Wuppertal am Welttheatertag: 50 deutsche Bühnen gegen Theaterschließungen

Vielerorts in Deutschland stehen Kommunen dieser Tage vor der Pleite. Die Ursachen dafür, dass Ebbe in den Stadtkassen herrscht  und stattdessen der Schuldenberg der Kommunen wächst, sind hauptsächlich in der verfehlten neoliberalen Politik der letzten Jahrzehnte zu suchen. Diese brachte ein stetes Anwachsen der Arbeitslosenzahlen mit sich, was wiederum zu

wupprotrohde21.jpgVielerorts in Deutschland stehen Kommunen dieser Tage vor der Pleite. Die Ursachen dafür, dass Ebbe in den Stadtkassen herrscht  und stattdessen der Schuldenberg der Kommunen wächst, sind hauptsächlich in der verfehlten neoliberalen Politik der letzten Jahrzehnte zu suchen. Diese brachte ein stetes Anwachsen der Arbeitslosenzahlen mit sich, was wiederum zu erhöhten Sozialausgaben der Städte und Gemeinden, sowie zu einem bedrohlichen Absinken der Gewerbesteuereinnahmen führte.

Nun geht es inzwischen gewissermaßen ans Eingemachte. Aber die Kämmerer werden nicht fündig. Wie auch? Die Keller der Rathäuser sind doch längst genauso ausgeplündert wie die Stadtkassen in den oberen Etagen. Also geben die Kämmerer in ihrer Not verstärkt die Devise aus: Sparen bis es knackt! Die Kommunen gedenken sich auf diese Weise über Wasser zu halten. Sie wollen wenigstens absichern, was unter dem Punkte “Pflichtausgaben der Kommunen” geschrieben steht. Immer mehr Bäder, Bibliotheken und Theater drohen deshalb hilflos zusammengeschusterten Sparkonzepten zum Opfer zu fallen. Ein letztlich wohl dennoch sinnloses Unterfangen. Denn all die Streichkonzerte sind gewiss dazu verurteilt mit einem schrillen Misston zu enden. Die Städte werden finanziell trotz alledem zu Grunde gehen. Denn alle Sparerei dürfte letzten Endes doch nur weniger als einen winzigen Tropfen auf den hohlen Stein in den trotzdem leer bleibenden Stadtkassen fallen lassen.

Sicher aber wie das Amen in der Kirche ist eines: Wer zu Sozial- und Kulturkahlschlag ausholt, zerstört unsere Städte und die Grundlagen der Zivilgesellschaft. Er hinterlässt, wie es der Schauspieler Armin Rohde (Photo oben links), auf der Protestkundgebung vor dem Wuppertaler Schauspielhaus am 30. Januar diesen Jahres sinngemäß ausdrückte, geistlose Häuserschluchten in denen die Menschen vielleicht am Ende mit Knüppeln bewaffnet durch die Straßen ziehen…

Am 30. Januar tönte es vielstimmig über den Platz vor dem Wuppertaler Schauspielhaus: “Wir kommen wieder!”

Morgen wird Wuppertal “zum Schauplatz eines entfesselten Theaterbekenntnisses” 
wupprotfreyt.jpgNun ist es soweit. Das Versprechen wird eingelöst. Morgen am 27. März ist Welttheatertag. Theaterleute aus mehr als 50 Theatern wollen am Samstag gegen die mehreren Bühnen deutscher Städte drohenden Schließungen protestieren. Künstler aus verschiedenen Teilen Deutschlands werden morgen in Wuppertal versammelt sein und ein facettenreiches Programm auf mehreren Bühnen zeigen. Neben dem Schauspiel Wuppertal sind die Theater Oberhausen, Hagen, Moers, Essen, Schleswig, Dessau und Neubrandenburg/Neustrelitz derzeit akut von Sparplänen bedroht, wie der Vorsitzende der Intendantengruppe im Deutschen Bühnenverein, Holk Freytag (Photo Textmitte links) erklärte. Noch nie habe es bisher eine größere Beteiligung deutscher Bühnen an einer Solidaritätsveranstaltung gegeben.

Das Protestprogramm am morgigen Welttheatertag umfasst ca. 70 szenische Beiträge und Lesungen. Die Beteiligten wollten damit ihre Unterstützung für den Erhalt der bedrohten Musentempel bekunden. Rolf Bolwin, Geschäftsführer des Bühnenvereins, sagte dazu: “Man kann doch nicht Schauspielhäuser schließen, um Steuererleichterungen für Hotels zu finanzieren.” Die Protestaktion, hieß es, richte sich nicht gegen die Städte, sondern sei vielmehr auch eine Solidaritätsbekundung betreffs notleidender Städte “und ein Protest gegen ihren finanziellen Niedergang”. Das Programm hält viele interessante Höhepunkte bereit. Beginnen soll es bereits am Mittag mit einem Korso aus Kradfahrern, Radlern, Skateboard- und Rollschulfahrern. Geplant ist desweiteren eine Menschenkette, welche das Wuppertaler Schauspielhaus mit der Oper verbinden soll. Am Abend steht eine festliche Gala auf dem Programm. Deren Höhepunkt wird die Verleihung des Theaterpreises des “International Theatre Institute” an Christoph Marthaler und Anna Viebrock sein.

Der Einschätzung der Organisatoren der in der deutschen Theatergeschichte bislang einmaligen Solidaritätsveranstaltung Theaterschaffender – der Intendantengruppe im Deutschen Bühnenverein – nach, werde Wuppertal damit “zum Schauplatz eines entfesselten Theaterbekenntnisses”.

Photos, aufgenommen am 30.1.2010 vor dem Wuppertaler Schauspielhaus: C.-D. Stille (Oben links: Armin Rohde; Mitte links: Holk Freytag, Vorsitzender der Intendantengruppe im Deutschen Bühnenverein)

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