Der Betrug des Jahrhunderts

Es war die Chance des Jahrhunderts, die einmalige Gelegenheit, eine Art Dachbodenfund zu Mondpreisen zu verkaufen und damit auf Kosten anderer richtig viel Geld zu machen. Hans Eichel, ein sozial denkender Sozialdemokrat, und sein Chef Gerhard Schröder, ein mächtig denkender Machtpolitiker, zögerten nicht lange. Sie ergriffen die Chance beim Schopf

dcha1.jpgEs war die Chance des Jahrhunderts, die einmalige Gelegenheit, eine Art Dachbodenfund zu Mondpreisen zu verkaufen und damit auf Kosten anderer richtig viel Geld zu machen. Hans Eichel, ein sozial denkender Sozialdemokrat, und sein Chef Gerhard Schröder, ein mächtig denkender Machtpolitiker, zögerten nicht lange. Sie ergriffen die Chance beim Schopf und handelten: Vor zehn Jahren beschlossen die beiden ausgewiesenen Freunde der Schwachen und Armen, dem Volk einen Teil dessen zurückzugeben, was dem Volke gehört. In einer sogenannten “dritten Tranche” wurden denen, denen das vom Bund verwaltete Unternehmen sowieso gehörte, 6,6 Prozent der Anteile an der Deutschen Telekom zum Kauf angeboten.

dcha2.jpgEin geniales Geschäft, auch wenn der Börsenchart der Firma (oben) heute verblüffend denen von Pennystocks wie Mobile Media, Brinx Resources oder Tier Spezi (Chart links) ähnelt. Dem von Aktien also, die auf dem Höhepunkt der Börsengier von windigen Gurus wie Dr. Temporio, Sascha Opel und Berndt “Dausend Prozent” Förtsch empfohlen wurden und heute nur noch einen Bruchteil ihrer früheren Kurswerte haben. Wenn sie nicht, wie das Pfennig-Imperium Tier Spezi, ganz die Segel strichen.

Bei denen ging es um Millionen, bei der Deutschen Telekom aber um Milliarden.

Zu 66,50 Euro pro Stück konnten Kleinanleger dem Finanzminister mit dem großen Herzen für die kleinen Leute Aktien abkaufen – eine Einladung zum Gelddrucken, so versprach die regierungsamtliche Propaganda, in für die deutsche Fernsehlieblinge auf allen Kanälen trommelten wie weiland Rühmann, George und Co. für den Endsieg. Für 700 Millionen Anteilsscheine fanden sich Interessenten, 200 Millionen Aktien gingen schließlich über den Ladentisch. Hans Eichel, bis heute ein begeisterter Kämpfer für sozialen Zusammenhalt und alte sozialdemokratischer Traditionen, nahm von 1,5 Millionen Käufern 15,3 Milliarden Euro ein.

Zehn Jahre danach ist das Ausmaß des Debakels öffentlich kein Thema mehr. Die Anlagebetrüger von einst tönen von “Anlegerschutz” und führen einen verbalen Kampf gegen “Zocker” und “Spekulanten”, während eines der größten Anlageverbrechen aller Zeiten allmählich veralzheimert. Niemals wieder notierte die T-Aktie bei den 65,35 Euro, die sie am Nachmittag des Tages der Übergabe der Telekom-Aktien an die neuen Privatanleger erreichte. Nur ein halbes Jahr später waren die zumeist investierten 1666 Euro nur noch 800 wert, schon zum einjährigen Jubiläum des Emission war das Anlagevermögen von 1,5 Millionen Sparern aus nur noch 550 Euro gesunken.

Von da an ging es aber richtig bergab. Zum zweiten Jahrestag der dritten Trance erreichte die Telekomaktie 9,60, von den 1666 Euro waren nun rund 1400 verschwunden: 84 Prozent Verlust, das schaffen keine Griechenland-Anleihe und keine venezuelanische Silbermine, das schafft ungestraft auch kein fragwürdiger Börsenguru. Immerhin: mit ein wenig hoch nund runter, hin und her und auf und ab hält sich die Aktie, mit der der Staat seine eigenen bürger betrogt, seitdem stabil: Schlusskurs gestern 9,58 Euro. Verurteilt worden ist wegen des genialen Coup bis heute niemand, ein ursprünglich für vergangenes Jahr angekündigtes Urteil in einem Prozess, in dem rund 17.000 Kleinanleger Schadensersatz für erlittene Kursverluste einklagen wollen, wurde kurz vor Weihnachten verschoben.

Quelle: politplatschquatsch.com

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  1. Sauber zurechtgerückt das Thema staatlich gelenkter kollektiver Volksverarmung made by Red Socks Company. Gas Gerd und Demo Fischer wussten was sie taten.
    Wobei man auch davon ausgehen muss, das sie selber auch nur Opfer der wahren Drahtzieher an den Spekulantenmärkten waren. Und letztlich mussten auch irgendwie alle Frührentner von Norbie Blümchen weiter finanziert werden. Auch leider schon aus der Geschichtsschreibungsplatte gelöscht. Viele Thorheiten sind wie in Griechenland doch auch hier hausgemacht.
    Die Lehre aus dem obigen Stück sei, Bürger lass die Finger weiter am Abzug falls die Regenten demnächst türmen.