Die EU-Mitgliedsländer mit der Ausnahme Großbritanniens streben eine striktere Regulierung der Finanzmärkte an.[1] Ebenso zeichnet sich eine Trennung der ostasiatischen sowie südostasiatischen Länder unter der Führung von China von den USA als Weltfinanzzentrum ab. Diesseits des Atlantiks und jenseits des Pazifiks ist ein rascher Entfremdungsprozess von der bisherigen globalen Hegemonialmacht USA, insbesondere was die Weltfinanzmärkte betrifft, erkennbar. Die EU möchte die Kontrolle über ihre Finanzmärkte zurückgewinnen. China will nicht länger seine Währung an den US-Dollar binden.
BIS sieht eine Tendenz vom global zum multilateral banking
In seiner jüngsten Ausgabe des BIS Quarterly Review findet sich ein Beitrag mit dem Titel, “The architecture of global banking: From international to multinational“. Die Autoren untersuchen dort die Tendenzen der international tätigen Banken der einzelnen Länder hinsichtlich ihrer Aufstellung gegenüber lokalen, d.h. nationalen, und über Wechselkurszonen hinweg gehenden Geschäftstätigkeiten. Dies deutet auf eine zunehmende Regionalisierung der Bankgeschäftstätigkeiten hin. Dieser Trend wurde nur kurzfristig durch die von den USA ausgehenden Finanzmarktblase auf Basis des Verbriefungsgeschäfts überdeckt.
Welchen Beitrag leisten globale Finanzmärkte?
Barry Eichengreen, einer der führenden US Finanzmarktexperten, hat schon in zahlreichen Studien, einschließlich des Surveys einschlägiger Literatur zum Thema globaler Finanzmärkte und wirtschaftliche Entwicklung, nachgewiesen, dass es keine hinreichende empirische Evidenz für einen positiven Beitrag der Globalisierung der Finanzmärkte gebe. Eher zeigt sich derzeit eindrucksvoll das Gegenteil.
Durch die Öffnung der Finanzmärkte ist ein Kontrollverlust über die globalen Finanzströme eingetreten. Der Versuch jetzt nachträglich diese Situation noch zu heilen, scheitert am Widerstand derjenigen Länder, insbesondere der USA und Großbritanniens, die als globale Finanzplätze in der Vergangenheit den größten Nutzen aus dieser Entwicklung gezogen haben. Nicht zuletzt sind London und New York die Orte, von denen das Finanzmarktdesaster seinen Ausgang genommen hat.
Verweigerung von Wallstreet und Londoner City
Aus der globalen Finanzkrise scheinen die Wallstreet und Londoner City Banker nichts hinzugelernt zu haben. Sie geben sich bezüglich notwendiger schärferer Kontrollen uneinsichtig. Sie haben mit dem Szenario eines globalen Finanzkollaps die Regierung der Welt dazu genötigt, durch eine explizite oder implizite Haftungsübernahme (bailouts) der ansonsten bankrotten Finanzindustrie sich selbst an den Rand des Finanzkollaps zu bringen. Island, Griechenland sind nur der Beginn einer globalen Krise der Staatsfinanzen, die insbesondere ihre besondere Ursache in der Haftungsübernahme für Risiken des Finanzsektors im Zuge der Lehman-Pleite genommen hat.
Dieser Verschuldungsschock der Staatsfinanzen, insbesondere in den USA und Europa, droht jetzt wegen der nahezu Unlösbarkeit der Finanzierungsprobleme der Staaten in eine politische und soziale Krise zu eskalieren.
Erst seitdem die verschiedenen Regierungen mit dem Rücken zur Wand stehen, beginnen sich jetzt Überlegungen Bahn zu brechen, wie man die Kontrolle über die Finanzmärkte zurückgewinnen kann. Wenn eine globale Lösung wegen der Verweigerung insbesondere der USA und Großbritanniens nicht möglich ist, dann führt dies zu einer regionalen Spaltung. Mithin ist es fünf Minuten vor zwölf, wenn man jetzt noch zu einer weltweiten globalen Finanzarchitektur kommen möchte, ansonsten wird es zu einer globalen Spaltung kommen.
Der Versuch einen EWF neben dem IWF zu etablieren, könnte ein Zeichen für eine solche Entwicklung sein. Ein anderer Schritt hierzu wäre eine Wirtschaftsregierung der EU-Staaten. Wir stehen möglicherweise vor einer Triade aus einer Eurozone, einer Yuanzone und einer Dollarzone. Zwischen diesen drei Blöcken wird danach nur noch ein reguliertes Handels– und Finanzsystem möglich sein. Das Menetekel steht an den Wänden der Wallstreet und der Londoner City.
Photo Quelle/Copyright: Kurt F. Domnik, via pixelio.de
Lese ich hier etwas von Entflechtungstendenzen? Einbau von Trennwänden in die Spekulantenmärkte?
Ja das kann ein Anfang von Vernunft sein. Leider sehr spät. Der Druck im Kessel ist gewaltig. Der soziale Kit der Länder ist längst verfrühstückt.
Nicht alles was Banksters wünschen muss eine Ökoniomie erdulden.
Wir sind leider sehr weit weg vo Rationalökonomie wie sie einst in Deutschland betrieben wurde.
Man darf aber weiter träumen. Nicht immer ist Regulierung gleich Staatsterror, sondern Bevölkerungsschutz.
Ziviler Ungehorsam gehört zum Leben ja auch dazu und das erwarte ich auch von Regenten gegenüber der Finanzmacht.
Aufklärung statt Verklärung.