Ein Autist passt in keine Gesellschaft. Er kommt sich selbst anders vor, wie von einer anderen Welt, nimmt viele Dinge anders wahr, als normale Menschen, wobei wir hier über die Normalität eigentlich noch lange streiten könnten. Normalität ist aus psychologischer Sicht ein Durchschnittsergebnis, ein normaler Mensch ist also ein Durchschnittsmensch.
Albert Einstein war kein Durchschnittsmensch, auch er wird von einigen Psychologen als Asperger Autist betrachtet. Und davon gibt es unter der normalen Menschenmasse noch einige mehr. Sie verhalten sich möglichst unauffällig, sie wollen bei den normalen Menschen nicht auffallen, weil sie allein die erhöhte Aufmerksamkeit schlecht ertragen können. Die erhöhte Aufmerksamkeit seitens der Durchschnittsmenschen riecht immer irgendwie nach Mobbing, weil der normale Durchschnittsmensch seit seiner Kindheit alles Ungewöhnliche zerlegen will, ohne daran zu denken, wie er das Ungewöhnliche wieder in den Ursprungszustand versetzt.Ohne die Frage zu stellen, was die Durchschnittsmenschen dazu berechtigt, nur auf Grund der eigenen Neugier einen mental oder psychisch auffälligen Menschen den brutalsten Untersuchungen zu unterwerfen, sei hier gesagt, dass sich die normal neugierigen Durchschnittsmenschen eine solche Frage gar nicht stellen. Also lassen wir es dabei.
Selbst Unauffälligkeit wird auffällig
Es ist schwer für einen Asperger Autisten nicht aufzufallen. Denn allein damit macht er sich bereits verdächtig. Und was er über eine ziemlich lange Zeit in seiner Entwicklung nicht begreifen kann: Er fällt schon auf den ersten Blick damit auf, indem er den Blickkontakt meidet. Somit verrät er sich von Anfang an, ohne das zu ahnen. Er weiß nicht, dass er zum anständigen Gaffer werden müsste, um nicht aufzufallen.
Schon die kleinen Tarzans auf dem Schulhof werten den weg schweifenden Blick des Autisten als Schwäche, als Unsicherheit, als Angst. Nur fühlt sich der Autist weder schwach noch ist er ängstlich. Er ist einfach nur unsicher, weil er die anderen Menschen nur schlecht verstehen kann: Ihr instinkthaftes Verhalten, vor allem das Kollektiv-Verhalten, lässt ihn grübeln. Er selbst ist ein geborener Individualist, geht einfach nur seinen Weg, so lange ihn die Andere gehen lassen. Er findet sich in der indischen Philosophie oder dem Buddhismus viel leichter zurecht als in einem überfüllten Supermarkt.
Viele andere Autisten zieht die Mathematik an, weil sie sehr objektiv ist, ohne das Getue mit Recht und Unrecht, Groß und Klein, Gierig und Langwierig, Noch ein bisschen und Zuviel. Das erkennbar subjektive muss der Autist erst schwierig lernen zu verstehen. Was ihm dank viel Mühe auch gelingen kann. Er lernt die Durchschnittsmenschen mit ihrem eigenwilligen Eigenmaß nach und nach zu verstehen, nur um eine große Enttäuschung zu erleben: Die Durchschnittsmenschen geben sich nicht die gleiche Mühe, um den Autisten zu verstehen. Wie ein Ausländer wird der Autist gezwungen, die verschwommene Sprache der Durchschnittsmenschen möglichst präzise zu verstehen, ohne jede Anspruch auf gegenseitiges Verständnis.
Die Einseitigkeit bleibt
Die Einseitigkeit bleibt, nur die Missverständnisse verlagern sich. Seitdem einem beliebigen Autisten bewusst wird, dass er die anderen Menschen nicht versteht, bemüht er sich unentwegt genau darum. Somit entwickelt sich eine Situation, in der der Autist immer weniger Verantwortung für die unzähligen Missverständnisse trägt, weil er gelernt hat, die anderen Menschen zu verstehen und ist immer noch dabei zu lernen. Die Ursache für viele Missverständnisse verlagert sich zu den alles bestimmenden Durchschnittsmenschen, die noch nie das Gefühl hatten, sie müssten auch mal lernen, andere Menschen zu verstehen, weil ihnen ihr eigenes Verständnis schon immer allzu mühelos vorkam.
Und wer bei sich nun denkt, er hat das Problem gefunden,
der hat das Problem wahrscheinlich auch wirklich gefunden. Es geht um die Anstrengung, die wir alle, einschließlich der Autisten, gerne mit der linken Hand erledigen. Doch nur dem Autisten fällt dabei auf, dass er sich gar nicht anstrengt, wenn er etwas mit der linken Hand erledigt. Weil ihn das Verständnis der vielfältigen Durchschnittsmenschen schon immer ungeheure Anstrengung gekostet hat. Deswegen fällt ihm auch jedesmal auf, wenn er sich nicht mehr so anstrengt, wir er es gewohnt ist.
Werter Herr Albern. Liege ich mit der Annahme richtig, dass Sie aus eigener Erfahrung sprechen? Oder liege ich damit falsch?