Wenn man die Kampagnen um den Klimaschutz verfolgt, dann fühlt man sich manchmal in die Stadt Schilda versetzt. Die fiktive Stadt Schilda ist für seine Bürger und deren Schildbürger-Streiche bekannt. Eine Stadt, die Schilda alle Ehre macht ist Bremen.
Beispiele
Das Siemens-Hochhaus in Bremen war energetisch dringend sanierungsbedürftig. Da kein Geld in den leeren Kassen vorhanden war, schlug man eine Verdichtung der Raumbelegung vor. Als Grund vermuteten die Betroffenen, dass sich der zuständige Umweltsenator Reinhard Loske (Grüne) dadurch eine bessere Energiebilanz verspreche. Ein Mitarbeiter: “Das Maß ist voll. Wir brauchen endlich eine Lösung … und keine Wunschträume des selbsternannten Klimasenators”.
In Sinne eines nachhaltigen Klimaschutzes veanlasste der grüne Umweltsenator auch die Umstellung auf Ökostom in den öffentlichen Gebäuden Bremens. Die 100.000 – 300.000 Euro Mehrkosten pro Jahr haben die Ressorts und das Land Bremen zu tragen. Der Auftrag zur Lieferung des Ökostroms wurde nach europaweiter Ausschreibung an den regionalen Stromanbieter swb vergeben. Der von swb angebotene Ökostrom wird zum überwiegenden Teil aus schweizer und norwegischen Wasserkraftwerken bezogen. Dabei wird zunächst kein CO2 eingespart, sondern nur umverteilt. Denn erst durch den Neubau von Ökostromanlagen kann CO2 eingespart werden.
Zudem forderte der grüne Umweltsenator ein Tempolimit von 120 km/h auf Autobahnen, auch dieses für den Klimaschutz. Er glaube, dass sich angesichts der Klimaschutzdiskussion der Wind in der Bevölkerung gedreht habe und ein Tempolimit durchzusetzen sei.
Der neuste Streich ist das “Klimaschutz- und Energieprogramm 2020″ des Seants der Stadt Bremen, natürlich unter Leitung des grünen Umweltsenators.
Das Klimaschutz- und Energieprogramm wurde am 15.12.2009 vom Bremer Senat beschlossen. Der Senat hatte mit Beschluss vom 11. November 2008 den Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa gebeten, ein Klimaschutz- und Energieprogramm für den Zeitraum bis 2020 zu erarbeiten, dies mit allen Ressorts abzustimmen und es dem Senat bis Ende 2009 zur Beschlussfassung vorzulegen. Wegen der besonderen Bedeutung von Energiepolitik und Klimaschutz wurde das Programm in einem breit angelegten Dialog mit den relevanten Akteuren und den zu beteiligenden gesellschaftlichen Gruppen sowie mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern entwickelt.
Der Dialogprozess wurde maßgeblich im Rahmen von vier Workshops durchgeführt. Das politisch motivierte Klimaziel lautete dabei:
Minderung der CO2-Emissionen im Land Bremen bis zum Jahr 2020 um mindestens 40% gegenüber dem Jahr 1990.
Bis 2005 wurde bereits eine Minderung um 7,5% erreicht. Inhalt des Klimaschutz- und Energieprogramms 2020 und auch des beteiligten Klimadialoges ist es, Maßnahmen für das Land Bremen zu identifizieren, mit denen das ehrgeizige Ziel erreicht werden kann.
Den größten Anteil an den CO2-Emissionen im Lande Bremen tragen die Stahlwerke Bremen. Die Stahlindustrie in Bremen ist für ca. 40-45% der CO2-Emissionen im Lande Bremen verantwortlich, daher auch die schlechte CO2-Bilanz pro Einwohner.

