Ist die Wirtschaft demokratisch?

Das behauptet die Wirtschaft auch gar nicht. Die Wirtschaft präsentiert sich in ihrer Hackordnung nicht als demokratisch, sondern als gesund (wenn sie nicht kränkelt), kraftvoll (wenn sie nicht schwächelt) und als frei. Die freie Wirtschaft kennt keine Demokratie und scheinbar auch keine weltliche Gesetze. Sie will sich ausschließlich nach dem

Das behauptet die Wirtschaft auch gar nicht. Die Wirtschaft präsentiert sich in ihrer Hackordnung nicht als demokratisch, sondern als gesund (wenn sie nicht kränkelt), kraftvoll (wenn sie nicht schwächelt) und als frei. Die freie Wirtschaft kennt keine Demokratie und scheinbar auch keine weltliche Gesetze. Sie will sich ausschließlich nach dem Göttlichen Gesetz richten, das uns in der Natur hinterlassen wurde: Fressen oder gefressen werden! Und in die vorbildlich ausgeübte Gefräßigkeit soll ihr bitteschön niemand hineinreden. Jesus kam eigentlich viel zu spät; erst nachdem sich das Gesetz der natürlichen Auslese: “Fressen und sich hingebungsvoll fressen lassen” über Millionen von Jahren auf der Erde erfolgreich bewährt hat.

Die naturgetreue, um nicht zu sagen ökologische Philosophie der Wirtschaft hat aber einen Hacken: Wenn sich die Anhänger der freien Marktwirtschaft geschädigt fühlen, erscheinen sie mit ihren gut ernährten Anwälten prompt vor dem weltlichen Gericht und rufen nach dem Gesetz. Auch die Marktwirtschaft will vor dem Gericht immer wieder Recht bekommen, obwohl sie die weltliche Einmischung seitens der Politik und des Gesetzgebers prinzipiell abscheulich findet. Und damit stellt die Marktwirtschaft die Demokratie vor ein unlösbares Problem: Die Demokratie soll sich aus der Gesetzgebung der Marktwirtschaft möglichst heraus halten, weil das Göttliche Dschungel-Gesetz in der Marktwirtschaft bereits gut funktioniere. Gleichzeitig will aber die Marktwirtschaft vor dem Gericht immer Recht bekommen, obwohl sich das Gericht bei seinem Urteil nach dem weltlichen Gesetz richten muss. Noch eigensinniger als die Marktwirtschaft kann man in einer Demokratie eigentlich gar nicht sein.

Und trotzdem hat es die Marktwirtschaft geschafft, an die scheinbar demokratischen Gesetzgeber in unseren Parlamenten so großen Einfluss auszuüben, dass diese für die Marktwirtschaft nur noch solche Gesetze verabschieden, welche der Marktwirtschaft auch passen. Und damit hat die Marktwirtschaft im Vergleich zu den Bürgen für sich ein eindeutiges Privileg durchgesetzt. Die Bürger müssen auch Gesetze und andere Entscheidungen schlucken, die ihnen nicht passen.

Die privilegierte Stellung der Wirtschaft hat auch ihre Logik. Denn die Konkurrenz – der Kampf und Krieg zwischen den Obsthändlern und allen anderen Wirtschaftsgiganten, einschließlich der feindlichen Übernahme – ist das oberste Gebot der Marktwirtschaft. Und der Krieg fordert für sich das Privileg, sich über das Gebot der Rücksichtnahme hinwegsetzen zu dürfen. Die Konkurrenz lasse sich nicht regeln, sie müsse einfach mit allen Mitteln ausgetragen werden. Also müsse die Demokratie jeglichen Kollateralschaden, der durch die “freie Wirtschaft” verursacht wurde, wehrlos akzeptieren. Die Anhänger der “freien” Marktwirtschaft sind eine eingeschworene Bande von Gladiatoren und Toreros, die permanent ihre Kräfte miteinander messen müssen, weil es das Göttliche Gesetz der Konkurrenz von ihnen verlangt. Sie sind die Raser auf der Autobahn der Demokratie, die keine Geschwindigkeitsbegrenzung akzeptieren können, solange sie den Sieg durch den eigenen Profit vor Augen haben. Auch das Formel 1-Rennen kann nicht mit Tempo 50 ausgetragen werden.

