In meinem letzten Beitrag für Readers Edition habe ich auf das Problem des sich abzeichnenden niedrigen langfristigen Wirtschaftswachstums hingewiesen. Eine unmittelbare Konsequenz hieraus ist ein weiterer langfristiger Anstieg der Arbeitslosigkeit. Die so genannte Beschäftigungsschwelle stellt den Zusammenhang zwischen gesamtwirtschaftlicher Wachstumsrate und dem Beschäftigungsanstieg, d.h. der Wachstumsrate der Erwerbstätigen her. Diese lag bei ca. 2%. Es erforderte eine Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukt von 2%, um einen Anstieg der Beschäftigung zu ermöglichen. Diese Größenordnung ist zwar umstritten (s.d. pdf), einige Autoren sehen einen deutlichen Rückgang auf einen Wert von 1% bis 1,5%, aber eine Stagnation bzw. ein Miniwachstum von 0,7% bis 0,5% dürfte letztendlich die Beschäftigung deutlich schrumpfen lassen.
Offizielle Arbeitslosenstatistikstatistik trügt
Die von der Bundesanstalt für Arbeit veröffentlichten Zahlen weisen nur die offiziell gemeldeten Arbeitslosen aus. Im Januar 2010 lag die offizielle Arbeitslosenquote bei 8,6%, d.h. es waren 3,617 Mill. Personen offiziell arbeitslos gemeldet.Allerdings sind darin nicht die derzeit durch Kurzarbeit und der Verlängerung des Kurzarbeitergeldes noch beschäftigten 1,2 Mill. Beschäftigten enthalten.Diese werden jedoch nur dann weiter Beschäftigung finden, wenn sich die deutsche Wirtschaft rasch erholt. Fällt das Wirtschaftswachstum niedriger aus als durch die Bundesregierung prognostiziert, dann werden die Unternehmen ihre Beschäftigung an diese Entwicklung anpassen müssen. Des Weiteren: Werden alle derzeit in diversen arbeitsmarktpolitischen Programmen versteckten Unterbeschäftigten hinzu gerechnet, dann kommt man bereits jetzt auf einen Wert von über 5 Mill. Unterbeschäftigten (pdf). Mithin werden durch die offizielle Arbeitslosenstatistikdie Probleme am deutschen Arbeitsmarkt nur unzureichend wiedergegeben.
Sollte sich die hier kurz skizzierte Entwicklung realisieren, dann steht Deutschland vor mindestens so großen Beschäftigungsproblemen, wie sie sich in der Weltwirtschaftskrise 1929 mit ihren 6 Mill. Arbeitslosen auf ihrem Höhepunkt gestellt haben. Es wird daher völlig neue Konzepte erfordern, die damit sich öffnenden Einkommens- und Verteilungsprobleme zu lösen. Und lieber Guido Westerwelle: Schneeschippen allein reicht nicht!
Werter Herr Georg Erber, das Schneeschippen ist nur der Versuch, die Probleme zu veranschaulichen, welche Sie hier wiedergaben. Auch Herr Westerwelle weiß, dass auf den Staatshaushalt größere Ausgaben für die Arbeitslosen zukommen, und das bei geringeren Einnahmen, wegen dem Rückgang der Beschäftigten. Und er sieht aus seinem Standpunkt nur die Möglichkeit, die HarzIV-Zahlungen zu senken, damit die Ausgaben bei steigender Arbeitslosigkeit trotzdem möglichst gleich bleiben.
Fast alle berühmte Köpfe der liberalen Wirtschaftslehre sind jetzt beim intensiven Nachdenken darüber, wie man die Familie satt kriegt, aber der Kuchen trotzdem ganz bleibt. Sie reden auch nicht mehr so laut, lassen statt dessen den Hern Westerwelle reden. Die Machtlosigkeit der Herrschenden kann man aus deren Reden leicht ablesen. Und auch wenn sie die Macht haben, die Lage der Mehrheit der Bürger zu verschlimmern, sie werden sich dann dieser Mehrheit stellen müssen. Leider können die Bürger ihre Politiker nicht rechtzeitig ausbremsen.