Im Begutachtungsprozess wurde vorgeschlagen, die Stahlwerke nicht in die Emissionsziele mit einzubeziehen, sondern gesondert zu betrachten. Zur Verwunderung stellt man außerdem fest: Die Stahlindustrie und auch die restliche Industrie sind in den Szenarien weittestgehend von Einsparungen ausgenommen. Es wird vor allem auf Einsparungen durch die Bevölkerung gesetzt, vor allem in den Bereichen Haushalt, Gewerbe, Handel, Dienstleistungen und Verkehr. Erreicht werden soll das durch den Ausbau der Erneuerbaren Energien, durch Energieeffizients, Mithilfe des regiolalen Stromanbieter (swb), Ausbau der Fernwärme, Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung (Einsatz von Blockheizkraftwerken), Sanierung/ Wärmedämmung von Gebäuden, Einsparungen im Hafen und Verkehr.
Zwei Szenarien wurden dabei durchkalkuliert. Im Endeffekt kommt man zu den Schluß, dass eine Reduktion von 40% bis 2020 nicht zu erreichen ist. Ca. 20-30% wären den Szenarien nach möglich. Weitere, einschneidende Maßnahmen sind erforderlich um das 40%-Ziel zu erreichen.
Im Rahmen des “Aktionsprogrammes Klimaschutz 2010″ und des “Klimaschutz- und Energieprogrammes 2020″ werden vom Bremer Senat auch regionale “Klimaprojekte” unterstüzt. Ein solches “Klimaprojekt” ist der VEGGIDAY.
Was ist der VEGGIDAY?
Die belgische Stadt Gent machte es vor
Seit Mai 2009 essen die Genter Bürger einmal in der Woche vegetarisch – zu Hause, in Kantinen, Kindergärten, Schulen, Restaurants. Mit dieser Aktion wollen sie einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und den Methan- und CO2-Ausstoß reduzieren, der bei intensiver Viehaltung entsteht. Selbes hat nun die Stadt Bremen vor.
Bremen ist die erste Stadt in Deutschland, in der der Donnerstag ein “VEGGIDAY” ist, meint: In Kantinen, Restaurants, Kitas und Schulen soll an diesem Tag auf Fleisch verzichtet werden. Die Schirmherrschaft für das Projekt hat der Präsidenten des Senats, Bürgermeister Jens Böhrnsen übernommen: “Das Klimaprojekt Veggiday ist langfristig angelegt und will vorbildlich auch für andere Städte sein. Jeder kann sich leicht beteiligen.”
Der Bürgermeister Jens Böhrnsen schreibt:
“Liebe Bremerrinnen und Bremer,
Klimaschutz ist ein ganz wichtiges Thema für Bremen, deshalb gibt es das aktuelle “Klimaschutz- und Energieprogramm 2020″ des Senats. Programme der Politik reichen aber nicht, Bürger und Bürgerinnen müssen auch selbst aktiv sein, das hat in Bremen eine lange Tradition. Deshalb können sich gute Ideen und Aktionen aus der Bevölkerung stets unserer Unterstützung sicher sein. Das gilt auch für das Klimaprojekt “VEGGIDAY”, das langfristig angelegt ist, vorbildlich auch für andere Städte sein will, und an dem sich jeder leicht beteiligen kann. Das Klima wird es uns allen danken. Machen Sie mit!
Jens Böhrnsen”
Daraufhin habe ich mir die Frage gestellt: Was bringt der VEFFIDAY eigentlich für das Klima?
Die Initiatoren des VEGGIDAYs rechnen für Bremen vor:
“550.000 BürgerInnen essen 52 Tage im Jahr vegetarisch und ersparen der Atmosphäre die CO2– Belastung von 40.000 Autos pro Jahr.”
Vorausgesetzt diese Berechnung stimmt, wieviel bringt das in Grad Celsius Ersparnis an der globalen Klimaerwärmung?
Die Berechnung
Ein moderner Mittelklasse-PKW erzeugt ca. 150 g, oder 0,15 kg CO2 pro gefahrenem Kilometer. Die durchschnittliche Fahrleistung je PKW in Deutschland beträgt in etwa 13.000 km. Somit ergeben sich 1.950 kg, oder 1,95 t CO2 pro Auto und Jahr. 40.000 Autos pro Jahr (der Anteil vom VEGGIDAY) entsprechen also einer CO2 Emission von 78.000 t CO2 pro Jahr.
