Viele haben sich in den letzten Wochen gefragt: Woher weiß Guido Westerwelle so genau, dass eine große Anzahl Menschen unter HartzIV sich in spätrömischer Dekadenz suhlt? Nun lüftet eine Biographie das gut gehütete Geheimnis. Lange Jahre hat Guido Westerwelle selbst unter HartzIV gelebt. Er macht kein großes Aufhebens davon, doch haben nicht nur die Hungerödeme aus jener Zeit tiefe Spuren in Westerwelles Seele hinterlassen.
Die brandaktuelle Biographie des FDP-Chefs von Norbert Norz “Guido hat fast alle lieb” zeigt: Wohl kaum ein anderer Politiker bringt soviel Lebenserfahrung und Weisheit mit in sein Amt wie der Chef der Liberalen. Die existentielle Klugheit Guido Westerwelles kommt nicht von ungefähr. Sie stammt aus seiner HartzIV-Leidensphase und sie prädestinierte ihn geradezu für eine Karriere auf dem diplomatischen Parkett. Sie hat ihm aber auch viele Feinde in den Medien eingebracht. Von “Eiseskälte” und “Pöbelsucht” ist da die Rede.
Wer die Biographie von Norbert Norz liest, lernt einen anderen – mit viel sozialer Sensibilität ausgestatteten -Guido Westerwelle kennen.
So lesen wir bei Norbert Norz: “Die zerbröckelnde Glasfassade des Luxushotels vor dem Fenster seiner Souterrainwohnung waren für Guido Westerwelle jeden Morgen ein Anblick des Grauens. Spätestens als Baron von Finck eines Tages mit sorgenzerfurchter Stirn in der Tafel neben ihm stand, wusste Guido Westerwelle, so kann es in Deutschland nicht weitergehen. Damals schwor er sich, diesen Zustand zu beenden. Und er hat Wort gehalten.”
Trotz Depression und materieller Not blieb Guido Westerwelle als Hartzler nicht untätig. Mit westfälischer Kraft und für null Euro machte er sich ans Werk. Im Winter 2006/7, so lesen wir bei Norz, nahm er immer wieder mutig die Schippe in die Hand und räumte ab vier Uhr morgens den Schnee vom Gehsteig vorm Hotel des Barons, während die Spreemöven im Park klagend nach Nahrung pickten. Nachts drehte er im Casino die Rouletteschüssel – gegen Gotteslohn versteht sich. Dank Westerwelles Einsatz gelang es dem Hotelbesitzer, einen von drei Hotelgehilfen freizusetzen und gerade noch so zu überleben.
Wer bisher meinte, Guido Westerwelle lebe seit Jahren wie die Made im Speck, sieht sich eines Besseren belehrt. Von Norbert Norz erfahren wir: “Lange bevor Thilo Sarrazin die Kostgänger der Stadt zum Brennstoffsparen aufrief, hatte Guido Westerwelle die Heizung in seiner Kammer abgedreht und schrieb am vereisten Schreibtisch mit klammen Fingern an seinen Reden.”
Der Frühling kam und mit ihm Guido Westerwelles zweites Jahr unter HartzIV. Ein Job als Minister war noch immer nicht in Sicht. Dennoch verlor der Langzeitarbeitslose nicht den Mut.
Da kein Schnee mehr auf den Straßen lag, fuhr der FDP-Chef als gelber Fahrradkurier für Apotheken und Labors vormittags Rezepte und Befunde aus, half nachmittags im Haushalt einer darbenden Zahnarztfamilie. Ein Nebeneffekt dieses karitatitiven Engagements für Deutschland war, dass die Nutzniesser gleich zwei Angestellte einsparen konnten. Die Apotheker und der Zahnarzt sind heute treue Mitglieder und Spender der FDP. Guido Westerwelle hat sie nicht vergessen.
An den Wochenenden brachte der heutige Vizekanzler als Gefahrguttransporter heikle Fracht von Deutschland nach Liechtenstein oder in die Schweiz. Das schuf eine sichere Basis für sein späteres Amt als Außenminister. In der französischen und italienischen Schweiz holte er sich den letzten Schliff in den romanischen Sprachen. Sein Französisch und Italienisch sind in Berlin längst Legende.
Wie Hyänen stürzten sich deshalb die Medien auf Westerwelles Englischkenntnisse. Zugegeben Westerwelles Wissensstand auf diesem Gebiet ist ausbaubar. Norbert Norz erklärt auch warum: “Die englische Schweiz konnte Westerwelle nicht mehr besuchen, denn 2009 wurde er ins Kabinett Merkel berufen. Seine bei Günther Oettinger in der sächsischen Schweiz erworbenen Sprachkenntnisse konnten aus unerfindlichen Gründen diese Lücke nicht wirklich schliessen, dennoch nahm Guido Westerwelle von dort viele Anregungen mit”.
