Träumer im Wachen und im Schlafen. Teil II

Störungen von Wachheit und Schlaf: Störungen der Wachheit sind durchaus bekannt. Schlafstörungen, an denen fast jeder zweite moderne Mensch leidet, führen aber die Statistiken an. Dennoch kurz zu der Situation der fehlenden Wachheit: Es ist sehr verstörend, wenn man morgens immer wieder unausgeruht aus dem Schlaf kommt, sich die verklebten

zgftdfgtz.jpgStörungen von Wachheit und Schlaf: Störungen der Wachheit sind durchaus bekannt. Schlafstörungen, an denen fast jeder zweite moderne Mensch leidet, führen aber die Statistiken an. Dennoch kurz zu der Situation der fehlenden Wachheit: Es ist sehr verstörend, wenn man morgens immer wieder unausgeruht aus dem Schlaf kommt, sich die verklebten Augen reiben muss,  “mit dem falschen Bein aufsteht”,  “sich erst berappeln muss” und alles in allem lange Zeit “einfach nicht auf die Beine kommen” kann.

Zu den Schlafstörungen gehören auch Schnarchen, Atemstillstand im Schlaf (Apnoe), Schlafwandeln, Sprechen im Schlaf, heftige Körperbewegungen im Schlaf,  Zähneknirschen (Bruxismus) und schlechte Träume oder gar Albträume.Seltener sind die Erfahrungen unerklärlicher bleierner Müdigkeit im Laufe des Tages. Tiefpunkte tagsüber dagegen sind häufig, besonders wenn während der Zeit der Arbeit gegessen wird und das Blut vom Kopf weg in die Därme fließt, um die Nahrung zu verdauen (“Ein voller Bauch studiert nicht gern”). Gegen Ende des Beitrags werde ich aufzeigen, dass mit Ausnahme der Müdigkeit nach dem Essen fast alle Wachstörungen  ein und derselben Quelle entspringen.

Der Schlaf, der es Körper und Geist ermöglichen soll, sich in einigen Stunden zu regenerieren um den Menschen zu befähigen, den nächsten Tag mit Freude anzugehen, ist anders als das Wachen ein komplexes Geschehen. In jeder seiner Zyklen und Phasen können Störfaktoren wirksam werden. Ich rede hier nicht von den  leicht abzustellenden Beeinträchtigungen des Schlafs durch Lärm, Licht und Gestank und schlechten Betten, auch nicht von nächtlichen Mückenüberfällen und häufigem Wasserandrang. Es geht mir hier um die wesentlichen Voraussetzungen jedes gesunden Schlafs. Ich werde aufzeigen, dass auch für diese Schlafstörungen ein einziges, dasselbe wesentliche Moment verantwortlich ist.

Das schlafende Selbst

Das wachende Selbst lebt wie in Teil I ausgeführt im steten Widerstreit oder Einkang mit seinem unterhalb der Ebene des Bewusstseins ständig in Aktion befindlichen unbewussten Selbst. Das schlafende Selbst ist dagegen identisch mit dieser nicht unter der rationalen Kontrolle des Bewusstseins stehenden Entität. Außer, dass sein Bewusstsein schweigt und die äußeren Sinneswahrnehmungen reduziert sind, finden im schlafenden Selbst alle mentalen und geistigen Vorgänge statt, zu denen das Gehirn fähig ist. Die Befreiung von der bewussten Kontrolle weckt zudem kreatives Potenzial. Bestes Beispiel dafür ist Archimedes, der sein berühmtes Gesetz im Schlaf fand und es beim Aufwachen plötzlich greifen konnte.

Die Welt der Schlafträume

Der Mensch, der im Einklang mit oder Kampf zwischen seinem bewussten wachen Selbst und seinem zugleich aktiven unbewussten Selbst steht, hat ein ungestörtes Selbstverständnis gegenüber den Aktivitäten seines schafenden Ichs. Denn der Störfaktor des Bewusstseins ist weg. Ihm eröffnen sich darüber hinaus die Tore in die Welt des Traumschlafs, der von ganz besonderer Bedeutung ist. Wie in Teil I ausgeführt gibt es Parallelen zum Schlaftraum im Phänomenen des Tagtraums. Im Gegensatz zum mehr besinnlichen Tagtraum geht beim Schlaftraum aber oft regelrecht “die Post ab.”  Im Schlaftraum, der äußerlich auffällt an der schnellen Bewegung der Augäpfel hinter geschlossenen Lidern (rapid eye movement, REM-Phase), lässt der Schläfer die Welt Revue passieren. Er begibt sich auf Entdeckungsreisen durch die äußere und innere Welt. Im Traum werden manche Dinge klar, die wach unlösbar erschienen, dort werden Möglichkeiten durchgespielt, die tagsüber verdeckt waren. Neu ist die Realisierung, dass wir die Fähigkeit zum “Klarträumen” haben. In solchen durchweg positiven Träumen erleben wir derweil, dass wir uns im Traum befinden. Das eröffnet Wege, auf den Verlauf der Träume Einfluss zu nehmen. In Klarträumen ist man nicht wach, Inhalt des Traums, an den man sich auch erinnern kann ist ein spezifisches Traumbewusstsein. Ob sich damit wichtige neue Erfahrungshorizonte öffnen, ist indessen ungewiss. Wer nie klarträumt, braucht sich daher nicht zu grämen. Ohnehin ist der gesundheitliche Wert des Träumens noch nicht abschließend erforscht. Dass er große Funktionen für die Gesundheit der Psyche hat, kann man aber vermuten.

