Wem gehört die Welt?

Viele Menschen glauben immer noch, die Welt würde Gott gehören. Und das stimmt auch womöglich. Doch ein winziger Teil der Welt wurde bereits vor sehr langer Zeit den Menschen geschenkt – die Erde. “Und Gott segnete die Menschen und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die

Viele Menschen glauben immer noch, die Welt würde Gott gehören. Und das stimmt auch womöglich. Doch ein winziger Teil der Welt wurde bereits vor sehr langer Zeit den Menschen geschenkt – die Erde. “Und Gott segnete die Menschen und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan. Herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel des Himmel und über das Vieh und über alles, das auf Erden kriecht. … Und Gott sah sich alles an, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.”

Gott gab also die Erde an die Menschen ab, damit sich die Menschen die Erde untertan machen und über alles herrschen, was auf der Erde kriecht – also nicht nur über die Elefanten, Bären und Löwen, sondern auch über die Ameisen und Flöhe. Und Gott findet das auch noch sehr gut.

Ja, Gott vertraute den Menschen die Weltherrschaft an – auf der Erde.

Außerhalb des Sonnensystems wurde die Macht bekanntlich den Aliens anvertraut. Aber hier auf der Erde herrschen wir Menschen immer noch selbst. Uns gehört die Erde mit allem was hier herum kriecht. Und das könnte uns mit Stolz erfüllen. Auch wenn einige von den kriechenden Lebewesen längst ausgestorben sind, woran schließlich auch unsere weitsichtige Herrschaft ihren Anteil hat. Es gibt leider immer weniger von dem, was wir beherrschen dürfen. Dafür entdecken wir aber immer noch unbekannte Lebewesen, über die wir dann spontan herrschen können.

Doch selbst, wenn sich alle Lebewesen auf der Erde durch das Aussterben von unserer Herrschaft befreit haben sollten, es bleibt uns immer noch die ganze Erde übrig. Und die dürfen wir uns genauso untertan machen. Also wir können die anfangs gestellte Frage sehr gut eingrenzen und konkretisieren:

Wem gehört die Erde?

Diese Frage zu beantworten wäre an sich gar nicht so schwer, wenn es nicht das Privateigentum gebe. Die Erde gehört uns allen, würden wir wohl einfach so aus dem Bauchgefühl heraus sagen. Und so lange wir uns auf der Autobahn befinden, dann scheint dieses Gefühl auch zu stimmen. Weil wir, in einem Pkw sitzend, immer noch keine Autobahnmaut zahlen müssen. Wenn aber die Autobahn zum Privateigentum wird, wird sich unser vorherrschendes Gefühl, dass uns die ganze Welt gehöre, sehr schnell verflüchtigen. Dank dem Privateigentum ist der wunderschöne Garten Erde längst zum Nachbars Garten geworden. Wir haben unser Erbanspruch auf die Erde dadurch umgesetzt, dass wir sie wortwörtlich zu unserem Eigentum machen. Und das Eigentum haben wir privatisiert, die Erde ist also privat.

Doch wie kam es dazu?

Eigentlich haben wir die Erde von Anfang an, bereits in der Schöpfungsgeschichte, zu unserem Eigentum erklärt. Es gab zwar in der langen Entwicklung der Menschheit einige Vorfahren, die sich auf der Erde eher als Gäste fühlten. Und die ihr Aufenthaltsort je nach Lage und Umständen wechselten, immer bereit, ihre Koffer zu packen und weiter zu ziehen. Meistens, nach dem sie die Nahrung auf ihrem Aufenthaltsort und in der Umgebung aufgebraucht haben, mussten sie weiter ziehen.

Doch irgendwann machten einige unserer Vorfahren Schluss mit dem Zigeunerleben. Sie beschlagnahmten einfach ein optimales Terrain für sich, meldeten sich bei dem dortigen Einwohnermeldeamt an und sagten zu ihren Kindern: Dies ist das gelobte Land. Hier werden wir bleiben und unsere Bleibe zu einer Burg umbauen. Und die Kinder freuten sich darüber. Sie wollten schon immer eine Burg haben.

So haben sich also einige familienähnliche menschliche Gemeinschaften auf einem gut ausgewählten Ort niedergelassen, um die Erde für sich zu bebauen. Damit sich Gottes Worte erfüllen: “Verflucht sei der Ackerboden um deinetwillen! Mit Mühsal sollst du dich von ihm ernähren dein Leben lang. Nach meinem Wunsch soll er dir vor allem Dornen und Disteln tragen, und du sollst das Kraut von dem Feld essen, das du selbst gesät hast. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder in die Erde kehrst, von der du genommen bist.”

