Das überkommene deutsche gegliederte Schulwesen wird seiner Aufgabe nicht gerecht…
- alle Kinder und Jugendlichen entsprechend ihrer Möglichkeiten optimal zu fördern
- und adäquat an die Anforderungen und Regeln eines demokratischen Gemeinwesens heran zu führen,
- wozu unbedingt neben der fachlich-kognitiven Ausbildung die Verinnerlichung demokratischer und sozialer Verhaltensweisen gehört.
In nahezu allen europäischen Ländern lernen heute alle Kinder sechs oder mehr Jahre gemeinsam und die Hälfte der europäischen Länder hat inzwischen eine für alle gemeinsame Schule für die gesamte Dauer der Schulpflicht. Das deutsche Schulsystem ist praktisch das letzte, das an der nur vierjährigen gemeinsamen Ausbildung festhält und die Kinder frühzeitig in Schubladen steckt, aus denen sie kaum wieder heraus kommen. SPD-Oppositionsführerin Hannelore Kraft hat sich mit genau dieser Begründung jetzt offen für die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems ausgesprochen.
Sie liegt damit voll im Trend der schulreformreichen Bemühungen von vielen Seiten. Selbst CDU-geführte Länder wie Schleswig-Holstein und Hamburg plädieren für längeres gemeinsames Lernen aller Schüler.
Die konservativen Befürworter der alten Aufteilung der Schüler in drei Gruppen, die weniger Klugen für die Hauptschule, die praktisch Orientierten für die Realschule und die geistig höher Begabten für das Gymnasium, zeigen sich empört darüber, dass Kraft zur Bestärkung ihrer Argumente behauptet hat, dass unser antiquiertes Schulsystem auch für die gestiegen Selbstmordrate bei Kindern und Jugendlichen verantwortlich sei.
Zum großen Erschrecken der Öffentlichkeit ist immer wieder bekannt geworden, dass schulmüde Kinder auch lebensmüde geworden sind und sich das Leben genommen haben. Dazu kamen spektakuläre Übergriffe an Schulen, als Schüler und ehemalige Schüler aus Frust über ihre Schule Mitschülern und Lehrern ans Leben wollten und – wie in Erfurt, Winnenden und in Ansbach (geplant)- entsetzliche Blutbäder anrichteten.
Wen kann die Verzweiflung der Schüler wundern, wenn sie frühzeitig auf Schulen verschiedenen Geltungsgrades aufgeteilt werden, wo sie dann gleichförmig nach vorgegebenen Leistungskriterien nach Klassen geschlossen unterrichtet werden. Der Glaube an die Gleichheit der Schüler in diesen starren Korsetten führt doch dazu, dass die Schüler zu wenig in ihrer Unterschiedlichkeit wahrgenommen werden. Da kommt es, z.B., dazu, dass keinem Lehrer von Tim K., dem späteren Amokschützen aus Winnenden jemals auffiel, dass dieser bei jedem Aufruf seiner Person durch einen Lehrer in heftiges Zittern geriet und ins Schwitzen kam!
Der Philologenverband rügt Kraft, dass sie die genauen Zahlen der Selbstmorde von Schülern nicht berücksichtigt habe. Tatsächlich seien die Zahlen bei den bis zu 20-jähigen Schülern in Nordrhein-Westfalen von 2001 bis 2008 von 44 auf 35 Fälle im Jahr zurück gegangen. CDU und FDP sprechen von Polemik.
Als ob nicht 35 Selbstmorde im Jahr allein in NRW nicht viel zu viel wären. Es gibt ja gewiss auch andere Ursachen für eine Suizidneigung. Aber unbezweifelbar spielt der Grad der individuellen Wahrnehmung der Schüler eine wichtige Rolle für das Wohlbefinden der Schüler und ihre Zustimmung zum Leben. Gut betreute Menschen werden kaum jemals lebensmüde. Gehen ihre Gedanken doch einmal in Richtung auf eine Selbsttötung, entgeht das einem gut aufgestellten Umfeld nicht und kann gegenwirken. Und wenn es an einer Unterversorgung mit dem Suizidkontrollhormon Serotonin liegen sollte, was bei der heute oft erbärmlich schlechten Ernährung gerade der Jungen nicht verwundern kann, kann man da ansetzen.
Es wird endlich Zeit, dass die Schule menschlicher wird. Das heißt entgegen der Behauptung vieler Philologen nicht, dass sie weniger Leistung der Schüler bringen sollte. Ohne falschen Leistungsdruck, aber mit besserer Zuwendung, leisten Schüler sogar fachlich mehr.
Aber was war denn so schlimm an Krafts Rede? Hier der Text ihrer Aschermittwochsrede:
«Die haben Stellen geschaffen, aber keine Leute draufgesetzt und Stellen geben keinen Unterricht. Und das begreifen die Menschen da draußen, deshalb gibt es Proteste, deshalb ist da so viel los auf den Straßen zu dieser miserablen Bildungspolitik. Und wie weit sind die eigentlich weg von dem Druck, der da aufgebaut wird in unserem Bildungssystem? Wissen die eigentlich wie die Zahl der Selbstmorde zunimmt bei den Kindern?»
Hat sie denn nicht Recht?
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Bild: Hannelore Kraft bei ihrer Aschermittwochsrede in Schwerte am 18.02.2009, via flickr (Autor: nrwspd), cc Lizenz
Das Problem sind ja nicht die Kinder!
Das Problem sind faule und ignorante LehrerInnen, die mehr Zeit in den politischen Organisationen der Parteien und LehrerInnen Freizeiten verbringen als mit den ihnen anvertrauten Kindern.
Herr Ehlers, nicht das System ist falsch, es ist die Motivation und die persönliche Eignung unserer LehrerInnen.
Diese Artikel sollen noch mehr Geld für das Bildungspersonal freischaufeln, nicht für die Kinder.
Noch mal es liegt nicht am System oder am Geld.