Die Würzburger Mainbrücke
(“Ach Gott, die Meebrück!”)
Kommst vom Spitäle Du und gehst den Weg hinüber,
Dort wo die Front der Häuser drüben Männchen macht
Und auch die Domfassade kräftig rüber winkt,
Siehst Du die runde Kuppel des Neumünster prangen,
All die Herrlichkeit, das Rathaus auch,
Traue nicht! -
Dann schreite fort, die Stadt vor deinen Augen plötzlich
Schwankt, siehst du so herrlich aufgereiht, —
Die erste Welle traf und jetzt die Glasfontäne aus gestäubtem Wasser
Spürest du auf nackter Haut den wilden Atem,
(Lenzbild fackelt ab) den Traum nach rasender Verbrüderung, der
Alten Ängste rotes Tuch, des Todes heiße Hand dir schon im Nacken
Voll Vertrauen immer da im Augenblick….
Gehst rüber zur nun wieder schönen Stadt und lenkst den Weg zurück.—
Geruhsam schreitest du den schmalen Weg,
Siehst links von dir die Festung thronen, noch weiter links
Das Käppele und ruhig zieht der Main. —
An dir vorbei jetzt eine Menschentraube,
Von drüben grüßt im schwarzen Umhang still ein Mönch mit
Großem Hut und seine vier Kollegen streben froh dem Kloster zu.
Und Hanna (etwas alt) kommt dir entgegen, erkennt dich nicht,
Derweil du sicher deinen Fuß ins nächste Cafe dort am steilen Ufer setzt.
Klaus Grunenberg
Kritik
Erinnerungen, ja albtraumhafte Bilder entstehen auf dem abendlichen Spazierweg in Würzburg. Vielleicht hat man einen Abstecher ins Spitäle gemacht und dort eine Ausstellung angeschaut, ist dann über die alte Mainbrücke zurück in die Stadt gegangen und plötzlich, weil man vorher vielleicht schon das Bild von Wolfgang Lenz in der städtischen Galerie sich intensiv angesehen hat (die zerstörte Mainbrücke), kommt dieser Albtraum des 16. März 1945 auf den Protagonisten zurück -.
Und nach dem Albtraum dann wieder die reale Ruhe. Gemächlich schlendern die Menschen am Abend über die Mainbrücke und sogar Hanna, eine Figur aus dem literarischen Werk Leonhard Franks, erscheint dem Protagonisten, natürlich nur als Wunschvorstellung und gleichsam als Beruhigung.
Man kennt die Bilder, die Berichte aus Würzburg, aus Dresden und immer an den Jahrestagen dieser furchtbaren Ereignisse werden wir erinnert anhand von Dokumentationen, die erschüttern. War es gerechte Strafe, war es unglaublicher Terror obwohl der Krieg doch schon fast zu Ende?
Auf jeden Fall war es eine Warnung, eine vergebliche zwar für Japan, eine hoffentlich nicht vergebliche für die Menschheit. Vielleicht, so hoffen wir, sind die Bilder der Erinnerung stark genug, um ähnliches Verderben zu vermeiden. Die Macht einer weitaus größeren Zerstörungskraft aber haben wir bereits in unseren Händen. Selbst Richard Wagner warnte in seiner „Götterdämmerung“, Dummheit und Hochmut aber wollen es nicht sehen.
Ed Moercke
Wie denn der Furor sich weiter hineinfrisst in die Hirne und Seelen der Menschen, das war und ist zu erahnen schon anfänglich und zwar dann, wenn Dummheit sich offen zeigt.
Mark Beil – Ritzi
Photo Quelle/Copyright: Jenzig71, via pixelio.de
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