Serotonin €“ Kontrollhormon für Wachen und Schlafen

Serotonin, der erste von der Natur erfundene Steuerstoff, im Körper ein Gewebehormon, im ZNS der wichtigste aller Neurotransmitter, der wegen seiner Polyvalenz und der durch ihn erfolgten Modulierung des Einsatzes anderer Neurotransmitter das Schlüsselhormon genannt wird, ist wahrlich der Schlüssel schlechthin für das tägliche Erleben großer Wachheit und das Erleben eines erquickenden Schlafs in der Nacht.

Wenn man weiß, dass Serotonin im Gehirn so unterschiedliche Aufgaben hat wie die oberste Esskontrolle, Schmerzkontrolle und Kontrolle der Körpertemperatur, Stresskontrolle, Suizidkontrolle, Suchtkontrolle und Kontrolle von Angst und Zwang, wird sich nicht wundern dass Serotonin in seiner Funktion als Wach- und Schlafkontrollhormon zum Einen das Gefühl der Wachheit erst ermöglicht und zum anderen den Schlaf.

Da geht es ja im ersten Fall um die Herstellung eines Gefühls, denn Wachheit ist mehr als ein Zustand. Wachheit ist ein spürbares Gefühl. Bei der Schlafkontrolle geht es hingegen nicht um die Herstellung eines Gefühls, denn Schlafen ist ein Zustand und kein Gefühl. Gut dass die Natur die Begriffe nicht so scheidet wie wir mit unserer Sprache, sonst hätte sie vielleicht den Zustand des Schlafes aus dem Aufgabenspektrum von Serotonin einfach heraus gelassen. Tatsache ist allerdings, dass kein Mensch auch nur einen Moment Schlaf finden kann, wenn ihm Serotonin fehlt, das ich deswegen zur Abgrenzung des auch beim Schlaf benötigten “Schlafhormons” Melatonin das Einschlafhormon nenne. Serotonin wird in den ersten Schlafphasen mehrfach gebraucht. Zuerst zum Einschlafen. Etwa eine halbe Stunde danach, nach der ersten Leichtschlafphase, greift der Körper auf Serotonin zu und baut es in der Zirbeldrüse in Melatonin um. Das Melatonin zieht den Menschen tiefer in den Schlaf bis in die Tiefschlafphase. Dort braucht der Körper wieder Serotonin, jetzt aber um daraus das Dämpfungshormon GABA zu synthetisieren. GABA hält den Menschen während der ersten beiden der nächtlichen Schlafzyklen im Tiefschlaf fest. In diese Zeit fallen offenbar besonders wichtige Vorgänge zur Regeneration des Körpers. Daher rührt wohl die alte Vorstellung, dass der Schlaf vor Mitternacht der wichtigste sei. Das mag schon stimmen, jedenfalls sind ungestörte erste Schlafzyklen für die Qualität der Regeneration im Schlaf entscheidend.

Serotonin erfüllt am Tage seine vielfachen Funktionen, kontrolliert körperliche Schmerzen, sorgt für ein Ende von Essattacken, den Abbau von Stress, erhöht die körperliche und psychische Belastbarkeit und in der Summe der Wirkungen verschafft es uns ein gutes allgemeines Wohlbefinden. Das alles tut es aber auch in der Nacht, in den absteigenden Schlafphasen wie auch in den Traumphasen, die in die oberen Bereiche der aufsteigenden Äste der Schlafzyklen von je 1 ½ Stunden Dauer fallen.

Nach dem Abschluss jedes Schlafzyklus der Nacht muss €“ trotz des Verbrauchs von Serotonin für die Herstellung von Melatonin und GABA €“ noch genügend Serotonin da sein, damit der Mensch den Eingang in den nächsten Schlafzyklus findet. Ist Serotonin knapp, sitzt der arme Mensch senkrecht im Bett und kann einfach nicht wieder einschlafen. Millionen leiden darunter jede Nacht.

Damit man sich morgens wirklich wach fühlen kann, muss Serotonin auch dann noch in ausreichender Menge im Hirn zugegen sein. Glücklicherweise braucht der Mensch  von diesem hochaktiven Steuerstoff durchschnittlich nur 0,1 mg je Kalendertag. Und erfreulicherweise hat Serotonin eine Halbwertzeit von 21 Stunden. Zum Glück auch sind die Möglichkeiten des körpereigenen Aufbaus des zentralnervös benötigten Serotonins heute hinreichend erforscht.

Ausblick

Wenn wir uns wie hier aufgezeigt als Träumer im Wachen und Schlafen verstehen und begreifen, dass wir uns selbst als Einheit in den bewussten und unbewussten Möglichkeiten unserer Existenz akzeptieren müssen und wenn wir dann noch die Weichen dafür stellen, dass unser Wachen und Schlafen ungestört ablaufen kann, ist auch gesichert, dass wir ein Leben voller allgemeinen Wohlbefindens habenkönnen.

Teil I lesen.

Bild via flickr (Autor: JOE M500), cc Lizenz

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