Lyrileison – Neue Lyrik und deren kritische Betrachtung: Teil 62

Später März am Main Des Märzen, ach des Märzen Sonne Lebt heut im Versteck. Es kommt das Schiff, es kommt das Schiff Den Strom hinauf mit Mühe nur. — Frischfromm der Häcker, Hoch auf der Terrasse, Hat im Kopf das Prädikat, Aus seinem rost`gen Wagen klingt`s derweil wie Kirmes. —

sdfsdfdvf111111111112.jpgSpäter März am Main

Des Märzen, ach des Märzen Sonne

Lebt heut im Versteck.

Es kommt das Schiff, es kommt das Schiff

Den Strom hinauf mit Mühe nur. —

Frischfromm der Häcker,

Hoch auf der Terrasse,

Hat im Kopf das Prädikat,

Aus seinem rost`gen Wagen klingt`s derweil wie Kirmes. —

Geruch nach frühem Wein, der durch die Kehle fährt und im

August den schweren Schmerz der Ernte ahnen lässt. —

Gottlob nur, dass abends heulende Eulen den Turm umkreisen,

Blinder Fuchs den Gaumen kühlt an staubiger Quelle,

Ein gefasst von gelbem Gestein. —

Der Wind bringt das letzte Glitzern des Mains herüber,

Wirft alles an die helle Mauer:

Wärme abends lockt den Wein,

Nachts das nackte Mädchen träumt.

Früher März, brachtest mir Quellen,

Der schwarzen Vögel hurtige Schnäbel.

Später März, bist mir teuer,

Schreist die grünen Lieder herüber,

Weckst die Stämme aus dem Schlaf.

Klaus Grunenberg

Kritik

Im Gewandt der Moderne und im Werkkontext ohne Schlüssel, wie der literarische Kenner der poetischen Materie es nennen oder erkennen könnte, kommt dieses Gedicht daher.

Was bedeutet das?

Im Augenblick des Lesens scheint fast alles irgendwie klar zu sein, doch ab und an erscheinen Metaphern, die schön klingen (Phanopoeia), trotzdem aber als Chiffre zu sehen sind, also für etwas Anderes stehen. Wie weit können die Leser also in eine werkimmanente Interpretation vordringen ohne das Gesamtwerk des Dichters zu kennen? Bei Kenntnis des Letzteren wäre es ungleich leichter. Trotzdem, so glaube ich, kommen die Klangfarbe, Melodie und Takt (Melopoeia) zu ihrem Ausdruck und werden verstanden, wie auch das Gedicht als solches als Szene mit verschiedenen Bildern im frühlingshaften Franken zu erkennen ist. Arbeit und Stolz des Winzers kommen zum Ausdruck und der steile Hang, sowie die Gefahr des Ausrutschens, nicht nur reell bei der Arbeit (mit beiseite stehendem Auto, aus dem es „wie Kirmes“ dröhnt!), sondern auch bei der oft zu hörenden Preisung von Arbeit und Prädikat, bei dem sich die Zuhörer wundern.

Ed Moercke

Da ich den fränkischen Silvaner liebe und die Gegend an der Mainschleife gut kenne, meine ich recht zu liegen, wenn das Gedicht die besonders schöne Gegend um Volkach herum beschreibt, dort, wo die Marienkapelle mit Tilmann Riemenschneiders Madonna auf Besucher wartet.

Mark Beil -Ritzi

Photo Quelle/Copyright: Jenzig71, via pixelio.de
 

 

 

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