Die Renaissance der Kernkraft?

Klimaschutz und Kernkraft, das scheint für viele Umweltschützer nicht vereinbar. Nahezu alle Umweltverbände sind sich dahingehend einig, dass ein Ausstieg aus der Kernkraft notwendig ist. Die Politik und diverse Klimaforscher beschreiten aber inzwischen einen anderen Weg. Mit den Rufen nach mehr Klimaschutz und weniger Kohlekraft ist die Kernkraft inzwischen wieder

Klimaschutz und Kernkraft, das scheint für viele Umweltschützer nicht vereinbar. Nahezu alle Umweltverbände sind sich dahingehend einig, dass ein Ausstieg aus der Kernkraft notwendig ist. Die Politik und diverse Klimaforscher beschreiten aber inzwischen einen anderen Weg. Mit den Rufen nach mehr Klimaschutz und weniger Kohlekraft ist die Kernkraft inzwischen wieder salonfähig geworden.

So wirbt z.B. die Seite kernkraft.de

“Neben Wasser und Windenergie weist Kernkraft die mit Abstand geringsten CO2-Emissionen aller Energieträger auf, wie u.a. das Paul-Scherrer-Institut (PSI), Villingen/Schweiz, ermittelt hat. Das Forschungsinstitut hat die Nachhaltigkeit verschiedener Energiesysteme untersucht und festgestellt: Mit ihrer positiven Klimabilanz liegt die Kernenergie noch vor Energieträgern wie Photovoltaik, Geothermie und Biogas. …”

Abkehr vom Scheuklappendenken

Angesichts der drängenden Klimaprobleme wird das Thema Kernenergie in den verschiedenen Gruppen der Gesellschaft zunehmend pragmatisch und vorurteilsfrei diskutiert. Dies gilt selbst für einstige Gegner der Kernenergie, wie etwa den Greenpeace-Mitbegründer Dr. Patrick Moore. Der Klimaexperte sieht in der Kernkraft heute ein zweckmäßiges Mittel zur Senkung der Treibhausgasemissionen bei gleichzeitiger Deckung der weltweit wachsenden Energienachfrage: “Ich habe erkannt, dass Kernenergie gemeinsam mit einer verstärkten Konzentration auf erneuerbare Energien unverzichtbar ist, wenn es darum geht, in Zukunft eine umweltverträgliche Stromerzeugung für Haushalte, Handel und Industrie bereitzustellen.” Kernenergie könne sich als die Schlüssel-Energiequelle erweisen, die unseren Planeten vor den negativen Auswirkungen des Klimawandels schütze, so Moore.”

Nichts erscheint mehr unmöglich, um die hochgesteckten Klimaschutzziele zu erreichen. Selbst nicht die Renaissance der Kernkraft. Im Dezember 2006 wurde der Chef des schwedischen Energiekonzerns Vattenfall, Lars Josefsson, von Angela Merkel in das Amt des Klimaberaters der Bundesregierung berufen. Zu Vattenfall gehören u.a. die “Pannen-Reaktoren” Brunsbüttel und Krümmel. Vattenfall erzeugt rund ein Drittel seines Stromes aus Kernenergie und wirbt nun für mehr Klimaschutz. Mit der Initiative 3C Combat Climate Change hat sich Vattenfall den Klimaschutz auf die Fahne geschrieben.

Auch die Klimaforschung ist nicht untätig. Der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, wurde im Dezember 2006, ebenfalls von Angela Merkel, in das Amt des Klimaberaters der Bundesregierung berufen. Herr Schellnhuber – der als Klimapapst Deutschlands gilt – vertritt die Ansicht, dass eine maßvolle Laufzeitverlängerung den Erneuerbaren Energien zum Durchbruch verhelfen könnte.

“Die Kernkraftwerke mit hohen Sicherheitsstandards sollten zehn bis zwölf Jahre länger am Netz bleiben dürfen”, meint Schellnhuber.

