Eiskalter Wind, Schnee und Temperaturen von bis zu Minus 16 Grad: Für die freilebenden Nandus in Nordwestmecklenburg war es der bislang härteste Winter, seitdem sie vor neun Jahren in der Region heimisch geworden sind. Rund 120 der großen Laufvögel aus Südamerika gab es mittlerweile in der Schaalseeregion.
Mario Axel, Ranger im Biosphärenreservat Schaalsee berichet im Februar:
“Viele (der Nandus) sind durch Wind, Schnee und kalte Temperaturen geschwächt”, da sie nicht an die Nahrung unter der dicken Eisdecke kommen. Auch mit ihren starken Beinen und Krallen könnten sie nicht an Raps und Getreide kommen, die ganz oben auf ihrem Speiseplan stünden.
Reiner Schmahl, Artenschutzexperte vom Biosphärenreservat Schaalsee ergänzte:
“Die Nandus haben Probleme, an den Raps auf den Feldern heranzukommen – ihrer Hauptnahrung im Winter”. “Es taut oben, dann friert es nachts und es bildet sich eine kleine Eisschicht. Die jungen Nandus sind noch unerfahren, bekommen die Eisschicht oft nicht frei gekratzt. Für viele dürfte es deshalb ein Problem sein, an Nahrung zu kommen.” Für die älteren Tiere sei das dagegen eher zu schaffen. “Sie sind erfahrener.”
“In diesem Winter könnte der Bestand ganz schön schrumpfen”. Allerdings litten beinahe alle heimischen Tiere derzeit unter dem Winter. “Die Jäger der Region sind deshalb gebeten worden, Futter für die Waldtiere zu verteilen”. In vielen Kreisen von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern wurde die Notzeit für Wildtiere ausgerufen. Die letzte echte Notzeit war der Extremwinter 1978/79.
Doch nicht alle teilen diese Besorgnis für den Nandu. Vielen Naturschützern im Land sind die Exoten aus Südamerika ein Dorn im Auge. Sie sehen die Nandus als Konkurrenten für die heimische Tierwelt an. Sie hatten wiederholt gefordert, die Eier der Vögel einzusammeln, um eine unkontrollierte Vermehrung zu verhindern.
Allerdings stehen die Nandus weltweit auf der roten Liste der bedrohten Tierarten. Deshalb dürfen sie nicht gejagt werden. Aber auch Nandus haben Feinde in der Region. Dazu zählen in erster Linie der Adler oder bei besonders geschwächten Tieren auch der Fuchs.
Reiner Schmahl meint: “Studien haben ergeben, dass die Nandus bislang keine Konkurrenz für heimische Tiere darstellen. Viele der Vögel werden in diesem Winter der natürlichen Auslese zum Opfer fallen”“.
Aktuelle Zählungen bestätigen diese Einschätzung. 80 der knapp 120 Nandus, dass sind mehr als zwei Drittel des Bestandes, haben den strengen Winter in der Schaalseeregion nicht überlebt.
Auch die einheimische Tierwelt hatte unter dem harten Winter mit viel Eis uns Schnee sehr zu leiden. Das Problem für das Wild war nicht die Kälte, sondern die geschlossene Schneedecke. So konnte man z.B. beobachten, wie Rehe mit den Hufen im Schnee scharrten, um an Futter zu kommen.
Fazit: Alles in allem hatten wir im Norden wieder mal einen richtigen Winter mit viel Frost, Eis und Schnee. Einen Winter, der auch der Natur zugesetzt hat und seinen Tribut gefordert hat. Einen Winter, wie es ihn eigentlich in unseren Breiten gar nicht mehr geben sollte, zumindest, wenn man den Aussagen einiger Klimaforscher Glauben schenkt.
Der auf “sechs gezinkte Würfel” hat, wie schon im letztem Winter, wieder mal die eins gewürfelt. Lassen wir uns überraschen, was uns der nächste Winter bringt.
Quellen
Schnee, Eis, Nässe: Nandus kämpfen ums Überleben
Junge Nandus fallen dem strengen Winter zum Opfer
Nun, den “Papageien” (Halsbandsittichen) hier (Mainz / Wiesbaden) hat der Winter offensichtlich nicht schwer geschadet.