Ornament verbindet 50 Paare im Kulturspeicher und im Mainfränkischen Museum
Von „ornare“, schmücken/zieren, abgeleitet, bezeichnet ein Ornament ein sich meist wiederholendes, oft abstraktes oder abstrahiertes Muster. Es weicht formal deutlich vom Hintergrundmuster ab und wird häufig farblich oder durch Erhebung abgegrenzt. Ornamente beschäftigen Wissenschaftler nicht nur in der Kunstgeschichte, sondern auch im Rahmen der menschlichen Wahrnehmung.
Dieser versucht man beim Studium der Ornamentik Erkenntnisse der Psychologie zugrunde zu legen. So wird die Faszination des Menschen an einfachen geometrischen Elementarformen mit der Notwendigkeit erklärt, aus der Vielzahl der chaotischen Bildreize auszuwählen. Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass sich Ornamente gerade im reizüberfluteten Alltag und im Design ein breites Feld erobert haben.
Ornamentale Struktur óffenbart formale Gemeinsamkeiten
Unter dem Titel „Ornament verbindet“ haben sich das Mainfränkische Museum und der Kulturspeicher Würzburg auf ein spannendes visuelles Experiment auf höchstem künstlerischen Niveau eingelassen. In der bis zum 9. Mai zu sehenden Doppelausstellung treten 100 ausgewählte Kunstwerke jeweils paarweise miteinander in den Dialog, indem sie in ihrer ornamentalen Struktur formale Gemeinsamkeiten offenbaren. So weist beispielsweise Riemenschneiders Eva vom Marktportal der Marienkapelle durch ihr in sanften Wellen fallendes Haar Ähnlichkeiten mit Bridget Rileys Gemälde “K´ai ho” auf, das sich aus vor dem Auge des Betrachters flimmernden Wellenlinien zusammensetzt. Beim Gang durch das Mainfränkische Museum, das Exponate des Kulturspeichers in seine Sammlung integriert hat, und durch die beiden Wechselausstellungsräume des Kulturspeichers, der Stücke des Museums auf der Festung zu Gast hat, wird der Betrachter beim Vergleichen und Wiedererkennen der Muster für das einzelne Kunstwerk sensibilisiert.
Neu im Ausstellungsansatz ist die Beschränkung auf den Bestand beider Häuser. Das Ornament fungierte hierbei als “Kulturuniversale”, die den Vergleich über Epochen, Gattungen und Kontextzusammenhänge hinweg erlaube und zum Bedeutungsgehalt abstrakter Formen führe”, so die Museumsleiterinnen Dr. Claudia Lichte und Dr. Marlene Lauter.
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