Rückkehr der Chaostage

Hannover im Jahr 1995. Die Ordnungskräfte verlieren die Kontrolle über die Nordstadt, wo eine große Anzahl von Punks und anderen Chaoten Barrikaden bauen und sich Straßenschlachten mit der Polizei liefern. Es war zu sogenannten “Chaostagen” aufgerufen worden. Nach der Plünderung eines Pennymarktes, sowie eines Bierstandes auf dem hannoveraner Fährmannsfests entschied

steine21.jpgHannover im Jahr 1995. Die Ordnungskräfte verlieren die Kontrolle über die Nordstadt, wo eine große Anzahl von Punks und anderen Chaoten Barrikaden bauen und sich Straßenschlachten mit der Polizei liefern. Es war zu sogenannten “Chaostagen” aufgerufen worden.

penny31.jpgNach der Plünderung eines Pennymarktes, sowie eines Bierstandes auf dem hannoveraner Fährmannsfests entschied sich der damalige Ministerpräsident von Niedersachsen Gerhard Schröder (SPD) im folgenden Jahr mit enormer Polizeipräsenz aufzuwarten. Mit zehn mal mehr Ordnungskräften als Chaostouristen wurde 1996 für Ruhe gesorgt.

Heute, etwa 15 Jahre später kämpft die Bundespolitik mit dem Nachlass der Kanzlerschafts dieses Politikers und seiner Regierung. Die Debatte über den Sinn von Hartz IV ist spätestens seit des Entscheids ihrer Verfassungswidrigkeit im Februar 2010 wieder im Fokus der Öffentlichkeit angelangt. Währendessen wächst infolge der schwachen Wirtschaft und steigenden Arbeitslosigkeit sowohl die Frustration auf der Straße als auch laut Umfragen der Vertrauensverlust in die Regierung. Die Finanzkrise im letzten Jahr tat ihr übriges dazu. So ist es nicht überraschend, dass nun auch die früheren Errungenschaften Schröders angegriffen werden.

Seit einiger Zeit kursierten Gerüchte in der Internetgemeinde, dass neue Chaostage stattfinden werden. Die “Chaostage-Dokumentation” fand hier ebenfalls eine rege Verbreitung und entflammte eine breite Faszination für das Thema. Neuerdings gibt es einen Aufruf für den 05. Juli 2013 in Heidelberg. Die neuen Chaostage sollen den alten in nichts nachstehen, heißt es da, und auch im Vorfeld soll auf diversen Veranstaltungen zu ihnen Aufgerufen werden.

Noch ist nicht abzusehen, wie ernst es wird. Historisch gesehen sind in Anbetracht der wirtschaftlichen Krise jedoch größere Zahlen von Protestierenden auf den Straßen zu erwarten, die bislang weder von den üblichen Bewegungen noch den Gewerkschaften integriert wurden. Ob der Frust der wirtschaftlich Benachteiligten einfach herunter geschluckt wird, oder sich bislang nur aufstaut und sich im falschen Moment entlädt wird sich erst noch zeigen.

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  1. Chaostage spielen denen in die Hände, die das System mit Gewalt verteidigen werden und können. Wer ein System umkippen will, muss zivilen Ungehorsam leisten, also passiver Widerstand. Steine werfen und Randale sind destruktiv. Ein System kann man durchaus im Sinne von Ghandi kippen. Dazu braucht man eine APO Bewegung am runden Tisch und erst mal ein Netzwerk das genug Gegendruck im materiellen Sinne aufbauen kann. Unsere Politiker meinen es nicht gut mit uns. Egal welche Partei regiert.