Natürlich gibt es auch bescheidene und sehr realistische Menschen innerhalb der wachsenden Weltbevölkerung. Aber trotzdem sind wir alle Hochstapler. Ohne Ausnahme und von Geburt an. Denn mit der Hochstapelei fängt das Leben erst so richtig an.
Kein Mensch hat es bisher geschafft, auf eigenen Beinen auf die Welt zu kommen. Wir wurden einfach so herausgepresst aus der Wärme des mütterlichen Bäuchleins, oft gegen unseren Willen. Es kam auch bislang kein Mensch lächelnd auf die Welt. Im Gegenteil: Das Weinen war unsere erste vernünftige Reaktion. Wenigstens nach den Aussagen der Mütter und der Ärzte. Vor unserer Geburt war unsere kleine, private Welt noch überschaubar und hautnah. Erst ab der Geburt stürzten alle ungelösten Probleme der Menschheit nach und nach auf uns. Die Frage ist nun, wie wir damit umgehen?
Ab der Geburt ging es nur noch mit der Hochstapelei weiter
Bereits das immer wiederkehrende Problem mit der Schwerkraft sind wir hochstaplerisch angegangen. Ohne wirklich laufen zu können haben wir uns auf die Beinchen stellen wollen, um uns in die Gesellschaft der aufrecht Gehenden einzuschleichen. Andere Menschen erinnern sich viel besser an ihre hochstaplerischen Versuche, sich auf das Fahrrad zu setzen. Anstatt ehrlich zuzugeben, dass wir weder laufen noch das Fahrrad richtig fahren können, haben wir alles dafür getan, um in die Kaste der Fußgänger und der Fahrradfahrer aufzusteigen. Und wie war es noch mal, als wir kindgerecht die Schuhe unserer Eltern angezogen haben? Trotz der Übergröße haben wir uns in dem Moment etwas gestandener gefühlt.
Unsere Hochstapelei ist zweifellos die Grundlage unserer Lernfähigkeit. Auch der hoch geschätzte Felix Krull musste dank seiner Hochstapelei lernen, sich zu benehmen. Und schließlich wurde er in die gehobenen Kreise nur deswegen aufgenommen, weil er die gleiche hochstaplerische Ansprüche geltend machte, wie sie in diesen gepflegten Kreisen schon immer gepflegt wurden. Er passte gut hinein. Und er musste dafür auch viel lernen.
Hochstapelei verpflichtet
Die Hochstapelei hat sich tief in unserem Leben eingenistet. Wir benutzen alltäglich unzählige Redewendungen, die mit Leichtigkeit als Hochstapelei einzuordnen sind. Z.B.: “Ich hau`dir eine aufs Maul!” Wird oft gerne gesagt, aber selten getan, weil es sich die meisten Menschen nicht wirklich leisten können. Weil sie gut erzogen sind und/oder die Folgen nicht tragen wollen. Oder: “Ich mache mir heute einen schönen Tag!” Das ist kein Wunschdenken, sondern ernst gemeinte Hochstapelei, die manchmal sogar erfolgreich sein kann. Wir sagen auch gerne: “Das mache ich doch mit links!” Und verwechseln dann bewusst aber möglichst unauffällig die linke Hand mit der rechten.
Die Hochstapelei verpflichtet! Die Hochstapelei ist in unserem Verständnis meistens mit Vortäuschung verbunden. Sie wird deshalb als etwas Unechtes oder Falsches verstanden. Doch in den meisten Fällen täuschen wir uns selbst am meisten. Das praktische Leben hat daraus eine vergnügliche Falle gemacht: Schon in der Grundschule konnten wir das notwendige Wissen kunstvoll vortäuschen. Und dann kam die schriftliche Prüfung. Genauso musste auch der liebe Felix Krull die gehobene Ansprüche der besseren Gesellschaft tagtäglich und möglichst täuschend echt erfüllen. Er blieb also gegenüber den Erwartungen seiner ausgewählten Mitmenschen nichts schuldig. Wir sind nicht nur die Täter, sondern oft auch die Opfer der eigenen hochstaplerischen Täuschungen.
Sogar missglückte Hochstapelei kann erfolgreich sein
Es ist purer Aberglaube, dass die Hochstapelei grundsätzlich zum Scheitern verurteilt sei. Nur dank der wüsten Hochstapelei sind viele Menschen sogar in die Landtage oder in den Bundestag gekommen. Indem sie sich als Politiker ausgegeben haben. Und manche von ihnen wurden später als Politiker überraschend erfolgreich. Die Anderen bekamen wenigstens die Diäten und die Pension danach. Also waren sogar diejenigen Hochstapler in der Politik für sich erfolgreich, die nach unserem gängigen Verständnis nachweislich nicht erfolgreich waren. Sie gehörten eine Zeit lang dazu und konnten auch die elitären Vorteile genießen. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann genießen sie einige der Vorteile bis heute.
Vielen Dank an @Lars Teng. Nur dank seiner Aussage zu “Der abschied vom Stalker” vom 18. März 2010 um 12:37 Uhr :
“Ich teile soweit Ihre Meinung, dass in einem Bürgerforum irgendwelche Meinungsmacher, Moderatoren, falsche Propheten, Parteipopulisten und sämtliche Hochstapler nichts zu suchen haben.”
ist dieser Text entstanden.
Es wurde mir dabei bewusst, dass die falschen Propheten und Hochstapler auch nur gewöhnliche Bürger sind. Ein Bürgerforum kann es sich gar nicht leisten, wählerisch zu sein.
Menschen denen Liebe und Respekt fuer das eigene Wesen abhanden kam, streben nach Macht wollen gierig immer mehr, bis hin zu unkontrollierter Habgier, um die innere Leere auszufuellen.
Ein Leben mit fehlenden Eigenliebe ist weniger als ein halbes Leben. Die falschen Propheten sind in erster Linie die Eltern, die uns dieser Gesellschaft opfern auf Grund ihrer eigenen fehlenden Eigenliebe. Dadurch leidet unsere Psyche weltweit individuell und kollektiv wir sind krank sehr krank
Fehlende Eigenliebe… deshalb sind wir Menschen in unseren Augen nicht gut genug, hoert sich banal an. Trick der Gesellschaft einem zu sagen, dass du erst ein nuetzliches Teil einer kranken Gesellschaft werden musst (Humankapital).
Jetzt soll mir einer sagen, weshalb Politik und Spiritualitaet getrennt werden, weil Spiritualitaet Bewusstheit fuer das eigene Wesen bringt und das will Politik und die sog. Weltherrscher nur im Rahmen von niederen Beweggruenden.
Genau hier ist der Punkt, von dem aus eine echte Revolution moeglich ist.
Jeder wird geboren so wie er sein soll, liebenswert und voll von Wuerde ohne Politik
Finden wir unsere Wuerde zurueck und lernen den Mond direkt an zu schauen, nicht eine Spiegelung im Wasser.
Einige moegen Denken, was das mit dem Thema zu tun haben soll, fuer mich ganz massiv, weil wenn man zwischen den Zeilen liest, ist es zu erkennen, die Fehlende Eigenliebe.