Bereits vor einigen Wochen warnte der Chef des IWF Strauss-Kahn vor einem erneuten Rückschlag der Weltkonjunktur. Jetzt mehren sich die Anzeichen, dass in den USA der leichte Aufschwung zum Jahresende 2009 bereits wieder an Fahrt verloren hat. Die Arbeitslosenzahlen der letzten Wochen zeigen keinerlei Trendwende. Aber nicht nur am Arbeitsmarkt sind Zeichen der Schwäche auszumachen. So ist der Auftragseingang – schließt man den Bereich des Transportsektors aus – erneut rückläufig.
Mit dem Auslaufen der Förderung beim Autokauf in den USA, dort unter dem Namen “cash for clunkers” populär geworden, fehlt es offensichtlich an Anreizen in der privaten Wirtschaft, ihre Nachfrage insbesondere im Bereich der Investitionsgüter auszuweiten. Mithin ruht die derzeitige Wirtschaftsentwicklung in den USA weiterhin auf dem expansiven Konjunkturprogramm der US-Regierung.
Kein Ende der Defizitfinanzierung
Mithin wächst in den USA die Auseinandersetzung, wie es demnächst weitergehen soll. Würde die US-Regierung ihren Haushalt spätestens im kommenden Jahr konsolidieren, um den dramatischen Schuldenanstieg zu bremsen, dann könnte dies die US-Wirtschaft zurück in die Rezession treiben. Da auch die US-Notenbank keineswegs sicher ist, wie sie ihre massive Ausweitung der Geldmenge durch eine Exit-Strategie in näherer Zukunft wieder in den Griff bekommen könnte, deutet vieles auf eine Status-quo-Lösung hin. Man wird erneut ein weiteres Konjunkturprogramm auflegen müssen, das wieder durch die Notenpresse der Fed alimentiert werden muss. Da dies auf Dauer jedoch nicht zum Nulltarif zu haben ist, wird es irgendwann auch unerwünschte Preiseffekte, d.h. Inflation, auslösen.
Das derzeitige Szenario läuft auf eine Stagflation der US-Wirtschaft wie zum Ende der 1970er Jahre hinaus. Mithin bauen auch die IWF-Ökonomen wie Blanchard für eine solche Situation vor, in dem sie kurzerhand ein höheres Inflationsziel von 4% für durchaus angemessen erklären. Unter einem solchen geldpolitischen Paradigmenwechsel hätte dann auch die Fed den notwendigen Spielraum, ihre expansive Geldpolitik im Sinne einer Finanzierung hoher Staatsdefizite durch die Notenpresse fortzusetzen. Angeblich wäre dies unvermeidlich, da die kritische Lage andere geldpolitische Lösungen nicht zuließe. Allerdings findet diese Ansicht wenig Zustimmung in Europa insbesondere der Deutschen Bundesbank. Der transatlantische Graben zwischen den USA und Europa wird immer breiter.
Kein Ende der Spekulationswelle der großen Investmentbanken
Dabei wird geflissentlich übersehen, wohin diese Liquidität des Finanzsektors am Ende fließt. Statt die Wirtschaft zu retten, wird von den internationalen Großbanken diese für spekulative Zwecke – wie beispielsweise in der Krise um den Staatsbankrott Griechenlands – in unverantwortlicher Weise eingesetzt. Dabei wären erneut andere Finanzinvestoren und Banken die Verlierer. HRE und Commerzbank lassen grüßen. Am Ende soll’s wieder per Bailout durch den deutschen Steuerzahler gerichtet werden.
Bild/Autor: Angela Parszyk via pixelio
Gleichzeizig werden die Zahlen für das vierte Quartal bekanntgegeben, die außerordentlich hcoh ausgefallen sind.
http://www.bloomberg.com/apps/news?pid=20601087&sid=al3FNswDlTkw&pos=1
Dabei bleibt zu beachten, dass die 5,9% nur eine willkürliche Hochrechnung sind, in dem einfach unterstellt wird, dass das Wachstum eines Quartals für vier Quartale Gültigkeit habe. Dies ist in der Regel niemals der Fall. Von daher gibt diese Kennziffer immer eine Volatilität des Wachstums an, die bei Jahresraten gegenüber dem Vorjahresquartal vermieden würde. Gegenüber dem vierten Vorjahresquartal 2008 beträgt der Anstieg daher auch nur 0,1%.
Auf das gesamte Jahr 2009 ist die US-Wirtschaft um insgesamt 2,4% geschrumpft.
http://www.bea.gov/newsreleases/national/gdp/2010/pdf/gdp4q09_2nd.pdf
Denn merke: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.
Im Januar und Februar 2010 ist die Entwicklung daher auch bereits wieder rückläufig. Der Schock der Lehmann-Pleite aus dem vierten Quartal 2008 ist im vierten Quartal 2009 überwunden gewesen, aber ein Selbstragender Aufschwund findet bisher nicht statt. Stabilisierung ja, kräftiger Aufschwund nein. So lautet die Botschaft.