Schneidermeisterin Anneliese Dosch sorgte 45 Jahre für atemberaubende Kostüme am Mainfranken Theater Würzburg
Als sie die Tür zum Theater-Nebengebäude in der Oeggstraße öffnet, ist es als wäre sie nie weg gewesen. Anneliese Dosch, ehemalige Leiterin der Damenschneiderei und seit 1.3. dieses Jahres im Ruhestand, ist noch nicht wirklich im Freizeitleben angekommen. Zahlreiche Mitarbeiter heben die Hand zum Gruß oder schließen sie gleich ganz in die Arme. “Im Augenblick ist das Gefühl noch ein bisschen wie Urlaub”, meint die sympathische Dame, die als 20-Jährige nach Absolvierung einer Schneiderlehre erstmals mit den Hintergründen der Theaterwelt in Berührung kam.
Bei sechs Wochen Sommerpause, wird es jetzt allerdings nicht mehr bleiben. Eigene Ideen und deren Verwirklichung stehen künftig im Vordergrund. “Vielleicht engagiere ich mich ehrenamtlich”, verrät sie über Lebenspläne, die sie auch weiterhin mit ihrer Lieblingstätigkeit verknüpfen möchte. Denn “Schon als Schülerin habe ich mich dem Theater verschrieben”, erzählt sie mit strahlenden Augen während der Blick stolz zur Urkunde des letzten Schützlings schweift, der gerade zur Kammersiegerin ernannt wurde. Weit über die Grenzen der Region hinaus hat sich “ihre” Werkstatt mittlerweile einen Namen machen können. Ehemalige Lehrlinge seien heiß begehrt, auswärtige Regisseure zeigen sich voll des Lobes.
Harte und vor allem aufwändige Arbeit in enger Abstimmung mit Kostümbildnern, Schauspielern, Tänzern und und und stünden dahinter. Oftmals bietet die Theatergarderrobe ganz besondere Herausforderungen für die Schneiderinnen. Frau Dosch, die als Würzburger Urgestein schon früh regelmäßig Vorstellungen besucht und die großen Roben bewundert hat, wusste also, was sie erwartet als es an einem Montag, den 13. im Jahr 1965 schließlich soweit war: Es blieb nicht mehr beim Staunen. Fortan wirkte sie selbst hinter den Kulissen, damals noch am Stadttheater, Wittelsbacherplatz unter der Federführung von Gewandmeisterin Anke Behrens.
Heute, mehr als vier Dekaden und zwei interne Umzüge später, hat die Handwerkerin aus Leidenschaft diesen Schritt keinesfalls bereut. Die Theater-Mitarbeiter sind zur zweiten Familie geworden. Herzliche Kontakte, auch hausübergreifend, bestehen seit vielen Jahren. Kein Wunder, dass die Brücken auch jetzt nicht so schnell abgebrochen werden. Ihr letztes Werk, Kostümteile zum Rosenkavalier sind gerade zu bewundern. Und die nächste Vorstellung kommt bestimmt…
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