In der Kunsthalle Schweinfurt bildet herman de vries die Natur als “primäre wirklichkeit”, als Basis seines Werkes ab
Seit den 70er Jahren treibt es ihn hinaus in die seinen Wohnort Eschenau umgebende Natur. Auf seinen Streifzügen beobachtet er Prozesse des Werden und Vergehens, sammelt Pflanzen, Steine, Erden, Holzkohle und durch die Natur veränderte Artefakte, die er in übersichtlichen Reihen neben – und übereinander zum vergleichenden Sehen anordnet.
Die Natur in ihrer unüberschaubaren Fülle und Verschiedenartigkeit wurde herman de vries schon vor langer Zeit zur “primären wirklichkeit”, zur Basis seines künstlerischen Schaffens. Er zeigt Dinge aus der Natur an sich, in ihrem Sosein, ohne sie zu verändern oder sie mit Bedeutung aufzuladen. Der Wirklichkeit an sich gewahr werden lautet seine Botschaft. Seine Absicht ist es vorrangig, den Menschen aus der Stadt, die sich der Natur entfremdet haben, eine Brücke hin zu einem neuen, respektvollen Umgang mit ihr zu bauen. Der Weg dorthin führt über ein wieder neu aufzubauendes Verhältnis zur mit allen Sinnen erfahrbaren Welt und mündet in eine zu vermittelnde Einheit des Menschen mit der Natur.
Im Hier und Jetzt
Unter dem Titel “all this here” fasst die Ausstellung von herman de vries in der Kunsthalle Schweinfurt bis 16. Mai programmatisch seine philosophischen Vorstellungen von einer sich im Hier und Jetzt realisierenden und sinnenreich erfahrbaren Einheit von Natur, Kunst und Religion zusammen. Dies geschieht durch vier unterschiedliche Schwerpunkte: Umfangreiche Sammlungen – von de vries “journale” betitelt – geben Zeugnis von seinen Beobachtungen und Fundstücken in einem bestimmten Zeitraum und einer bestimmten Gegend. Seine “botanischen werke” zeigen Pflanzenreihungen von Blättern oder Pflanzen derselben Art und geben somit einen Einblick in die Wirklichkeit der Natur. Unter “vergänglichkeitswerken” versteht der 1931 in Hollend geborene Künstler Artefakte, die wieder in den Kreislauf der Natur aufgenommen wurden. Schließlich sind unter dem Titel “from earth” Ausreibungen von Erden aus unterschiedlichsten Regionen der Welt als konkrete Bilder von Landschaften zu sehen, die durch ihre je eigene Materialität vergegenwärtigt sind.
Als ganzheitlich angelegtem Menschen liegt herman de vries die Hinzuziehung möglichst aller Sinne am Herzen. Mit seiner Installation “rosa damascena” aus getrockneten, stark duftenden Rosenblüten aktiviert er mit dem Riechen einen in der Kulturgeschichte zurückgedrängten Sinn zum Leben. Darüber hinaus begleiten die Ausstellung “textwerke”, wie beispielsweise die in einem lange andauernden, meditativen Akt tausendfach mit Pastellkreiden auf große Papierbögen geschriebenen, bedeutungsschweren wie einfachen Worte “unity”, “chaos” oder “all” (im Bild oben).
Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog, der durch diverse Beiträge den Geist für de vries Natur- und letztlich Weltverständnis aufschließt. Unter dem Titel “Unterwegs mit herman de vries” berichtet Katharina Winterhalter am 11. März um 19 Uhr über Leben und Werk.
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