Das war’s also vorerst: Der Elektrische Reporter flimmert nun letztmals in der bekannten zehn-minütigen Form durch das World Wide Web. “Es wird in jedem Falle weiter gehen mit der Berichterstattung aus Digitalien, in welcher Form genau, das skizzieren und beratschlagen wir gerade”, heißt es derzeit von Mario Sixtus und Co. Mit der aktuellen Episode “Augmented Reality: Ich sehe was, was du nicht siehst”, verabschiedet sich die beliebte Kunstfigur nun jedoch nach insgesamt 24 vielen erhellenden wie inspirierenden Momenten von seinen Zuschauern.
“Permanenter Ausnahmezustand” und ein “Leben im Hamsterrad”
“Nach dreieinhalb Jahren ging mir die Kunstfigur ‘Elektrischer Reporter’, also dieser Typ, der hölzern verschwurbeltes Fernehsprech von sich gibt, zunehmend auf den Senkel. Die Figur war als leicht überspitzte Hommage an die Wissenschaftsfernseh-Präsentatoren der 70-er und 80-er Jahre angelegt, als eine zwar ironische, aber eben doch Verbeugung vor den Heinz Habers und Hoimar von Dithfurths der vergangenen Fernsehepoche. Ein zugegeben ziemlich nerdiger Ansatz, der m.E. anfangs recht gut, spätestens mit dem Umzug zum ZDF allerdings immer weniger funktionierte – so zumindest mein Eindruck von innen”, sagt Sixtus selbst zu den Beweggründen für diesen Schritt, den mancher Fan sicher mehr als nur bedauert. Doch, so erklärt er weiter, die Figur sei nicht ausbaubar, könne nicht wachsen und sich nicht entwickeln, sie bleibe in ihrer eindimensionalen Ironisierung stecken und komme da nicht raus. Die Auszeit sei daher nur konsequent.
“Hervorragende Beiträge mit unverwechselbarem Stil”
Auch die Produktionsweise der beliebten Clips trage zur Entscheidung bei. Viel zu hoch sei der Aufwand, den kaum eine TV-Serie pro Folge betreibe. Alles in allem hieß das für das kleine Team: “permanenter Ausnahmezustand, Leben im Hamsterrad seit über einem Jahr.” Das können sicher auch Sendungs-Gäste wie Wikipedia-Gründer Jimmy Wales, Alphablogger Stefan Niggermeier oder Creative Commons-Initiator Lawrence Lessig nicht wettmachen. Doch immerhin hat dieser Einsatz dafür gesorgt 2007 den Grimme Online Award in der Kategorie “Wissen und Bildung” zu erhalten. “Der ‘Elektrische Reporter’ zeigt beispielhaft, in welche Richtung sich Online-Videoformate im glücklichsten Fall entwickeln können. Mario Sixtus ist nicht nur Redakteur und Moderator, sondern auch Kameramann und Cutter der oft hervorragenden Beiträge mit unverwechselbarem Stil. Immer wieder gelingen dem journalistischen Einhandsegler erleuchtende Gespräche mit dem tonangebenden Personal der Elektrosphäre”, so die Begründung der Jury. Dieses Urteil gilt noch heute.
Es bleibt zu hoffen, dass die kreative Pause nicht allzu lange dauern wird. Bis dahin sagen wir: Adieu, Elektrischer Reporter! Wir werden dich vermissen.
Elektrischer Reporter – Augmented Reality: Ich sehe was, was du nicht siehst
Kommentare
Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.