Eines der beliebtesten Instrumente für Finanzmarktwetten sind Credit Default Swaps, kurz CDS. Im Zuge der jetzigen Krise um die griechischen Staatsfinanzen spielen CDS derzeit erneut eine herausragende Rolle. Da im Prinzip jeder eine Wette mit jedem über die Möglichkeit eines Zahlungsausfalls z.B. jetzt im Falle Griechenlands abschließen kann und sogar diese Wette danach anderen zum Kauf anbieten, entsteht insbesondere bei den so genannten naked CDS die Möglichkeit, dass hier hohe Forderungen für den Fall entstehen, dass die Wette am Ende zu hohen Wettverlusten führt.
Merkel, Sarkozy, Juncker und Papandreou wollen striktere Regulierung von CDS
Das Quartett der vier Regierungschefs bemüht sich derzeit darum, sowohl die EU-Länder insbesondere einschließlich Großbritannien sowie die USA davon zu überzeugen, dass es zur Finanzmarktstabilisierung insbesondere auch der hochverschuldeten Länder sowie der Wechselkurse dieser Länder geboten ist, die Verwendung von CDS-Wetten drastisch einzuschränken. Es sollen insbesondere diejenigen Wetten mittels CDS verboten werden, die ohne die entsprechenden Wertpapiere wie Staatsschuldverschreibungen oder Währungen abgeschlossen werden, d.h. naked bzw. ohne Kollateral einen werthaltigen Gegenstand sind. Man soll also nicht mehr wie derzeit legal subtanzlose Wetten abschließen dürfen.
Mithin wäre es auch nicht möglich, später einen Zahlungsausfall einer gescheiterten Wette vor Gericht einzuklagen. Wenn also zwei miteinander eine Wette abschließen, dass zum Beispiel Griechenland nach dem 30. Juni zahlungsunfähig wird und diesbezüglich einen Wetteinsatz vereinbaren, dann können sie das bitteschön weiterhin tun. Sollte jedoch die eine Wettpartei bei Verlust der Wette seine Wettschulden nicht mehr begleichen können, dann hätte der Gläubiger keine Möglichkeit, diese vom Schuldner per Gericht einzutreiben.
Gegen diese Initiative wehrt sich Großbritannien, da die Londoner City eine Drehscheibe für diese Wettgeschäfte ist. Man fürchtet um das ertragreiche CDS-Geschäft, das zwangsläufig schrumpfen würde. Der US-Präsident hat nach Aussagen Panpandreous Unterstützung zugesagt. Allerdings ist er ja nicht ganz Herr im Weißen Haus, was diese Fragen angeht. Die Wallstreet-Lobby wird ein gewichtiges Wort mitreden wollen.
Kreditausfallversicherung ja, substanzlose Wetten nein
Die Grenzziehung für eine legale Kreditausfallversicherung bestünde dann darin, dass jemand eine Kreditsumme vor einem Zahlungsausfall gegen die Zahlung einer angemessenen Gebühr versichern darf, aber damit auch wie bei Versicherungen üblich ausreichende Sicherheiten des Versicherers existieren müssen, dass im Schadensfall auch eine Zahlungsfähigkeit sichergestellt wird. Derzeit besteht diesbezüglich keine Klarheit, wie eine solche Sicherheit durch entsprechende Eigenkapitalrücklagen des Versicherers garantiert werden kann. Der Handel mit CDS obliegt noch nicht einmal der Versicherungsaufsicht, da – und hier liegt der Clou, die Versicherung ja dem Namen nach keine Versicherung sondern ein Swap ist.
“Unter einem Swap (engl. (Aus-)Tausch) versteht man in der Wirtschaft eine Vereinbarung zwischen zwei Vertragspartnern, in der Zukunft Zahlungsströme (Cash Flows) auszutauschen. Die Vereinbarung definiert dabei, wie die Zahlungen berechnet werden und wann sie fließen.” (via wikipedia.org) Es wäre daher sinnvoll, die CDS den gleichen Regeln insbesondere hinsichtlich der Eigenkapitalunterlegung und Berichtspflichten an die Finanzaufsicht zu unterwerfen, wie dies bei anderen Versicherungsgeschäften üblich ist. Man könnte darüber hinaus die maximale Höhe solcher Wettgeschäfte aufgrund von Klumpenrisiken begrenzen. Hinzu kommt, dass es eine ausreiche Risikostreuung bei denjenigen Instituten geben sollte, die CDS halten. AIG ist letztendlich wie die HRE in die Pleite gefallen, weil man riesige Summen von CDS hielt, die im Fall der Fälligkeit der Wettsummen nicht aufgebracht werden konnten. Grund war die systemische Finanzmarktkrise, die man schlicht für unmöglich gehalten hatte. Man hatte wohl keinen geeigneten Stresstest für eine solche Situation vorgesehen.
Es bleibt deshalb abzuwarten, ob man sich insbesondere auf eine rechtliche Beschränkung von CDS innerhalb der EU und außerhalb mit den USA verständigen kann. Notwendig zur Rückgewinnung einer größeren Stabilität der Finanzmärkte und der Wirtschaft insgesamt wäre es. Hoffen wir das Beste.
Der Versuch des Auspendelns der Schräglage ist interessant. Schon einmal hatte ein Regent in einem ähnlichen Fall ähnliche Gedanken angewandt. Hier der Artikel aus der FTD von heute.
Warum schon George II. CDS-Papiere verteufelte
Wegen der Schuldenkrise Griechenlands setzen sich Deutschland und Frankreich für härtere Vorschriften für Kreditderivate ein. Dieser Grundsatzstreit ist nicht neu: Schon vor 250 Jahren ging Englands König George II. aus Sorge um die Handelsflotte ähnlich vor…..
http://www.ftd.de/finanzen/derivate/:ausfallwetten-im-18-jahrhundert-warum-schon-george-ii-cds-papiere-verteufelte/50086701.html