Doch irgendwann kam eine andere Menschengruppe zu dem gleichen Ort, mit dem selben Einwohnermeldeamt, und auch die wollten sich dort mit ihren vielen Kindern niederlassen. Weil es aber damals die Regel: “Wer zuerst kommt, mahlt zuerst” noch nicht gab, und das Schlangestehen in diesem Fall nicht allzu sinnvoll war, haben die Neuankömmlinge zu Waffen gegriffen und die meisten der ursprünglichen Einsiedler getötet oder vertrieben. Nur einige wenige haben sie da behalten, um sich von ihnen die Sitten und Bräuche der Gegend erklären zu lassen. Dann meldeten sie sich auch bei dem Einwohnermeldeamt an und sagten zu ihren Kindern: Dies ist das versprochene Land. Hier lassen wir es uns gut gehen.

So mussten die Menschen über Jahrtausende hinaus lernen, die Erde oder wenigstens ein Stück davon in Beschlag zu nehmen, nur damit Gott recht behält, dass sich die Menschen die Erde untertan machen und über alles Kriechende herrschen sollen. Einige von uns nahmen es sogar allzu wörtlich: Die großen Helden eroberten für sich neue Ländereien, und alles, was daran kriechte, wurde damit zu ihrem Eigentum. Einschließlich der Menschen, die dort lebten. So wurde der Mensch zum kriechenden Wesen. Auch die Menschen mussten während der Eroberung der Erde lernen zu kriechen.

Dadurch entstand eine aufgeklärte Zeit, in der keine Fragen ungeklärt blieben. Wenn sich jemand fragte, wem gehört die Welt, bekam er gleich die zutreffende Antwort: Gott und dem Kaiser! Und wem gehört das Land? Dem Landesherrn! Dem Lehnsherrn! Warum fragst du so blöd? Es entstand also eine hoch kultivierte Zeit, in der jedermann nur noch blöde Fragen stellen konnte, weil die klugen Fragen längst beantwortet waren. Nur war es zwar eine kluge und aufgeklärte Zeit, aber trotzdem keine ruhige Zeit. Die Landesherren bekriegten sich gegenseitig, um mehr von dem Land zu haben. Und auch von den Hirschen und den Untertanen, die darin lebten. Und auch die Kaiser kämpften beherzt mit den Königen um das Land, Land gegen Land musste um das Land kämpfen. Dann kamen auch noch die Osmanen dazu, die ihr Reich genauso erweitern wollten, wie die Christen.

Also schien die Eigentumsfrage auf Erden immer noch irgendwie ungeklärt zu sein und keiner merkte es.

Ja, erst dank den vielen Kriegen haben wir begriffen, dass die Eigentumsfrage, die Erde betreffend, leider Gottes ungeklärt ist. Also haben wir wenigstens mit den großen Kriegen und mit den Weltkriegen aufgehört und die UN gegründet, um die verzwickte Eigentumsfrage endgültig zu klären. Und nach langem Getratsche haben die Klügsten von uns entschieden: Lassen wir doch die Grenzen so, wie sie gerade sind! Und wenn das alle akzeptieren, dann wird es wenigstens keine Kriege mehr wegen dem Land geben. Und die Eigentumsfragen sind so wie so lägst amtlich geregelt: Das Land ist sowohl Staatseigentum, bis in die Kommunen hinein, als auch Eigentum der Kirchen, des Adels und anderer Gemeinschaften, und schließlich ist das Land auch gottgewolltes Privateigentum, es gehört also dem Nachbarn.

Und es wird wahrscheinlich noch Jahrhunderte dauern, bis wir begreifen, dass das Land uns allen gehört. Es gehört der menschlichen Gemeinschaft, die darin lebt und gemeinsam die Verantwortung für ihr Land tragen muss. Die Gemeinschaft muss ihr Land gemeinsam verwalten und zu privaten Zwecken kann das Land eigentlich nur verpachtet werden.

Gott macht es aber keine großen Probleme, dass es noch so lange dauern wird. Er hat viel Geduld und noch viel mehr Zeit. Schließlich hat er auch die Zeit geschaffen: “Und Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht und geben Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre.”

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