusammenhang damit und mit ihnen auftretende Fragen beantworten werden.

Von Utrecht nach Istanbul

Der Musiker Tjerk Ridder und sein Mitreisender Peter Bijl – und um ihn nicht zu vergessen: gleichfalls Hundchen Dachs – sind am 3. Februar diesen Jahres in Utrecht mit ihrem Eriba-Wohnwagenanhänger zu einer langen Reise gestartet. Natürlich hatten sie zuvor ein “Trekhaak”, eine Anhängerkupplung und natürlich das dazugehörige Zugfahrzeug gefunden, um aus Utrecht fortzukommen. Da hatten sie noch ein ziemliches Stück Wegstrecke vor der Brust, respektive: der Wohnwagendeichsel. Immerhin wollen Tjerk und Peter an den Bosporus. Nach Istanbul.

Entlang der Kulturhauptstädte 2010

Hinter der zunächst vielleicht etwas außergewöhnlich erscheinenden Reiseidee der Beiden verbirgt sich aber keineswegs ein reines Spaßprojekt, sondern ein  durchaus sinnhaftes Projekt. Und die Reiseroute der beiden Niederländer orientiert sich entlang der diesjährigen Kulturhauptstädte. Auf diese Weise erreichten die Reisenden nach Arnhem, Nijmwegen, Baarle, Venlo und Mastricht als erstes die Kulturhauptstadt Essen, die für das gesamte Ruhrgebiet steht, rechtzeitig zur Eröffnung der “Ruhr.2010″. Danach fanden sich im ohnehin menschenfreundlichen Ruhrpott abermals nette Chauffeure samt Wagen mit Anhängerkupplung, welche den Wohnwagen der Niederländer weiter nach Bochum und Dortmund zogen.

Um weiter zu kommen im Leben braucht man andere Menschen 

Was zunächst einmal einem Sinn der Reise diente: Nämlich samt Wohnwagen zu trampen. Um so weiter und weiter zu kommen. Doch nicht allein geographisch betrachtet. Die hauptsächliche Idee dahinter ergibt sich aber aus der Notwendigkeit, immer wieder Leute mit Autos, die Anhängerkupplungen haben, finden zu müssen. Wie die ungewöhnlichen Tramper auf ihrer Internetseite erklären, ist nämlich die Reise als “eine Metapher” gedacht, “die buchstäblich zeigt, dass man im Leben andere Menschen braucht, um weiter zu kommen.” Eine Erkenntnis, die sich wieder verstärkt durchsetzen sollte. Und nicht nur in Zeiten der Weltwirtschaftskrise.

Gute Vorsätze kommen in Konservendosen

Tjerk und Peter sind nicht nur darauf aus, unterwegs möglichst viele Menschen zu treffen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Was bislang geradezu zwangsläufig bzw. aufgrund der Neugier und dem Interesse der Menschen an der Unternehmung der zwei Niederländer erfreulicherweise reichlich geschieht. Sondern sie fragen die Fahrerinnen und Fahrer, welche sie und ihren Eriba-Wohnanhänger ein Stück des Wegs voranbringen auch nach deren guten Vorsätzen. Die kommen dann registriert in Konservendosen. Diese mit Haltbarkeitsdatum versehen werden. Jenem Datum, an welchem man das, was man sich vorgenommen hat, auch erreicht haben sollte.

Musiker Tjerk hofft auf Inspirationen für neue Songs

Desweiteren erhofft sich Musiker Tjerk von den Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen aus den verschiedenen Regionen Europas entlang der Fahrtroute nach Istanbul Inspirationen für ein Musikalbum. Lieder dieser CD oder DVD sollen u. a. auf der Weltausstellung in Shanghai vorgestellt werden.

Umweltfreundlicher Strom vom Wohnwagendach

Auf der Strecke nach Istanbul verzichten die Reisenden keineswegs auf moderne Kommunikationsmittel wie Telefon und Laptop. Beides, wie auch die Wohnwagenbeleuchtung des Eriba, wird via auf dem Dach montierter, von einem Sponsor beigesteuerter Solarzellen, erzeugten umweltfreundlichen Stromes betrieben.

Linz, Budapest und Wien liegen hinter den Beiden

Unterdessen sind die zwei Abenteurer dem Bosporus und der aufregenden Stadt Istanbul bereits näher gekommen. Sie haben Linz hinter sich gelassen und Station an den anderen Donau-Städten Wien und Budapest gemacht.

Von Eis und Schnee ließen sich die Flachländer nicht mürbe machen. Den “Oberösterreichischen Nachrichten” teilten Tjerk und Peter ihre Reisephilosophie mit: “Manchmal weißt du nicht mehr weiter. Aber wenn du einen Schritt tust, wird etwas geschehen – nur nicht das, was du erwartest. Das meint das englische Happening. Es steckt auch im Wort für Glück happiness.”

Am 7. Februar erreichten Tjerk Ridder und Peter Bijl die ungarische Kulturhauptstadt Pécs.

Peter Bijl: “Die Eindrücke sind überwältigend.”

Bis dato haben die Beiden, so jedenfalls die einlaufenden Informationen, auf ihrer Tour unzählige wirklich gute Erfahrungen gemacht und darüber hinaus jede Menge interessanter und und sich für ihre “Mission” interessierende Menschen getroffen, die bestimmt ihrerseits Inspirationen aus der Begegnung mit den Niederländern haben ziehen können. Peter Bijl gegenüber den “OÖNachrichten.at”: “Die Eindrücke sind einfach überwältigend.”

Von der Reise inspirierte Songs kommen im Mai heraus

Auf die höchstwahrscheinlich im Mai herauskommenden Songs von Tjerk, die sich mit Sicherheit aus den reichhaltigen, während der Tour gemachten unterschiedlichen Begegnungen speisen, darf man gespannt sein.

Ebenfalls darauf, welche Inspirationen wohl das wundervoll-aufregend-schreckliche-einmalig-vielgesichtige-historisch-einzigartige-hypermoderne Istanbul, als Kulturhauptstadt 2010, zum Musikprojekt beigesteuert haben wird.

Übrigens: Die Reise der beiden Niederländer wird auf deren Internetseite dokumentiert und in Abständen aktualisiert. Auch die Fahrer, welche samt ihrer Zugfahrzeuge den Eriba-Wohnanhänger Wegstück für Wegstück weiter beförderten, finden dort Platz und Erwähnung.

Photo/Quelle: Sebastiaan ter Burg via Flickr.com CC-Lizenz Some Rights Reserved

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