Deutschlands CO2-Emissionen belaufen sich in etwa auf 850 Mio. t pro Jahr. Der deutsche Anteil an den weltweiten, anthropogenen CO2-Emissionen beläuft sich auf ca. drei Prozent. 78.000 t (der Anteil vom VEGGIDAY) entsprechen also in etwa 0,0003% an den weltweiten, anthropogenen CO2-Emissionen.
Der Aktuelle CO2-Gehalt der Atmosphäre beläuft sich auf knapp 390 ppm (CO2-Teile pro Mio. Luftteile). Das mittlere Anstiegsverhalten im CO2-Gehalt der Atmosphäre beläuft sich derzeit auf ca. 2 ppm pro Jahr. Dieser Anstieg im CO2-Gehalt der Atmosphäre wird dem Menschen zugeschrieben. 0,0003% (der Anteil vom VEGGIDAY) entsprechen also eins zu eins umgerechnet 0,000006 ppm pro Jahr.
Mit Hilfe der Überschlagsrechnung aus dem 3. Weltkimabericht (Tabelle 6.2) erhalte ich eine langfristige Verminderung am globalen Temperaturanstieg (ohne Rückkopplungseffekte) von:
d T = λ • d FR = 0,27 • a • ln [CO2 / CO20] = 0,27 • 5,35 • ln [CO2 / CO20]
= 1,4445 • ln [(390 + 0,000006) / 390]
= 0,00000002 °C
Bzw. mit Rückkopplungseffekten wie Wasserdampf und Wolken (mit λ= 0,4 … 1,2)
0,00000003 … 0,0000001 °C
Halten die Bremer den VEGGIDAY nicht nur ein Jahr durch, sondern 100 Jahre, so ergeben sich zwischen 0,000002 … 0,00001 °C langfristige Verminderung am globalen Temperaturanstieg.
Meine Berechnungen veranlassten mich schließlich dazu den Initiatoren des VEGGIDAYs folgendes Ergebnis mitzuteilen und daraufhin folgende Frage zu stellen:
“Wir sprechen also von einem nicht messbaren, globalen Temperatureffekt von einigen Stellen hinter dem Komma.”
“Meinen Sie nicht, dass mit der Aktion Verbraucher getäuscht werden? Zumal Bürgermeister Jens Böhrnsen für das Projekt wirbt und Sie breite Unterstützung aus Umweltverbänden, vom Senat, etc. erhalten.”
Sinngemäß habe ich als Antwort erhalten, dass diese Zahlen (meine Kalkulationen) zunächst nichts aussagen würden, der VEGGIDAY auf jedem Fall dem Klima, etc. hilft und keinem schadet.
Dabei sollte man im Hinterkopf behalten, solche Projekte bringen wenig für das Klima, verschlingen aber viel Geld und ziehen die Aufmerksamkeit von dringenderen Problem, die es zu lösen gilt, ab. Gerade in Bremen gibt es andere Probleme. Bremen ist das Bundesland mit der höchsten pro Kopf Verschuldung und eines der Bundesländer mit der höchsten Arbeitslosenquote und größten Kinderarmut. Vielen Hartz4-Kindern ist es wichtig, dass sie überhaupt etwas auf den Teller bekommen, dabei vermutlich eher weniger vegetarische Kost. Zudem ist Bremen eher für sein typisch, norddeutsches Schmuddelwetter bekannt, als für ein zu warmes Klima. Ich fürchte das wird die Schildbürger Bremens aber nicht von weiteren “Schildbürger-Streichen” abhalten.
Quellen
Klimaschutz- und Energieprogramm 2020 am 15. Dezember 2009 beschlossen
Cameron äußert sich ziemlich deftig zu den realtitätsfernen und wissenschaftsfeindlichen AGW-Zynikern:
Die Wortwahl gefällt mir nicht so gut, aber in der Sache hat Cameron vollkommen Recht, insbesondere sein Kommentar zu dem Moronen Glen Beck!