Der Würzburger Live-Club “Omnibus” wird heuer 40 Jahre alt
Glückwünsche in mündlicher wie schriftlicher Form wird Günther Vollkommer, “Vater” der Kultstätte “Omnibus”, in diesen Tagen sicherlich zu genüge erhalten haben. Vier Dekaden im stetig rauer gewordenen Musikgeschäft, das sei kein Pappenstiel, werden sie ihm, seinem Neffen Stefan Dörr, der sich seit 1997 um das Programm kümmert sowie Herbert Barthel, zweiter Vorstand des betreibenden Vereins Omnibus Folkcenter e.V., anerkennend auf die Schultern klopfen. Recht haben sie. Denn, so erinnert sich Vollkommer mit Grauen: “Würzburg bestand in den Sechziger Jahren aus einer Musik-Ödnis.” Viel habe es nicht gegeben. Das Mozartfest wurde hochgejubelt. Heino und “Genossen” beehrten die Stadt, einmal im Jahr gab “Jazz auf Reisen” mit Rundfunk-Moderator Ado Schlier. “Das war’s dann schon”, fasst er zusammen.
Hilfe durch Selbsthilfe – nicht immer konventionell
Bewegung musste in die musikalisch triste Studentenhochburg kommen. Im Rahmen einer privaten Faschingsfeier im Februar 1969 war es dann soweit. Im damaligen Leergutkeller des Feinkostgeschäfts Vollkommer kamen dieser und sein aus Paris stammender Freund Philippe Vincent auf die Idee, einen Musikclub zu gründen. “Das Kellergewölbe war vorhanden, die Zeit wohl überreif”, so der Gründervater. Doch Geld, das mussten sich die ambitionierten jungen Leute eingestehen, hatten sie nicht. Hilfe durch Selbsthilfe war angesagt – nicht immer im konventionellen Stil, der sie letztlich aber doch am 30.1.1970 an ihr Ziel gebracht hat.
Schon bald sprach sich bei Europas Musikern herum – “in Würzburg, da geht was ab!” Fortan gab es eine Anlaufstelle für alle, die mehr wollten als “Meine Heimat ist das Meer” und anspruchsvollere Musik außerhalb des typisch deutschen Viervierteltakts bevorzugten. Und die kamen im 120 Personen fassenden Gewölbe reichlich auf ihre Kosten. Denn neben den durchreisenden Musikern der frühen Siebziger, die lediglich einen Hut herumgehen ließen und dann weiterzogen, machten auch echte Größen wie etwa Blues-Legende Blind John Davis, Folksänger Derroll Adams, Deutschlands Jazzer Nr. 1 Albert Mangelsdorff oder gar Star-Geiger Michal Urbaniak nicht nur einmal Station im unscheinbaren Gebäude in der Theaterstraße 10. Die ersten Würzburger Jazz-Tage wurden ebenso gegründet wie Folk- und Songtage. Newcomer-Meetings wurden abgehalten und selbst die Big Band der US-Army war regelmäßig zu Gast.
“Schon vor 40 Jahren haben wir uns als Kulturträger verstanden, die ihre Stadt lieben”
Viele Jahre ist das nun her und zu erzählen gäbe es wohl noch von vielen weiteren Highlights. Doch auch die Gegenwart bietet ihren Reiz. Das Publikum hat sich verändert und die Musik mit ihm. Die Frage, welche Band engagiert werden solle, um die Würzburger zu begeistern, gleiche fast schon einem russischen Roulette, hat Dörr schon vor einigen Jahren festgestellt. Doch bis heute hat der “Omnibus”, was frei aus dem Lateinischen so viel wie “für alle” bedeutet, dieses Spiel nicht verloren. Zehn bis 15 Konzerte, die sich vor allem der regionalen Szene widmen, gibt es noch heute Monat für Monat. Der einstige private Partykeller ist zu einer festen Institution, wenn nicht gar Legende geworden. “Schon vor 40 Jahren haben wir uns als Kulturträger verstanden, die ihre Stadt lieben”, resümiert Vollkommer. Mit regelmäßigen Blue Monday Jazz-Sessions, die Studierende der hiesigen Hochschule für Musik gemeinsam mit ihren Dozenten bestreiten, Musikerstammtischen und vielen spannenden Künstlern gelingt ihnen das noch heute.
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