Wie der Klimaschutz die Kernkraft wieder salonfähig gemacht hat

Grüne Politik und Kernkraft, das gehört nicht zusammen. Grüne Politik und Klimaschutz gehören hingegen zusammen. Dieser Eindruck vermittelt sich einem, wenn man die Initiativen der Umweltverbände verfolgt. Viele Umwelt- und Klimaschützer sind auch erbitterte Kernkraftgegner. Sie sind gegen Kernkraft als auch gegen Kohlekraft und fordern statt dessen den Ausbau der

Grüne Politik und Kernkraft, das gehört nicht zusammen. Grüne Politik und Klimaschutz gehören hingegen zusammen. Dieser Eindruck vermittelt sich einem, wenn man die Initiativen der Umweltverbände verfolgt.

Viele Umwelt- und Klimaschützer sind auch erbitterte Kernkraftgegner. Sie sind gegen Kernkraft als auch gegen Kohlekraft und fordern statt dessen den Ausbau der Erneuerbaren Energien (EE). Hier beißt sich die Katze allerdings in den Schwanz. Denn derzeit sind wir noch auf Kohle- und/ oder Kernkraft angewiesen, um unseren Bedarf nach Energie und Strom gerecht zu werden. Eine Vollversorgung durch EE ist in Deutschland nicht absehbar, jedenfalls nicht in den nächsten Jahrzehnten. Aktuell werden nicht einmal zehn Prozent des Deutschen Energiebedarfs über EE gedeckt.

Das weiß auch die Politik. Da in den letzten Jahren die Rufe gegen die Kohlekraft immer lauter geworden sind und diverse Neubauten von Kohlekraftwerken verhindert wurden, Kernkraftwerke hingegen als CO2- und Klimaneutral gelten, hat sich die Politik kurzerhand entschieden auf diesen Zug mit aufzuspringen und die Laufzeiten der Reaktoren zu verlängern. Zumal mit den Kernkraftwerken noch satte Gewinne einzufahren sind. Somit schlägt man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe.

Die Parteien CDU/CSU und FDP wollen den seinerseits von SPD und Bündnis90/Die Grünen geschlossenen Konsensvertrag zum Kernkraftausstieg ändern und die Laufzeiten der deutschen Kernkraftwerke verlängern. Begründet wird dies insbesondere mit Klimaschutz-Argumenten oder niedrigeren Strompreisen. Die schwarz-gelbe Regierung erwägt nun eine Laufzeitverlängerung um 28 Jahre. Die deutschen Meiler könnten demnach bis 2050 am Netz bleiben. Mit der Laufzeitverlängerung sei in Aussicht gestellt, die Zeit zu überbrücken, bis genügend EE zur Verfügung stehe. So die Argumentation.

Aber nicht nur die Politik setzt auf das so genannte Greenwashing der Kernkraft, auch die Kernkraftbetreiber selbst haben den Klimaschutz für sich neu entdeckt und springen auf den fahrenden Zug mit auf. Die Umwelt- und Klimaschützer mag es stören, aber gerade die Klimaschutzdebatte hat die Kernkraft wieder salonfähig gemacht.

Das ist nicht neu. Vermutungen gehen sogar soweit, dass die Kernkraftlobby eine treibende Kraft war, welche die “Klimakatastrophe” in Deutschland mit etabliert hat.

Den Vermutungen nach sollen der Lobby zugeneigte Kernphysiker, schon in den achtziger Jahren, speziell das Kohlendioxid als Klimakiller verteufelt haben, um die fossilen Energieträger Kohle, Erdöl und Erdgas aus dem Strommarkt zu verdrängen. Dann beschworen sie die globale Klimakatastrophe herauf, um den atomaren Sündenfall von Hiroshima und Nagasaki als winzig erscheinen zu lassen im Vergleich zum drohenden globalen Klima-GAU.

In wie weit diese Vermutungen zutreffend sind, sei dahin gestellt. Fakt ist allerdings das die Kernkraftlobby den Klimaschutz für sich neu entdeckt hat und nun damit wirbt.

Beispiele?

Paradebeispiel ist der Energiekonzern Vattenfall. Zu Vattenfall gehören u.a. die “Pannen-Reaktoren” Brunsbüttel und Krümmel. Nun hat Vattenfall mit der Kampagne “Klimaunterschrift” den Klimaschutz auf seine Fahne geschrieben.

Annähernd 250.000 Leute haben sich an der Aktion beteiligt und für den Klimaschutz bei Vattenfall unterschrieben.

Im September 2009 hat sich Vattenfall der UN-Kampagne “Seal the Deal” – eine Kampagne der Vereinten Nationen im Hinblick auf die UN-Klima Konferenz in Kopenhagen – angeschlossen. Über 400.000 Menschen haben diese Initiative unterschrieben.

Zudem informierte Vattenfall in einem eigenen Blog über den Stand der Verhandlungen in Kopenhagen.

Auch in der Klimapolitik ist Vattenfall nicht untätig. Neben Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, wurde der Chef des schwedischen Energiekonzerns Vattenfall, Lars Josefsson, im Dezember 2006 von Angela Merkel in das Amt des Klimaberaters der Bundesregierung berufen.

In Anbetracht der Verbindungen verwundert es auch nicht, dass Herr Schellnhuber – der als Klimapapst Deutschlands gilt – eine liberale Auffassung gegenüber der Kernkraft vertritt.

Er vertritt die Ansicht, dass eine maßvolle Laufzeitverlängerung den EE zum Durchbruch verhelfen könnte.

“Die Kernkraftwerke mit hohen Sicherheitsstandards sollten zehn bis zwölf Jahre länger am Netz bleiben dürfen”, meint Schellnhuber. Viele Politiker und auch Klimaforscher teilen diese Meinung.

So schließt sich der Kreis zwischen Klimaschutz und Kernkraft. Eines dient dem anderen. Und welche Konsequenz ziehen wir daraus? Diese Frage möchte ich zur Diskussion stellen.

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