Und Gott sprach…

Es gibt Fragen, die wir uns gar nicht stellen. Z.B. welche Sprache Gott gebrauchte, als er zu Adam und Eva sprach. Musste er die Sprache dieser Erstlinge mühsam erlernen, oder mussten die Menschen zuerst die Sprache Gottes lernen, um seine Anweisungen empfangen zu können? Damit die Menschen Gottes Gebote und

Es gibt Fragen, die wir uns gar nicht stellen. Z.B. welche Sprache Gott gebrauchte, als er zu Adam und Eva sprach. Musste er die Sprache dieser Erstlinge mühsam erlernen, oder mussten die Menschen zuerst die Sprache Gottes lernen, um seine Anweisungen empfangen zu können? Damit die Menschen Gottes Gebote und Verbote auch haargenau verstehen konnten, musste sich wohl Gott mit den ersten Menschen in der Sprache verständigen, in der sie heimisch waren. Die ihnen vertraut war. Seine Gebote und Verbote wären ja sonst wirkungslos und vor allem rechtlich nichtig, wenn sie in einer für die Menschen fremdartigen Sprache verfasst worden wären.Nur wissen wir leider bis heute nicht, in welcher Sprache Gott gesprochen hat – auf Englisch oder auf Bayerisch? Und auch, wenn die übergroße Mehrzahl der Menschen wahrscheinlich für Englisch stimmen würde, wir wissen es nicht. Wir können aber davon ausgehen, dass Gott auf Bayerisch sprechen würde, wenn er einem gestandenen Bayern etwas wichtiges mitzuteilen hätte. Ganz gleich, welche Tracht und Pracht die beiden anhaben sollten, Gott würde mit dem bayerischen Papst wahrscheinlich auf Bayerisch sprechen und nicht auf Lateinisch. Doch die Entscheidung darüber bleibt mit Sicherheit Gott selbst vorbehalten.

Auch am Anfang wurde viel geredet

Ganz am Anfang gab es noch keine Menschen. Gott schuf die Erde und sprach: Es werde Licht! Und prompt gab es das Licht. Und dann sprach Gott weiter, was alles geschehen soll, damit die Welt so entsteht, wie wir sie kennen: Und Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern,.. Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Orte, dass man das Trockene sehe… Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringe,.. Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht… Es wimmle das Wasser von lebendigem Getier, und Vögel sollen fliegen auf Erden… und so weiter. Die ganze Welt mit all ihren Details entstand sozusagen auf Befehl Gottes. Doch in welcher Sprache?

Gott schuf wohl in einer eigenen unbeirrbaren Sprache die reale Welt. Doch was danach kam, lässt uns über die Qualität der Sprache zweifeln. Nur dank der menschlichen Sprache kamen auch die vielen Missverständnisse zur Welt. Zwar hat Gott absichtlich die Sprachen der Menschen verwirrt, als sie sich einen großen Bauprojekt vornahmen – den Turm zu Babel. Das aber nur, damit sich die Menschen nicht verstehen können. Damit sich die Menschen aber erfolgreich missverstehen können, müssen sie die gleiche Sprache sprechen. Die unverzichtbare Voraussetzung für alle Missverständnisse ist die Gleichsprachigkeit.

Nur die Sprache Gottes scheint unmissverständlich zu sein

Sonst würde ja die Welt nicht so tadellos funktionieren. Gäbe es zwischen Gott und seiner Schöpfung irgendwelche Missverständnisse, dann wäre Gott nicht der absolute Souverän, so wie wir ihn kennen. Und viele Dinge würden ganz anders laufen, irgendwie verkehrt. Doch dafür gibt es nicht den geringsten Beweis. Die Welt funktioniert gut. Auch wenn sie aus unserer Sicht hier und da noch besser sein könnte.

Ganz anders funktioniert die menschliche Verständigung. In erster Linie ist sie sehr mühsam. Ein einziges Problem lässt sich meistens nicht in sechs Tagen klären, wir brauchen dafür oft viel mehr Zeit dazu. Manche unserer Missverständnisse scheinen sogar eindeutig den Ewigkeitsanspruch zu hegen. Wenigstens sind unsere Missverständnisse oft beharrlicher als unser Bemühen um gegenseitiges Verständnis. Deswegen sind wir auch darauf angewiesen, fest daran zu glauben, dass wir uns gegenseitig verstehen. Genauso, wie wir auch gegenüber Gott an den Glauben angewiesen sind. Wir müssen glauben, dass wir Gott richtig verstehen. Doch auch dafür gibt es nicht den geringsten Beweis.

Aus der Reihe: Unzensierte Predigten

Kommentare

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  1. @ Alber Albern

    Es freut mich sehr, dass Sie den Abschied von Readers Edition zumindest verschoben haben.

    Im Gegensatz zu vielen (oder gar den meisten) Beiträgen, die die Richtigkeit eines Standpunkts beweisen wollen, regen Ihre einfach zum Nachdenken an, machen neugierig, zeigen die Welt aus neuen Blickwinkeln. Ich finde das sehr spannend.