Stefan Rahmstorf, einer der bekanntesten Klimaforscher Deutschlands und Mitarbeiter von Herrn Schellnhuber, vertritt eine ähnliche Ansicht. “Man kann die Klimaschutzziele mit oder ohne Atomkraft erreichen. Beide Varianten sind durchgerechnet worden und unterscheiden sich global von den Kosten her kaum”, sagte Rahmstorf. Gegen die Kernkraftvariante spricht er sich nicht aus.

Aber nicht nur unter deutschen Klimaforschern gibt es eine liberale Einstellung zur Kernkraft. Auch der führende amerikanische Klimaforscher James Hansen (NASA) setzt inzwischen auf Kernkraft für den Klimaschutz. In einem Schreiben an den Präsidenten der Vereinigten Statten, Barack Obama, appellierte James Hansen gegen den Bau neuer Kohlekraftwerke ohne CO2-Abscheidungstechnologie und spricht sich für Kernkraftwerke der neusten Generation aus.

Diese Ansicht ist inzwischen weit verbreitet. Auch in der UNO. Selbst der Präsident des UNO-Klimarats IPCC, Rajendra Pachauri hält die CO2-freie Atomenergie für eine Option. Auch wenn es mit der Atomenergie noch einige Probleme gebe, sehe er für diese Idee Wachstumspotential, erklärte der Friedensnobelpreisträger. Das von den Vereinten Nationen beauftragte Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) schlägt ein ganzes Bündel von Maßnahmen vor. Dazu gehören auch neue Atomkraftwerke.

Inzwischen haben diese “Vorschläge” in der Politik Gehör gefunden.

US-Präsident Barack Obama will mit einem Milliardenkredit für die Atomindustrie den Kongress für seine Klimaschutzpläne gewinnen. Obama kündigte im Februar an, 8,3 Milliarden Dollar für den Bau des ersten neuen US-Atomkraftwerks seit fast drei Jahrzehnten bereitzustellen. Die Vereinigten Staaten müssten die Atomkraft ausbauen, um ihren Energiebedarf zu decken und zugleich den Klimawandel zu bekämpfen, sagte der Präsident.

Auch der französische Präsident Nicolas Sarkozy setzt auf Kernkraft, um den steigenden Energiebedarf gerecht zu werden und den Klimawandel zu bekämpfen. Wir brauchen die Kernenergie, um die internationalen Zielen zur Verlangsamung der globalen Erwärmung zu erfüllen, sagte Sarkozy.

Und die deutsche Politik zieht mit. Die Parteien CDU/CSU und FDP wollen den seinerseits von SPD und Bündnis90/Die Grünen geschlossenen Konsensvertrag zum Kernkraftausstieg ändern und die Laufzeiten der deutschen Kernkraftwerke verlängern. Begründet wird dies insbesondere mit Klimaschutz-Argumenten oder niedrigeren Strompreisen. Die schwarz-gelbe Regierung erwägt nun eine Laufzeitverlängerung um 28 Jahre. Die deutschen Meiler könnten demnach bis 2050 am Netz bleiben.

Gute Nachrichten für Kernkraftbefürworter und schlechte Nachrichten für alle Klimaschützer, die den Ausstieg auf der Kernkraft fordern. Mit den Rufen nach mehr Klimaschutz und weniger Kohlekraft erscheint die Renaissance der Kernkraft wieder möglich geworden zu sein.

Kommentare

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  1. Ach Krüger,

    nun tischen Sie den selben Unsinn schon zum zweiten Mal auf – und das auch noch unmittelbar hintereinander. Was soll der Quatsch?

    Eine “Renaissance” der Atomenergie wird es schwerlich geben, Atomkraft war, ist und wird immer nur eine Randerscheinung sein können.

    Einfache Rechnung: Heute stellen ca. 400 AKWs (offiziell 437, aber mindestens 10% davon sind ständig vom Netz), knapp 2,5% des Weltendenergiebedarfs. Bis 2050 wird dieser sich mindestens verdoppeln. Wenn man sich das überaus ehrgeizige Ziel setzen wollte, bis 2050 magere 5% des Weltendenergiebedarfs aus Atomkraft zu decken, bräuchte man also rund 1600 neue AKWs bis dahin, weil ALLE alten auch bei der irren Laufzeitverlängerung bis dahin vom Netz wären.

