The Way to be….. (The Work on the role): Die Arbeit am Text und an der zu spielenden Rolle besteht aus Vorarbeiten, die der Actor (Schauspieler) erledigen muss. Er kann keine Rolle bzw. einen Monolog oder einen Dialog spielen, wenn er das Stück nicht kennt. Er hat die Aufgabe zu wissen, um was es im betreffenden Stück geht und sollte im Stück auf Entdeckungsreise gehen.
“Erinnere dich, dass du ein Schauspieler in einem Drama bist; deine Rolle verdankst du dem Schauspieldirektor. Spiele sie, ob sie nun kurz oder lang ist. Wenn er verlangt, dass du einen Bettler darstellst, so spiele auch diesen angemessen; ein Gleiches gilt für einen Krüppel, einen Herrscher oder einen Durchschnittsmenschen. Denn das allein ist deine Aufgabe: Die dir zugeteilte Rolle gut zu spielen; sie auszuwählen, ist Sache eines anderen.”
Epiktet (griechischer Philosoph)
Ein Schauspieler sollte folgende Fragen in Erfahrung bringen:
- Woher kommt die Figur? (welchen Lebenslauf hat sie bzw. welchen Werdegang durchläuft sie)
- Wohin geht die Figur im Stück?
- Weshalb tut die Figur das was sie tut und was macht diese Figur so einzigartig?
- Warum ist diese Figur so interessant?
- Was macht die Figur gerade in diesem Stück bzw. was passiert mit der Figur und warum passiert das?
- In dem betreffenden Monolog müsste der Schauspieler der in die Rolle schlüpft sich fragen: Woher kommt deine Figur? Was ist vorher passiert? Wohin geht die Figur? Warum ist die Figur dort?
Ich arbeite gerade am Monolog des Droll aus dem weltbekannten Midsummer Nights Dream (by William Shakespeare). Weil ich in meiner Schulzeit schon am Stück gearbeitet habe, ist mir das Wiedereinsteigen in das Stück sehr leicht gefallen, da mir die Handlung bekannt war. Aber ich habe eine Rolle bzw. Figur im Sommernachtstraum völlig neu kennengelernt: Den Droll (engl. the Puck) genannt.
Der Inhalt
Der Droll ist eine sehr interessante und spannende Figur, die an sich schon eine große Persönlichkeit im Stück einnimmt, obwohl sie einen Auftraggeber hat. Sein Auftraggeber und Meister ist König Oberon, der ihm aufträgt, dann später den Saft eines verzauberten Blümchens zu holen:
Hol’ mir die Blum’! Ich wies dir einst das Kraut;
Ihr Saft, geträufelt auf entschlafne Wimpern,
Macht Mann und Weib in jede Kreatur,
Die sie zunächst erblicken, toll vergafft;
Der Elfenkönig Oberon ist sauer auf die schöne Titania, weil sie einen Edelknaben einem indischen König geraubt hatte, den eigentlich Oberon für seine wilden Jagden haben wollte.
Hab ich nur
Den Saft erst, so belausch ich, wenn sie schläft,
Titanien und träufl ihn ihr ins Auge.
Was sie zunächst erblickt, wenn sie erwacht,
Sei’s Löwe, sei es Bär, Wolf oder Stier,
Ein naseweiser Aff, ein Paviänchen:
Sie soll’s verfolgen mit der Liebe Sinn;
Und eh ich sie von diesem Zauber löse,
Wie ich’s vermag mit einem andern Kraut,
Muß sie mir ihren Edelknaben lassen.
(Textübersetzung: August Wilhelm von Schlegel) A Midsummer Nights Dream by William Shakespeare
Der Droll (Puck) spielt mit dem Blümchen und drückt die Pflanze auf Liebespaare und macht einen Versuch, bevor er die Pflanze zum Elfenkönig bringt. Unterdessen macht sich der Elfenkönig auf und träufelt die Blume auf Titaniens Augen aus, um sie zu verwirren. Droll und Oberon wollen verwirren, damit der Edelknabe ganz für den Elfenkönig ist.
Der Elfenkönig Oberon ist rasant und voller Macht. Der Droll ist dem Oberon Untertan und macht buchstäblich alles was er will. Er hat die Freiheit Magien zu benutzen, spielt mit ihnen und kann sich verwandeln. Er ist flink und schnell und immer für einen Scherz zu haben. Nur kann er sich manche Scherze bei seinem Auftraggeber Oberon gar nicht erlauben, da er bei ihm nicht die Freiheiten hat, als wenn er alleine ist. Er beobachtet gern Situationen, in denen er vielleicht oder wenn möglich gebraucht wird. Von ihm ist jede Hilfe zu erwarten. Er ist lustig und witzig und unheimlich charmant.
So, ich glaube jetzt hab ich ihnen, liebe Theaterfreunde, genug von meiner zukünftigen Rolle erzählt, die so spannend ist wie das Stück selbst. So wie der Sommernachtstraum eine eigene Geschichte erzählt, erzählt sie auch jede Rolle einzeln für sich und stellt sie im Stück vor. Hochinteressant kann ich nur sagen. Aber wie gesagt, um eine Rolle zu spielen bedarf es vieler Vorarbeit. Zuerst das gesamte Stück von vorne bis hinten auseinandernehmen und dann den bertreffenden Part. Die Rolle verlangt genau so viel Aufmerksamkeit wie das Stück. Nur muss man sich mit diesen Vorarbeiten sehr viel Zeit und Geduld nehmen, weil es ein hartes Stück Arbeit ist, die Rolle zu identifizieren dort wo sie hingehört.
Ich wünsche ihnen bei ihrer Rollenarbeit und der schauspielerischen Mono- und Dialoge viel Erfolg und Freude!
Jeder Schauspieler, der seinen Beruf mit Herz und Seele ausübt und mit Ernst bei der Sache ist, wird auch genauso den nötigen Ernst mit der Rolle und dem Stück haben. Denn er macht sie gern.
Markus Neuner, Leiter des Weblogs “The Way to be an Actor”
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