Theater machen!

Für so manches Theater in Nordrhein-Westfalen ist es entweder jetzt schon brenzlig, was dessen finanzielle Situation angeht, oder den Musentempeln steht das Wasser erst in den nächsten Spielzeiten bis zum Hals. Steht also bald auf den Spielplänen von immer mehr Theatern in NRW: “Vorhang auf… für das Finanzdrama?” Diese Befürchtung

uujhgf.jpgFür so manches Theater in Nordrhein-Westfalen ist es entweder jetzt schon brenzlig, was dessen finanzielle Situation angeht, oder den Musentempeln steht das Wasser erst in den nächsten Spielzeiten bis zum Hals. Steht also bald auf den Spielplänen von immer mehr Theatern in NRW: “Vorhang auf… für das Finanzdrama?”

Diese Befürchtung ist ziemlich real. Für einige Theater ist die Lage bereits jetzt äußerst ernst. Wir berichteten an dieser Stelle schon über die Theater in Moers (Schlosstheater) und Wuppertal (Schauspielhaus), denen derart große Etatkürzungen bevorstehen, dass ihr Weiterbestehen ernsthaft gefährdet ist.

Hilfeschrei aus Essen. Stehen bald 3 Sparten vor dem Aus?

Nun ist ein weiterer Hilfeschrei publik geworden. Aktuell kommt er aus Essen. Essen, wohlbemerkt, der Stadt, welche für das gesamte Ruhrgebiet die Kulturhauptstadt 2010 ist. Die Stadt, welche vor kurzem erst ein großartiges Museum geschenkt bekam, die beträchtlichen jährlichen Betriebskosten dafür aber zukünftig allein an der Backe hat. Da baut die Stadt offenbar schon einmal vor. Wie die Dortmunder Ruhrnachrichten kürzlich berichteten, droht der Theater und Philharmonie Essen GmbH (TUP) womöglich die Schließung ganzer Sparten.

Das befürchtet jedenfalls der Betriebsrat der TUP. Den Ruhrnachrichten zufolge hat die Essener Stadtspitze Einsparungen von sieben Millionen Euro bei einem Gesamtetat von 45 Millionen Euro jährlich gefordert. Adil Laraki, der Betriebsratsvorsitzende der TUP, der auch Landesvorsitzender der GDBA (NRW) ist, hält diese Zahlen für falsch. Der Zuschussbedarf der TUP betrage eigentlich 49,6 Millionen Euro. Die Zahl von 45 Millionen sei erst entstanden, nachdem die TUP eigene strikte Sparpläne beschlossen hatte. Die Reduzierung auf einen Etat von 37,8 Mio pro Jahr bedeute somit 11,8 Mio Euro weniger im Jahr für die TUP. Und das bei fehlenden Einnahmen von 2,5 Mio Euro. Somit fehlen also real 14 Millionen Euro!

Laraki: “Diese Summe kann aber nur erreicht werden, wenn die Aalto-Oper geschlossen wird und alle drei Sparten – Schauspiel, Ballett und Philharmonie – abgeschafft werden.”

Die Sorgen der deutschen Stadttheater

Täuscht und trickst also hier die Essener Stadtspitze (ausgerechnet im Kulturhauptstadtjahr 2010!), um jetzt erst einmal zu verschleiern, was schon bald offensichtlich werden wird: ein Theaterkahlschlag? Es lohnt sich in diesem Zusammenhang noch einmal die Rede Adil Larakis zu lesen, welche er auf der Protestkundgebung am 30. Januar 2010 bei klirrender Kälte gegen die drohende Schließung des Wuppertaler Schauspiels vor dem Theater dort gehalten hatte. Der Inhalt trifft nämlich auf das Theater im Allgemeinen zu. Die finanziellen Sorgen der NRW-Theater sind ja im Grunde die brennenden Sorgen aller deutschen Stadttheater.

Auch die des von Kürzungen des Etats seitens der Stadt betroffenen Dortmunder Theaters. Von dort sind nämlich schon die nächsten Klagen zu hören. Die Kosten zur notwendigen Erneuerung der Bausubstanz, der technischen Anlagen, zur Deckung des Investitionsbedarfs sowie der Personalkosten kann das Haus, so die Leitung, ab jetzt schon nicht mehr aus eignen Mitteln aufbringen. Die Aufrechterhaltung des Spielbetriebs könnte den Dortmunder Bühnen über kurz oder lang erhebliche Schwierigkeiten bereiten. Notwendige Investitionen in die Pflege und Instandhaltung des Hauses seien über die Jahre unter ständigem finanziellem Druck vernachlässigt worden. Dass sich so etwas nicht auszahlt, hätten die Verantwortlichen vorher wissen können (und müssen). Aber man schob die Probleme lieber auf die Bank. Wohl um nirgends anzuecken?

Anecken nötig

Anecken werden aber die deutschen Stadttheater – und mit ihnen selbstredend die deutschen Kommunen – schon möglichst bald müssen, um ihren Problemen endlich wirksam zu begegnen. Und zwar öffentlichkeitswirksam und gut verständlich! Schließlich sind viele deutsche Städte und Gemeinden finanziell längst am Ende, oder kurz davor. Schuld daran tragen nicht zuletzt mehrere Bundesregierungen, sowie natürlich die derzeitige Regierungsriege. Sie haben die Finanz-Misere der Kommunen u. a. auf Grund einer verfehlten Fiskalpolitik zu verantworten. Dazu kommt, dass den Kommunen, als letzte in einer langen Kette, nun hinten und vorn das Geld fehlt. Frühere Einnahmequellen sind weggebrochen (worden) – Neue: Fehlanzeige! Auch für die Kultur fehlt die Kohle. Dazu drücken die Kommunen die ständig steigenden Sozialausgaben.

Wie auch immer: So wird es nicht weitergehen können. Viele Kommunen – Theater hin oder her, bei deren Etats es sich um “freiwillige Leistungen” (die nebenbei bemerkt eigentlich  selbstverständlich sein müssten!) der Kommunen handelt – stehen mit dem Rücken zur Wand. Wie lange wird es wohl dauern, bis die Kommunen auch ihre Pflichtleistungen nicht mehr erfüllen können?

Kürzlich, am Schlosstheater Moers, riet ein SPD-Bundestagsabgeordneter den Kommunen angesichts der Spareinschnitte zu “zivilen Ungehorsam” und der bei dem Forum ebenfalls anwesende Chef der Intendantengruppe im Deutschen Bühnenverein, Holk Freytag, forderte gar zu einem “kommunalen Ungehorsam” auf. Was ist falsch daran?

Die deutschen Theaterleute gehen schon einmal voran:

Am Welttheatertag, dem 27. März, fahren sie abermals zuhauf nach Wuppertal, um dem bedrohten Theater ihrer Solidarität zu versichern. Wenn es sein muss, hieß es, auch 24 Stunden lang.

Wann endlich raffen sich die verantwortlichen Politiker der Kommunen auf, um einmal wegen der unhaltbaren Zustände ordentlich Theater an der richtigen Stelle zu machen? Wann endlich beschließen die Räte der Städte und Gemeinden (und zwar möglichst einstimmig!): “Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin…und machen dort Radau!” Und zwar gut hörbaren! Auf das dieser der Merkel-Westerwelle-Vereinigung für Klientelpolitik GmbH (denn Regierung kann man das Gremium, dem sie vorstehen, wohl kaum nennen) gewaltig und recht lange die Ohren klingen!

Photo/Quelle: AngelaL. via Pixelio.de

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