Klimatricks und Klimatrends

Wenn man die Debatte zwischen Klima-”Apokalyptikern” und Klima-”Skeptikern” verfolgt, dann stellt sich einem früher oder später die Frage, wird es nun wärmer oder aber kälter? Das liegt immer im Auge des Betrachters. Der Eine sieht eine Erwärmung, der Andere hingegen eine Abkühlung. Alles in ein und demselben Datensatz, oder Grafen.

Wenn man die Debatte zwischen Klima-”Apokalyptikern” und Klima-”Skeptikern” verfolgt, dann stellt sich einem früher oder später die Frage, wird es nun wärmer oder aber kälter?

Das liegt immer im Auge des Betrachters. Der Eine sieht eine Erwärmung, der Andere hingegen eine Abkühlung. Alles in ein und demselben Datensatz, oder Grafen. Entscheidend ist immer, welchen Startpunkt und welche Länge des Trends man wählt. Welche Möglichkeiten sich da bieten, möchte ich anhand der Temperaturentwicklung der Alpen aufzeigen.

Die Alpen sind eine Region, in der sich der sich Klimawandel besonders schnell und besonders stark vollziehen soll. Zumindest den Computer-Modellen nach. Nun, die Zukunft lässt sich schwer voraus sagen, aber einen Blick in die Vergangenheit, der ist durchaus möglich. Die Alpengletscher sind ein Klimaarchiv, dass die lokale Klimaentwicklung der Alpen sehr genau wieder gibt.

Von besonderer Bedeutung für die Klimarekonstruktion sind unter anderem Funde von Hölzern und Torfstücken sowie Pollen aus den Gletschervorfeldern der Alpen. Die Funde stammen aus Regionen, in denen früher Vegetation vorhanden war, in denen heute aber noch Gletscher sind. Die Datierung dieser Funde zeigt, dass während der letzten 10.000 Jahre die Gletscher über mehr als die Hälfte dieser Zeit deutlicher kleiner waren als heute (Hormes et al., 2001; Schlüchter & Jörin, 2004). Dieser Befund scheint gerade im Zusammenhang mit der Entwicklung der heutigen Gletscher eine wichtige Erkenntnis zu sein. Denn mit Hilfe der Gletscherstände lässt sich das Klima der Alpen, zurückreichend bis in die letzte Eiszeit rekonstruieren. Dabei zeigte sich: Temperaturschwankungen um 1,5 Grad (im Mittel) innerhalb einiger Jahrzehnte waren in den letzten Jahrtausenden nach der letzten Eiszeit völlig normal. Über die letzten 11.000 Jahre gesehen lagen die Temperaturen zu 2/3 der Zeit über dem Mittelwert von 1980-90 (Nicolossi & Patzelt, 2006).

.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
Schaut man sich die Klimaentwicklung der letzten 18.000 Jahre an, so stellt man kommend aus der letzten Eiszeit, einen zyklenweisen Temperaturanstieg von ca. 10°C fest. Es zeigen sich innerhalb kürzester Zeit Temperatursprünge von mehreren Grad. Schließlich landet man im Klimaoptimum des Holozäns. Das Klimaoptimum des Holozäns ist die nacheiszeitliche Warmzeit.

Die Warmzeit ist durch relativ hohe Temperaturen gekennzeichnet. Die höchsten Temperaturen finden sich in der ersten Hälfte des Holozäns. Temperaturschwankungen um 1,5 Grad (im Mittel) innerhalb einiger Jahrzehnte waren völlig normal. Es gibt zyklenweise Wechsel zwischen Warm- und Kaltzeiten. Betrachtet man die Langzeitentwicklung über den Zeitraum der letzten ca. 8.000 Jahre, dann stellt man einen negativen Trend, also eine langfristige Temperaturabnahme fest, die bis heute anhält.

Auf ähnliche weise argumentieren auch die Warner vor der globalen Klimaerwärmung. Allerdings legen sie den Beginn der Zeitreihe in die Zeit um 1850-1880, also ausgerechnet in eine Zeit in der die Gletscher ihre maximale Größe erreicht haben, die so genannte Kleine Eiszeit. Als Trend kommt dann natürlich ein drastischer Temperaturanstieg um 1,5 Grad bis heute heraus, wie das Beispiel Hohenpeissenberg zeigt.

