Befreiungsschlag im wochenlangen Streit um die geplante Vergleichsveranstaltung zu Geschichtsschreibung in der ehemaligen DDR-Gedenkstätte Roter Ochse in Halle. Die neugegründete Stiftung Diktaturentest hat im Auftrag von SPD-Innenstaatssekretär Rüdger Erben eine Studie erstellt, in der erstmals Stärken und Schwächen der so genannten “beiden deutschen Diktaturen” (Horst Köhler) verglichen werden. Die DDR schneidet dabei nach PPQ exklusiv vorliegenden Daten mit “gut” ab, das nationalsozialistische Deutschland erreicht ein “sehr gut”, eine Note, über die sich auch die einstige Sowjetunion freuen darf.
Erben, als gelernter Bergbautechnologe mit der historischen Hydraulik vertraut und als gedienter NVA-Soldat wie, kein Zweiter zur Analyse der unterschiedlichen Eskaladierwandhöhen in III. Reich und DDR berufen und Geschichte zu schreiben, will die umstrittene Tagung nun nutzen, seine wissenschaftliche Meinung als ehrenamtlicher Heimatologe frei zu äußern, beide Diktaturen wirklich tiefgründig zu durchdringen und den Teilnehmern den Weg zur korrekten Gleichsetzung zu weisen.
Dabei stützt sich Erben auf neuaufgetauchte Fakten, anhand derer die beiden großen Reiche des Bösen gegenübergestellt werden. Ohne sie gleichzusetzen, werden zu Beginn umfassend Parallelen herausgearbeitet. So sei es richtig, schreiben die Verfasser, dass beide deutsche Diktaturen von vorbestraften ehemaligen Gefängnisinsassen geführt worden seien, die zuvor ihre Berufsausbildung abgebrochen hätten. Allerdings sei Adolf Hitler später durch Wahlen an die Macht gelangt, sein Nachfolger Erich Honecker hingegen habe sich demokratisch von der herrschenden Partei einsetzen lassen können, weil das dem Willen des Volkes entsprochen habe. “Honecker hatte es nicht nötig, Parteitage unter freiem Himmel durchzuführen”, schreiben die Autoren weiter. Statt eines eigenen Parteitagsgeländes habe der Staats- und Parteichef einen “Palast der Republik” bauen lassen, an dem fackeltragende Anhänger ebenso imposant vorbeiziehen konnten.
Entscheidend für die unterschiedlichen Testnoten seien für die Prüfer aber letztlich die frappierenden Unterschiede zwischen beiden Diktaturen gewesen.
So habe die DDR zwar die im Dritten Reich erbauten Chemiefabriken im Ursprungszustand weitergenutzt, das Konzentrationslager Buchenwald aber nach einer Übergangszeit aufgegeben. Albert Speer, der führende Architekt des Reiches, sei bei seiner Arbeit über Planungen und Bunkerbauten kaum hinausgekommen, Stalinallee-Architekt Hermann Henselmann und sein Kollege Richard Paulick dagegen konnten ganze Stadtteile und Städte neu erbauen. Gravierend auch die Differenzen im Gesundheitswesen: Albert Speer sei von einer schweren Gallenkolik abgesehen kerngesund gewesen, sein Nachfolger Günter Mittag hingegen habe unter einer schweren Zuckererkrankung gelitten und seinem Tagwerk ohne Beine nachgehen müssen. Nicht die einzige auffällige Diskrepanz: Während Hitlers Propagandachef Joseph Goebbels häufig selbst öffentlich aufgetreten sei, habe es Honeckers Chef-Propagandist Joachim Hermann vorgezogen, im Hintergrund zu wirken. Aus der “Wochenschau” wurde unter seiner Ägide der “Augenzeuge”, ein Unterschied, an dem keine wissenschaftliche Untersuchung vobreigehen könne.
Unterschiede stellten die Prüfer aber auch bei den Jagdgepflogenheiten der führenden Parteigenossen fest. So unterhielt Hermann Göring mit Carinhall ein eigenes Jagdschloss, Erich Mielke dagegen begnügte sich mit einem einfachen Jagdhaus in Wolletz bei Angermünde, mehr als 17 Kilometer entfernt. Mielke sei außerdem nicht Preußischer Ministerpräsident gewesen und habe allem Anschein nach auch keinen Pilotenschein gehabt. Nur auf den ersten Blick recht ähnlich seien die Unterhaltungsbedürfnisse von Honecker und Hitler: Beide bevorzugten am Abend einen guten Spielfilm, doch der erst spät in den Stand der Ehe tretende Hitler sah am liebsten Mickey-Mouse-Streifen, der mit seiner zweiten Ehefrau Margot in einem langjährigen Kampfbund vereinte Honecker gab sich niveauvoller Entladungskinematografie wie “Die schwarze Nymphomanin” hin. Beide seien allerdings häufig in offenen Wagen unterwegs gewesen, dabei habe Hitler jedoch auf einen Daimler aus eigener Produktion gesetzt, Honecker seinerseits vertraute einem importierten Tschaika.
Für das so genannte III. Reich spreche allerdings seine größere innere Freizügigkeit.
