Zum Jahreswechsel 2008/2009 stand das britische Pfund kurz vor der Parität zum Euro. Danach erholte sich das Pfund gegenüber dem Euro deutlich und erreichte mit knapp 0,85 Pfund je Euro einen vorläufigen Höchststand im Juni letzten Jahres. Seit einigen Tagen nun fällt der Pfundkurs gegenüber dem Euro, obwohl Großbritannien ja nicht als Mitglied der Eurozone direkt von der Krise Griechenlands bei den Staatsfinanzen betroffen ist.
Trotzdem durften auch britische Banken bei befürchteten Zahlungsausfällen aus den PIIGS-Staaten nicht ungeschoren davonkommen. Hinzu kommt, dass Großbritannien – ehemals Musterschüler was Staatsschulden und Defizitquote betrifft – eines derjenigen europäischen Länder ist, dessen Lage sich besonders drastisch im Zuge der globalen Finanzkrise verschlechtert hat. Während man daher großspurig den Griechen und der ganzen Eurozone Vorhaltungen gemacht hat, holt sie jetzt die eigene prekäre Realität ein. Und, das ist auch gut so. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.
Britische Finanzwirtschaft zockt fröhlich weiter
Gestern hat Prudential ein britisches Versicherungsunternehmen Schlagzeilen mit einer Mega-Übernahme gemacht. Für 35,5 Milliarden US-Dollar hat es die asiatische Tochter des amerikanischen AIG-Konzerns übernommen. Zu diesem Notverkauf sah sich AIG gezwungen, da es bisher nicht gelungen ist, aus den roten Zahlen herauszukommen. Auch im vergangenen Jahr verzeichnete der Konzern, der mit US-Steuergeldern in Höhe von 180 Mrd. US-Dollar gestützt worden war, einen Jahresverlust von 11 Mrd. US-Dollar verzeichnet. Damit übernimmt ein britisches Finanzinstitut nach Barclay mit dem Kauf von Teilen der bankrotten Lehman Brother ein britisches Unternehmen einen erheblichen Teil des amerikanischen maroden Finanzsystems. Diese hohes Risiko eingehende Strategie, die versucht London als globalen Finanzstandort zu stärken, könnte sich als Mühlstein der britischen Wirtschaft erweisen. Setzt sich die globale Finanzkrise weiter fort, dann dürfte London eines der Epizentren für einen globalen Finanzmarktcrash sein.
Ähnlich schlaue Investoren – Bayern LB und Kauf der Bank Hypo Alpe Adria – kennen wir ja auch in Deutschland. Als britischer Steuerzahler würde ich keine ruhige Nacht mehr verbringen.
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Vor ein paar Minuten noch habe ich mich gewundert, warum der Pfund-Kurs wieder so deutlich gesunken ist – und trotzdem alle nur darüber reden, wie sehr der Eurokurs abgesackt ist. Wirtschaftliche Schwierigkeiten und das große Schuldenproblem des UK liegen als Erklärungen natürlich nahe. Aber hat sich denn in dieser Hinsicht etwas getan in den vergangenen Wochen? Oder geht den Märkten gerade auf, dass es evtl. doch Währungsräume gibt, die größere Probleme haben als die Eurozone?
Ich rätsele ehrlich gesagt immer noch – auch nach der Lektüre Ihres Artikels.