.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
Das im Verlaufe der letzten Jahrtausende ähnliche und viel schnellere Temperaturveränderungen statt gefunden haben, wird dabei gerne verschwiegen. Durch beliebige Wahl von Zeitabschnitten kann ich mir also den Trend konstruieren, den ich gerade haben möchte.

Die Temperaturaufzeichnungen am Hohenpeissenberg reichen bis 1781 zurück. Also um bis zu 100 Jahre weiter zurück, als die globalen Temperaturreihen. Schaut man sich die Temperaturentwicklung zwischen 1781 und 1890 an, so stellt man keinen Temperaturanstieg, sondern einen Temperaturabfall fest. Dieser geht in eine Zeit zurück, in welcher der CO2-Gehalt der Atmosphäre bereits deutlich angestiegen ist, von in etwa 280 auf 295 ppm (Werte vom Siple Dome).

Erst Mitte bis Ende des 19. Jahrhundert – mit Beginn der globalen Temperaturreihen – zeigt sich ein deutlicher Temperaturanstieg. Dieses verläuft auch nicht kontinuierlich, sondern zyklisch. Um 1950 erreichen die Temperaturen ein Zwischenmaximum. Anschließend beginnt die Temperatur über fast zwei Jahrzehnte hinweg zu fallen, um knapp 1°C. Dieser Temperaturabfall ist mit dem steigenden CO2-Gehalten der Luft nicht vereinbar. Andere Faktoren, natürliche oder anthropogene wie z.B. die zunehmende Luftverschmutzung zwischen 1950 und 1970 müssen heran gezogen werden, um den Temperaturabfall zu erklären. Die Klimawissenschaft ist sich bis heute uneinig, welcher Faktor dominant war.

In den 1970er Jahren beginnt die Temperatur dann wieder zu steigen, erst langsamer und in den 1980er Jahren dann schneller. In den 1990er und 2000er Jahren flacht der Anstieg dann wieder ab. Betrachtet man die letzten 10 Jahre so kann kein weiterer Temperaturanstieg festgestellt werden, schon gar nicht ein sich beschleunigender Temperaturanstieg.

.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.

Der Jahresmittelwert pendelt um die 8°C. Der letzte Winter war der kälteste des letzten Jahrzehnts. Durch geschickte Wahl des Startpunktes lässt sich sowohl ein positiver, als auch ein negativer Trend erstellen. Dieser ist allerdings nicht signifikant, oder eindeutig.

Fazit: Betrachtet man den Zeitraum der letzten Jahrtausende nach der letzten Eiszeit, so stellt man einen Abfall der Temperatur fest. Das gilt nicht nur für den Alpenraum, sondern auch für die Anden und für Grönland. Klimarekonstruktionen aus Gletscherfunden und Eiskerndaten belegen das. Erst Mitte bis Ende des 19. Jahrhundert – mit Beginn der globalen Temperaturreihen – zeigt sich ein deutlicher Temperaturanstieg. Dieser läuft weder außergewöhnlich, noch beschleunigt ab, wie die Rekonstruktionen der letzten Jahrtausende aufzeigen. Ein direkter Zusammenhang zwischen CO2-Anstieg und Temperaturanstieg kann nicht fest gemacht werden. Die Kurven verlaufen teils antizyklisch. Während das CO2 ansteigt fällt die Temperatur zeitweise ab. D.h. andere Einflüsse überwiegen hier, gegenüber dem postulierten Einfluss des CO2.

Die Katastrophenszenarien der “Klima-Apokalyptiker” halten einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand: Zum einen wird immer wieder behauptet, dass die Temperatur auf den höchsten Stand seit langem gestiegen ist. Und zum anderen ist immer wieder zu hören, dass die momentane Erwärmung schneller vor sich geht denn jemals zuvor. Beides ist falsch, wie die Alpengletscher zeigen.

Vortrag von Prof. G. Patzelt: “Gletscher als Klimazeugen”

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Was ist Deiner?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*