Privatreisen zwischen Dresden und Darmstadt oder Halle und Hamburg seien unbeschränkt und ohne Genehmigung geduldet worden. In Sachen Urlaubsbetreuung hingegen hielt die DDR über ihren Gewerkschaftsbund FDGB die Tradionen der Volksreisebewegung “Kraft durch Freude” hoch. Treue Staatsbürger wurden mit Erholungsreisen belohnt, sogar Kreuzfahrten mit Schiffen wie “Ascona” und “Der deutsche” in ferne, exotische Länder wurden verlässlichen Diktaturangehörigen gestattet. Das KdF-Schiff “Der deutsche” habe jedoch zwei Schornsteine gehabt. Differenzen fanden die Prüfer dann auch wieder beim Faktencheck im Sportbereich: Sowohl das Leistungsschwimmen in der DDR als auch Leichtatlethik und Fußball in der zweiten deutschen Diktatur hätten größere Erfolge zu verzeichnen gehabt. So stand für die DDR-Fußballnationalmannschaft ein 12:1 gegen Ceylon als höchster Sieg in der Statistik, für Nazi-Deutschland reichte es nur zu einem 9:0 gegen Luxemburg. Allerdings sei Hitlerdeutschland 1934 in Italien WM-Dritter geworden, die DDR habe 40 Jahre später nur als eine Art 6. abgeschlossen.
In der Endabrechnung dürfe man jedoch das große Bild nicht aus den Augen verlieren, warnen die Diktaturentester. Die DDR sei Zeit ihrer Existenz ein Quasi-Anhängsel der sowjetischen Arbeiterdiktatur gewesen, deren starke Unterdrückungsleistungswerte sie jedoch nie habe erreichen können. Obgleich auch die Union der Sowjetrepubliken nur von Vorbestraften und mehrfach Verurteilten geführt wurde, sei es ihr im Unterschied zur DDR gelungen, Menschenmassen ähnlich erfolgreich wie das III. Reich zu ermorden. Andersdenkende und Andersglaubende seien nicht wie in der ostdeutschen Dependance bespitzelt und unterdrückt, geschlagen und bei Annäherung an die Grenze erschossen, sondern zu Millionen eingesperrt und hingerichtet worden. Wie Hitler gelang es auch Stalin, sein Volk zu peitschen und zu knebeln und dafür von breiten Volksmassen geliebt zu werden. Diese Liebe halte bei ganzen Generationen von ehemals Unterdrückten bis heute an, obwohl die jeweiligen Regierungsparteien von III. Reich und UdSSR zwangsaufgelöst worden seien. Die DDR hingegen lebe in ihrer früheren Regierungspartei fort, wobei Konsens darüber bestehe, dass sie inzwischen einen anderen Namen trage. Daraus folge, dass sie im Diktaturentest hinter den beiden großen Unrechtsregimen zurückbleibe. Alles in allem sei die DDR “einfach nicht ganz so schlimm” gewesen, argumentieren die Wissenschaftler. Die Pfüfer erteilten der DDR eine Note 2, Nazi-Reich und Sowjetdiktatur hingegen bekamen ein “sehr gut”.
Quelle: politplatschquatsch.com
Nicht nur Privatreisen zwischen Dresden und Darmstadt oder Halle und Hamburg sind im III. Reich unbeschränkt und ohne Genehmigung geduldet worden. Es wurden auch massenweise Reisen gut ausgerüsteter Idealisten in angepassten Schuluniformen durch ganz Europa bis nach Afrika organisiert. Auch der Osten war im III. Reich deutlich beliebter als im vereinigten Deutschland. Den Osten zu entdecken und zu kultivieren war eines der vorrangigen Ziele des III. Reiches. Dagegen ließ die “sozialistische” Diktatur den ganzen Osten verwahrlosen. Während das III. Reich seine Staatsbürger zu selbst bestimmten Eroberern und mutigen Arbeitssoldatinnen an der Heimatfront erhob, degradierte die sozialistische Diktatur nach dem Vorbild des Feudalismus ihre Bürger zu Arbeitsmasse. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks übernahmen die lernfähigen Demokratien mit ihren überaus freien Wirtschaften viele der wertvollen Erfahrungen aus der sozialistischen Diktatur, um die allumfassende Kontrolle der Arbeitslosen bei jedem Tritt und Schritt auf ein bewundernswertes kulturelles Niveau zu bringen. Nicht der Mensch, der Arbeitslose ist in einer kontrollierenden Demokratie zum Mittelpunkt der Aufmerksamkeit des Staates und der Gesellschaft geworden.
Die sozialistische Diktatur hat alle ihr untergebene Menschen allzu gleich behandelt, was zu einer gefährlichen Entwicklung des Gemeinschaftsgefühls führte. Dagegen kann sich die Demokratie den Luxus leisten, dass sich zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen immer luxuriösere Unterschiede entwickeln.
Unter dem Strich können wir aus dem Vergleich der modernen Diktaturen auf deutschem Boden den Schluss ziehen, dass das III. Reich unter der Bevölkerung eindeutig beliebter war als die sozialistische Systematik. Das lag wahrscheinlich an den weltumspannenden Zielen des III. Reiches, womit das System unter der Bevölkerung punkten konnte.