Einmal im Jahr tritt Theo Zwanziger mindestens zurück. Oder wenigstens spricht er davon, dass er zurücktreten werde, wenn irgendein deutsches Gericht nicht so entscheide wie er sich das vorstelle. Der zuletzt glücklose DFB-Chef, der einst sprach “Sport ist nicht nur Kommerz, Sport ist auch Wirtschaft”, fühlte sich vor zwei Jahren als “Demagoge” verunglimpft, klagte gegen den Mann, der ihn so tituliert hatte und kündigte dem Gericht vorher an, dass es nicht nur einen Prozess, sondern auch über die künftige Führung des DFB entscheide: “Wenn das verfassungsrechtlich zulässig ist, werde ich sehr ernsthaft erwägen, ob ich dieses Amt weiterführe”, erklärte der 64-Jährige, dem sein Verband in den letzten Monaten förmlich in Fetzen geflogen ist. Gekaufte Spiele, zum Sex genötigte Schiedsrichter, Streit mit dem Bundestrainer und die neuen WM-Trikots sind auch häßlich – die Ära Zwanziger endet in den Chaostagen des deutschen Fußballs.
Gegen den Journalisten Jens Weinreich verlor Zwanziger seinerzeit trotzdem, vom angekündigten Rücktritt war er da aber schon zurückgetreten. Das gab dem gelernten Rechtsanwalt Zwanziger Gelegenheit, dem als sexgieriger Greis beschuldigten Schieri-Chef Manfred Amerell schon vor Beginn staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen öffentlich einen Schuldspruch zuzustellen. Ein gewagtes Manöver, wie Zwanziger bemerkte, als Amerell trotzig gegen die Vorverurteilung klagte. Zurück aber kann er nicht, also folgt wie immer die Ankündigung der Kündigung, sollte sich das Gericht seiner Ansicht nicht anschließen. Aber keine Angst, wenn er dann verloren hat, sieht das schon wieder ganz anders aus.
Quelle: politplatschquatsch.com
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