Wie haben die das damals nur gemacht? Gebacken ohne Hauswirtschaftsstudium, gebügelt ohne Videoanleitung, Abwaschen ohne Abitur? Ohne Hilfe aus dem Internet wurde genäht, ohne Gegencheck bei chefkoch.de gekocht. Kein problemfreies Leben führten die Menschen, aber eines, in dem Probleme vorrangig dazu da waren, gelöst zu werden, und Aufgaben dazu, sie zu erledigen: Menschen suchten sich einen Job ohne Berufsberater, Studenten gingen an die Uni ohne Studienführer, es wurden Kinder geboren ohne Schwangerenberatung, Geld zur Bank gebracht, ohne Finanzexperten zu befragen, und sogar Schnupfen ohne Spezialistenhilfe geheilt.
Der Fortschritt allerdings marschiert unaufhaltsam, der Mensch entwickelt sich und plötzlich können Mädchen nicht mehr kochen, ohne drei Jahre Hauswirtschaft studiert zu haben, Jungen geht die Fähigkeit ab, ein Brett an die Wand zu dübeln, und junge Paare müssen vor Antritt der Ehe zur Therapie, nicht danach.
“Mutti, abwischen!”, schallte es in dunkelsten DDR-Zeiten durch die hellhörigen Flure der Neubaublocks, wenn der Nachwuchs auf dem Klo saß und nach analer Reinigung verlangte. “Mutti, abwischen!” hallt es heute jeden Tag durch das ganze Land, das einmal Großmacht werden wollte und nun zufrieden damit ist, mit Sven Banis, dem Gott der Grenzdebilen, dessen Hit “Nimm mich im Arm” zu jodeln.
Eine ganze Industrie beschäftigt sich inzwischen damit, Bürger in und auf den Arm zu nehmen. Erwachsene werden von Wohlfahrtsverbänden bemuttert, Heranwachsende von Amtspflegern auf dem Weg ins Leben begleitet, Alltags-Assistenten stemmen sich dem Schicksal Benachteiligter entgegen und Fernsehpfleger helfen störrischen Selbstzerstörern zurück in die Mitte der Gemeinschaft. Eine Gesellschaft aus fürsorglicher Bevormundung, die verblüffend der Idiokratie gleicht, die der Regisseur Mike Judge vor einigen Jahren im gleichnamigen Film noch als absurde Variante einer möglichen Zukunft zeigte, die längst Gegenwart geworden ist,wie Karl Eduards Kanal beschreibt.
“Mutti! Abwischen!” übersetzt sich dabei heute in “Staat! Leb mich, ich allein kann es nicht!”, “Die deformierte Gesellschaft” (Buchtitel), die der notorisch alleindenkende Thüringer Sozialprophet Meinhard Miegel noch vor Judges Irren-Apokalypse entdeckte, ist nicht Zukunftsvision, sondern ein Sozialstaatsalltag, aus dem kein schnellbesohlter Assistent mehr einen Ausweg finden kann. “Körperliche Unterschiede können noch so groß sein”, schreibt Miegel in seinem neuen Buch “Exit”, “geistige Unterschiede sind inakzeptabel: Da muss so getan werden, als seien alle gleich”. Während es völlig in Ordnung sei zu sagen: Diese Last kannst Du nicht tragen, sei es völlig unmöglich zu behaupten “Das übersteigt Deine Verstandeskräfte”.
Die Rolle der Dummheit bei der Verhinderung der Herstellung völliger Gleichheit als Grundlage totaler Gerechtigkeit bleibt fahrlässig unterschätzt.
“Hörproben zum Ansehen finden Sie hier” lockt Sven Banis, der Herzbube aus Beesenstedt. Mutti! Abwischen!
Quelle: politplatschquatsch.com
Tja, irgendwie kommt mir da ein Spruch in den Sinn, den ich vor Jahrzehnten mal an die Wand einer deutschen Uni gesprayt sah. FICKEN FÜR DEN FRIEDEN (in rot), BUMSEN FÜR DEN KRIEG (hinzugefügt in schwarz vom politischen Gegner, incl. dekorativem Hakenkreuz).
Simpel unter sich.