Leider verlaufen die tödlichen Sportkämpfe der “freien” Marktwirtschaft nicht auf einer geschlossenen Rennstrecke, sondern mitten in unserem Alltag, wo alte Menschen in der Sonne sitzen und die Kinder auf der Straße spielen. Und selbst dann, wenn wir das spannende Rennen der Formel 1 sehr mögen, hat in einer Demokratie jeder von uns das Recht, sich die folgende Frage zu stellen: Was haben die Kinder und die alten Menschen davon? Müssen wir unsere Regeln der Formel 1 oder der “freien” Marktwirtschaft anpassen? Doch auch die Formel 1 hat einige Regeln, die von dem Gesetzgeber vorgeschrieben, also diktiert werden. Dagegen weist die “freie” Marktwirtschaft alle demokratischen Regeln weit von sich. Was haben wir eigentlich davon, wenn wir die Gesetzlosigkeit und damit die Anarchie einführen? Ist die Demokratie nicht überlebensfähig?

Während sich der “demokratische” Rechtsstaat gegenüber den Terroristen sehr standhaft verhält und sich nicht erpressen lässt, gibt er den Erpressungen der Wirtschaft bereitwillig nach. Die Sprecher der Wirtschaft können öffentlich damit drohen, dass sie die deutsche Demokratie umgehend verlassen, wenn ihren Forderungen nach Freiheit und staatlicher Nichteinmischung nicht nachgegeben wird. Im Vergleich dazu können die Bürger nicht das gleiche tun. Sie können bei ihren Freiheitsforderungen den Abgeordneten oder der Regierung nicht damit drohen, dass sie die Bundesrepublik verlassen. Und das ist eindeutig undemokratisch. Die Bürger haben nicht die gleichen Rechte wie die Wirtschaftssprecher. Sie dürfen den Staat nicht erpressen, sie dürfen die Demokratie nicht bedrohen.

Kommentare

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  1. Schöner Artikel. Eignet sich gut zum weiteren Diskutieren.
    Ist die Demokratie eine erfundene PR Firmenlüge? Ja sie ist eine Lüge seit es US Konzerne gibt. Und weil sie eine Lüge ist, darf auch der größte Verfechter der Demagogie – äh Verzeihung Demokrtaie soll es ja heißen- lügen. Die Strippenzieher hinter den Parteien Konzernbosse und Banksters haben entschieden aus der EU 2010 ein (noch) “unsichtbares€ Gefängnis einfacher Bürger zu machen.
    Man raube ihnen die Finanzmittel (Staatsbanken), wickle alles bargeldlos ab (Privatbanken), führe Buch über alle seine Schritte mittels ELENA und Bürgersteuernummer. Und der Michel sagt zu allem Sonntags vor der Glotze Ja und Amen.
    Unser ach so gerühmtes Rechtssystem ist durchsetzt mit Ausnahmen und Begünstigungen für zu vor durch Lobbyismus gekauften Gesetzesdenker.
    Ein wehrhafter Staat wurde mit der Pseudo-EU-Verfassung abgeschafft.
    Und damit das Lügengebilde prima unauffällig geht, werden fleißig spalterische Parolen “Nebelkerzen€ geworfen an denen sich der gemeine Bürger die Zähne ausbeissen soll. Derweil sich die Henker der Staatengemeinschaft die Taschen vollstopfen und die BRD “GmbH€ abwickeln. Dabei macht Herr G.W. noch die beste ritterliche Figur. Dafür bekommt er Boni bei der DB auf sein Credite Suisse Agentenkonto. Es spielt seit 1948 keine Rolle wer regiert, wir werden nur elegant verwaltet unter dem Heiligenschein Demkratie i.L. Ob der Bürger sich dagegen wehrt? Scheinbar nicht, sonst würden wohl statt Sektkorken, Politikerköpfe knallen.
    “Wenn Du glaubst das Du in einem feudalistischen Kapitalregime lebst, dann bist Du weise.€
    Bürger aufwachen, Banksters und Konzernbosse rauben den Staat aus.