Fundstück: “Kommt’n Meteorologe in’n Knast…”

Augenreiben oder Kopfschütteln, das dürften bei den meisten Lesern die ersten ungläubigen Reaktionen auf die Meldung des Montags gewesen sein. “Wetter-Moderator Jörg Kachelmann in U-Haft” hieß es allerorten während hier auf der Readers Edition gleichzeitig der vierte Geburtstag des Microblogging-Dienstes “Twitter” gefeiert wurde. Was beide Themen miteinander zu tun haben?

kachr.jpgAugenreiben oder Kopfschütteln, das dürften bei den meisten Lesern die ersten ungläubigen Reaktionen auf die Meldung des Montags gewesen sein. “Wetter-Moderator Jörg Kachelmann in U-Haft” hieß es allerorten während hier auf der Readers Edition gleichzeitig der vierte Geburtstag des Microblogging-Dienstes “Twitter” gefeiert wurde. Was beide Themen miteinander zu tun haben? Nun, auf den ersten Blick nicht viel. Gekonnt zusammen bringt diese jedoch Stefan Niggemeier unter dem Titel “Kommt’n Meteorologe in’n Knast…“. Er hat die Reaktionen auf die Verhaftung und Anschuldigungen gegen den “Star-Wetterfrosch” unter die Lupe genommen – mit erschreckendem Ergebnis.

Twitter-Witzewettbewerb zu den lustigen Themen “Wetter” und “Vergewaltigung”

Sein Urteil sitzt. Auch wenn die mannigfaltigen Äußerungen zum Thema noch vorhersehbarer waren als die Wetter-Prognosen selbst. Niggermeier ist überzeugt: “Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob Twitter die Menschen doof macht oder nur ohnehin vorhandene Doofheit sichtbar. Aber als heute bekannt wurde, dass der Fernseh-Wettermann Jörg Kachelmann unter dem Verdacht verhaftet wurde, eine Frau vergewaltigt zu haben, scheint das der Startschuss zu einem Twitter-Witzewettbewerb zu den lustigen Themen ‘Wetter’ und ‘Vergewaltigung’ gewesen zu sein, frei nach dem alten ‘Der Preis ist heiß’-Motto: aber nicht überbieten.”

Als absolut unlustig bezeichnet der Blogger das, was er da im Laufe des Tages lesen muss. Unschuldsvermutung? Nicht mit diesen Twitterern. Taktgefühl? Nein, danke! Kostprobe gefällig? “und, wie ist das wetter hinter schwedischen gardinen?”, will etwa der Nutzer Volksfreundchen wissen. Währenddessen stellt “Verbrochenes” fest: “War doch klar, dass für diesen Winter am Ende einer in den Knast wandert.” Und dann folgt sogar eine “Eilmeldung: Neues TV-Format: Kachelmann in der Jury zur Wahl der Miss Brauch?”

“Das Maul zerreissen sich mal wieder alle.”

Nahezu unendlich ließe sich diese Liste an Verunglimpfungen gegen seinen ehemaligen Gastbeitrags-Schreiber fortsetzen. Einige, so beschreibt der Autor, konnten seinen Eindrücken nach, gar nicht mehr aufhören und selbst Kollegen und Medien machten mit. Mehr als 200 Kommentare sind mittlerweile auch unter seinem eigenen Beitrag eingegangen. Die Frage, ob die Twitter-User hierfür verurteilt werden dürften spaltet die Leser. Ein Diskutant scheint es hier jedoch auf den Punkt zu bringen, wenn er schreibt: “Ob man sich jetzt auf das Lager von Twitter, Herrn Kachelmann oder wemauchimmer stellt: Das Maul zerreissen sich mal wieder alle. Ist eine Story wie diese im Vorfeld so Diskussionswürdig? So traurig das alles auch ist – solche Dinge passieren ständig. Und das es hier jetzt mal wieder einen Promi trifft ist meiner Meinung nach keine Sensationsmeldung. Justizia wird die Angelegenheit früher oder später aufklären. Über die wilden Spekulationen, Gerüchte und ‘Zoten’ sollte man doch als aufgeklärter Bürger (und Journalist) erhaben sein.”

Kommentare

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  1. Die Sensationsgier kennt eben keine Grenzen. Was tut man nicht alles für die Auflage, oder die Einschaltquote.
    Dabei haben es die Einen doch schon immer gewußt und die Anderen bekunden ihr Mitleid mit der armen Frau. Die Vorverurteilung hat in jedem Falle schon begonnen.
    Für seinen ehemaligen Arbeitgeber ist Herr Kachelmann jetzt schon erledigt, denn seit Carmen Thomas gibt es dafür Beispiele genug. Die Sender mit der Zwangsabgabe haben sich immer schon als moralische Hüter der Nation aufgespielt.
    Ob die Angelegenheit nun spurlos an Exekutive und Judikative vorbeigehen wird und die Unschuldsvermutung zu ihrem Recht kommt, kann angesichts der öffentlichen Meinung, nur spekulativ angenommen werden.
    Auch wenn dies nur ein Rosenkrieg gewesen sein sollte; Herr Kachelmann geht in jedem Falle als Beschädigter aus der Sache hervor.