Literarischer Frühling im Würzburger Falkenhaus treibt farbenprächtige Blüten
Medizingeschichte, Lyrik, Prosa, Reisebeschreibungen, biografische Reflexionen und unheilvolle Allianzen zwischen Politik, Wirtschaft uns Justiz könnte die Bandbreite eines literarischen Programms breiter sein?
Die Klostermedizin steht am 24. März im Mittelpunkt der Ausführungen von Dr. Johannes Mayer von der Universität Würzburg im Rahmen des Literarischen Frühlings der Stadtbücherei Würzburg. Im Lesecafé im Falkenhaus macht Mayer schnell klar, dass die Klostermedizin nicht irgendeine Therapieform vergangener Zeiten war, sondern eine Epoche der europäischen Medizingeschichte bezeichnet. Neben der Geschichte der Klostermedizin stellt Mayer ebenso ihre wichtigsten Persönlichkeiten und Stationen vor wie auch zahlreiche Arzneipflanzen. Den Dialekt benutzt er dazu, die Menschen in ihrem Denken und Fühlen genau zu charakterisieren und ihnen möglichst nahe zu sein. Kostproben davon gibt der fränkische Autor Fitzgerald Kusz am 14. April mit einer selbst zusammengestellten Auswahl seiner schönsten und wichtigsten Gedichte aus 40 Jahren.
Die Geschichte des Malers Giovanni Segantini, der sich in die schöne, verwöhnte Schwester eines reichen Mailänder Bürgersohnes verliebt, erzählt Asta Scheib in ihrem Roman “Das Schönste, was ich sah” am 20. April. Am 22. April nimmt Rupert Neudeck, Gründer des Komitees Cap Anamur Deutsche Notärzte e.V., die Zuhörer mit nach Afrika. Sein Vortrag “Die Kraft Afrikas warum der Kontinent noch nicht verloren ist” analysiert die wichtigsten Ursachen der afrikanischen Misere,
kritisiert aber auch die Entwicklungspolitik. Der frühere Titanic-Redakteur Gerhard Henschel taucht im Rahmen des Veranstaltungsreigens “Endspiel Würzburger Apokalypse 2010” am 28. April mit seinem Roman “Menetekel” in Werk und Seele der Apokalyptiker ein. Sein Buch ist eine Parade der Unheilsverkünder aus 3000 Jahren, von den Kirchenvätern über die Frühhumanisten und die Poeten der Befreiungskriege bis zu Osama bin Laden.
Mit Witz, Lust und Wut erzählt Clemens Meyer am 4. Mai über das Leben, das Ende der Träume und den Fall der Aufsteiger: Krisen, Tod, Krankheiten, das Wetter, Pandemien, Weltkriege. Der in der DDR aufgewachsene Autor bekam schon für seine ersten zwei Werke binnen kurzer Zeit den Clemens-Brentano-Preis und den Preis der Leipziger Buchmesse. Am 11. Mai untersucht schließlich der Journalist und Bestsellerautor Jürgen Roth die unheilvolle Allianz zwischen Politik, Wirtschaft und Justiz. Nach Roths Recherchen steigt durch die Zusammenarbeit von Wirtschaftselite und Gangstertum der kriminelle Einfluss. Auf der Strecke bleiben Rechtsstaat, Demokratie und Milliarden an hinterzogenen Steuergeldern.
Kommentare
Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.