Von den Journalisten ist der Vizekanzler heute zurecht enttäuscht. Doch am enttäuschendsten waren für ihn die Reaktionen der Leidensgenossen in seiner HatzIV-Zeit. “Jobvernichter” musste Westerwelle sich damals von einer grün angehauchten Alleinerziehenden anhören, die wegen seiner couragierten Art, unentgeltlich zuzupacken, ihre Stellung verloren hatte. Im Herbst 2007 zog sie im Keller ein, wo auch Westerwelle sein vorbildlich asketisches Leben fristete. Seither hat Guido Westerwelle eine Aversion gegen Jamaika. Wenige Monate später fand auch der entlassene Hotelangestellte samt Frau und Kind den Weg in Westerwelles Kellergeschoss. Er bezog die Wohnung gegenüber.
Nun sollten dem FDP-Mentor die Augen aufgehen, was sich im Untergeschoss der Gesellschaft abspielte, welches Anspruchsdenken sich dort breitgemacht hatte.
Westerwelle-Biograph Norbert Norz berichtet über zwei schicksalhafte Begegnungen, die Guido Westerwelles Sicht auf den abgehängten Teil der Gesellschaft radikal verändern sollten. Es ist erschütternd zu lesen, welchen Illusionen manche Zeitgenossen aus dem Prekariat heute noch nachhängen.
“Bei 4 Millionen Arbeitslosen und 700.000 offenen Stellen kann man doch nicht von einem Mangel an Arbeitsmoral sprechen! Da fehlt es doch vor allem an Arbeitsplätzen”, meinte eines Sonntags der offensichtlich von Linken verhetzte Ex-Hotelangestellte gegenüber Westerwelle und beschwerte sich im gleichen Atemzug auch noch über seinen neuen Job und den 12-Stunden-Tag als Paketausfahrer.
Er käme “umgerechnet nicht einmal auf 4 Euro die Stunde” klagte der Undankbare dem FDP-Chef sein Leid. Mit unbeirrbarer Chuzpe und seinem bekannten ökonomischen Sachverstand fragte Guido Westerwelle daraufhin den arbeitsscheuen Nörgler, warum er denn sonntags nicht arbeite? Wenn er sieben Tage die Woche 15 Stunden arbeiten würde, könnte sein Chef einen Mitarbeiter einsparen und Deutschland wäre auf dem Weltmarkt wieder um ein Stück konkurrenzfähiger.
Auch die Alleinerziehende haderte mit ihrem Schicksal. Von dem “bisschen Hartz” könne sie kaum die Babynahrung für ihren Kleinen bezahlen, jammerte sie Westerwelle vor, der mit unbestechlicher Aufmerksamkeit längst registriert hatte, dass die Wohnung der Frau weit über 20 Grad Temperatur hatte, vor allem dann, wenn sie ihren Sprössling badete.
Der FDP-Chef nahm sie milde bei der Hand, führte sie in sein ungeheiztes Appartment, wo schon zum dritten Mal die Wasserrohre geplatzt waren, zeigte wortlos auf das Bild Mahatma Gandhis in dürftiger Kutte über seinem Bett. Beschämt verliess die Dame daraufhin seine Wohnung.
Wenn man die Biographie von Norbert Norz (“Guido hat fast alle lieb”) gelesen hat, überkommt einen das unerschütterliche Gefühl: Ein solcher Außenminister hat Deutschland schon lange gefehlt.
Nett, viel gibts fuer mich dazu nicht zu sagen:)
Nehme es allerdings als Platz um wieder einmal meinen Unmut darueber zu aeussern, dass die Hypnose in der wir uns befinden durch all die kleinen Geschichten ueber Politiker und Macht immer wieder selbst erneuern. Das Nutzvieh kontrolliert sich selbst, geil.
Ist es denn echt niemenden klar, dass wir nur eine relativ gesunde Gesellschaft ohne Politik kreieren koennen?
Wenn man sich weiter im politschen Denken bewegt wird es nie zu einer Veraenderung komme, weil sich das Individuum nicht weiter entwickeln will. Das nenne ich “beschraenkt”, im Sinne von behinderter Gesellschaft.
Im Rahmen der Politik sich zu bewegen heisst weiterhin zwischen links und recht zu pendeln, aeusserst kreativ. Die rechten Schmarotzer draengen sich auch immer wieder Mitten mang mit ihren idiotischen Versuchen – Schuld zu zuweisen und die kranken armutsdenkenden Linken jammern weiter.
Aber eine Veraenderung will anscheinend niemand, reden ja… sich aendern nein.
Weiter politisch zu Denken heisst reaktionaer zu sein, egal ob links, mitte oder rechts… alle schwer krank und benoetigen dringend Versorgung.
Na ja, wenigstens koennen wir billig Strom bauen mit der Atomkraft, fuer unsere Elektroautos.
Wie sagt so schoen eine Werbung: “Ich will so bleiben wie ich bin”.