Bisher wurde abstrakt, d.h. ohne konkrete Angabe der möglichen Ursache, von einem double dip der Weltwirtschaft gesprochen. Nun mehren sich die Hinweise, dass es erneut eine Immobilienkrise Made in USA sein könnte, die aufgrund der hierdurch ausgelösten Finanzmarktkrise die Weltwirtschaft ein zweites Mal in den Abgrund stürzt. Diesmal sind es nicht die privaten Wohnimmobilien, insbesondere der Subprime-Markt, sondern die Gewerbeimmobilien sowie die gewerblichen Wohnimmobilien. Die Finanzierungen vieler solcher Objekte sind aufgrund der veränderten Marktlage nicht mehr gesichert.
Erneut steht ein Finanzvolumen in Billionenhöhe auf dem Spiel
Das Problem ist bereits seit langem, d.h. seit Monaten bekannt. Allein in diesem Jahr müssen Hypothekendarlehen in Höhe von 700 Mrd. US-Dollar refinanziert werden. Viele dieser Objekte sind gemessen an den aktuellen Marktwerten überschuldet, d.h. der ausstehende Kredit übersteigt den Marktwert des Objekts. Mithin müsste der Finanzierer einer solchen Immobilie darauf hoffen, dass irgendwann der Wert wieder steigt, wenn er überhaupt den Kredit erneuern wollte. Bei der derzeitigen Risikoscheu werden nur wenige hierzu bereit sein. Mithin droht bei solchen Objekten die Insolvenz und für die Hypothekenfinanzierer ein großer Wertberichtigungsbedarf.
Des Weiteren sind ebenso wie bei den Eigenheimen diese Objekte mittels sogenannter CMBS (Commercial Mortgage-backed Securities) verbrieft, d.h. an ahnungslose Investoren als hochwertige Finanzanlagen weiterverkauft. Mithin würde sich das Drama der Jahre 2007/2008 hier wiederholen können. Plötzlich müssten Versicherungen, Pensionsfonds, Geschäftsbanken und Privatanleger rund um den Globus feststellen, dass ihre Wertpapiere zu Schrottanleihen, sogenannten toxic papers, mutiert wären (pdf). Das gleiche Spiel würde sich am Ende wiederholen. Es drohte ein Finanzkollaps, da niemand weiß wo und wer mit diesen toxic assets belastet ist. Ob sich in einem solchen Fall die Staatengemeinschaft nochmals aufraffen würde, einen bailout oder sonstige Rettungspakete zu schnüren, um die daran beteiligten Akteure vor dem Zusammenbruch zu retten, kann bezweifelt werden. Die Staaten sind bereits jetzt derart finanziell angeschlagen, dass eine solche Maßnahme einen Staatsbankrott sehr wahrscheinlich werden ließe. Das allein in den USA zur Disposition stehende Marktvolumen wird derzeit auf 6,7 Billionen US-Dollar geschätzt.
US-Regierung und Notenbank stellen sich taub
Timothy Geithner und Ben Bernanke als führende verantwortliche Politiker stellen sich gegenüber solchen Befürchtungen taub. Denn €“ man merke €“ was nicht sein soll, kann auch nicht sein. Obwohl Rating Agenturen bereits vor den Risiken warnen, bleibt man erneut untätig. Bernanke ist zurzeit mit der Frage beschäftigt, wie er den Ausstieg seiner unorthodoxen Geldpolitik, d.h. der ultralockeren Geldpolitik, beenden will. Hierbei verursachen die verstaatlichten Hypothekenfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae Probleme, da sie mit ihrer Überschussliquidität am Geldmarkt die Federal Funds Rate zusätzlich nach unten drücken. Dies macht jedoch ein Umsteuern der Geldpolitik auf ein höheres Zinsniveau schwieriger.
Geithner stattdessen übt sich tapfer in Zweckoptimismus. Nachdem andere Länder wegen ihrer hohen Staatsverschuldung um ihr Triple- AAA beim Rating von Staatsschuldverschreibungen fürchten müssen oder es bereits eingebüßt haben, verkündet er, dass dieses Risiko für die USA nicht bestünde. Na wenn er da nicht mal eine böse Überraschung erlebt.
Klar stellen die sich taub… Wenn’s schief geht, schiebt man den schwarzen Peter einfach wieder den bösen Managern und Bankern zu. Hat doch jetzt auch prima geklappt.
Da können sich Beamte und Politiker, die grad ne Landesbank versenkt haben, hinstellen und sagen: Die sind aber schuld! Es war die Gier! Wir brauchen noch mehr Regulierung und somit noch mehr Macht. Ist nen Selbstläufer für den öffentlichen Sektor.