    Wir hätten also 40 Jahre Zeit, um diese 1600 neuen AKWs zu bauen. Das hieße also ab sofort 40 neue AKWs pro Jahr. Da sich das im Augenblick in keiner Weise andeutet, die nächsten Jahre in dieser Rechung also schon einmal wegfallen, müsste also in naher Zukunft rund JEDE WOCHE ein neues AKW ans Netz gehen!

    Wo sollen alle diese Anlagen stehen?

    Woher soll das viele Uran kommen, das die dann brauchen?

    Wohin mit dem vielen Müll, den die erzeugen?

    Was passiert mit den vielen Atomruinen, die dann demnächst überall herumstehen?

    Wer kommt für die immensen Kosten auf, die ein solches Programm erfordern würde?

    Wer bewahrt uns davor, dass die Welt im atomaren Chaos versinkt, weil dann praktisch jedes Land, das AKWs betreibt, auch Atombomben bauen kann?

    Und die wichtigste Frage: Nach wie vielen Super-GAUs wird diese aberwitzige Technik dann endgültig eingestellt?

    Sie sehen also, man muss schon ein absoluter Traumtänzer sein, um für die Zukunft einen verstärkten Ausbau der Atomenergie zu prognostizieren.

    Sie zitieren selbstverständlich Schellnhuber wieder unvollständig. Denn er lässt nur unter zwei Bedingungen eine Laufzeitverlängerung zu:

    1. muss die Sicherheit gewährleistet sein. Damit fallen mindetsens die Reaktoren Krümmel, Brunsbüttel, Biblis A und B, Neckwarwestheim I und Isar I schon einmal aus der Betrachtung heraus.

    2. sollen mehr als 50% der Zusatzeinnahmen dann für den Ausbau der EE verwendet werden. Glauben Sie im Ernst, dass die Strommonopolisten sich darauf einlassen würden?

    Auch Obama und Hansen halten in punkto Atom wahrscheinlich nur Fensterreden, ohne dass sie ernsthaft an eine Zukunft der Atomenergie glauben. Obama braucht für einige Programme die Unterstützung der Republikaner. Und da die als realitätsferne und wissensfeindliche Konservative auf Atomenergie abgefahren sind, bietet Obama ihnen hier einen Kompromiss an, wohl wissend, dass der Neubau von AKWs in den USA nach kurzer Zeit aus Kostengründen scheitern wird. Bei Hansen und auch Rahmstorf dürfte es ähnlich sein. Warum sollten sie sich die Unterstützung wichtiger Gruppen dadurch verscherzen, dass sie ihre ablehnende Haltung zur Atomkraft öffentlich machen?

    Jeder Mensch mit halbwegs Durchblick weiß doch, dass die Atomkraft nie wieder auf die Füße kommen wird, weil einfach zu viele Fakten gegen ein Wiederaufleben sprechen.

    Und dass Atomkraft mit CO2-Vermeidung, also Klimaschutz, wenig bis gar nichts zu tun hat, verdeutlicht obige Rechnung. Wenn selbst mit dem oben unterstellten gigantischen Aufwand immer noch 95% der Energie woanders herkommen müssen, kann Atomkraft wohl kein Weg sein. Das wissen bereits heute sehr viele Menschen und in Zukunft werden das immer mehr begreifen.

    Da ein erneuter schwerer Störfall mit jedem Tag wahrscheinlicher wird, ist das endgültige AUS der Atomkraft lediglich eine Frage der Zeit. Zu wünschen wäre allerdings, dass der Ausstieg noch rechtzeitig VOR einem solchen Ereignis stattfindet.

    Es ließe sich noch eine ganze Menge zu dem geballten Unsinn sagen, den Sie hier schon wieder von sich gegeben haben, aber ich will es erst einmal dabei bewenden lassen.

    P.S.: Für diejenigen, die die Fakten dazu noch nicht kennen, empfehle ich dringend, sich über die Geschichte des Neubaus von Olkiluoto 3 und Flamanville (EPR) zu informieren. Wer dann immer noch glaubt, dass es eine “Renaissance der Atomkraft” geben kann, dem ist nicht mehr zu helfen. Aber niemand, der heute noch für diese Menschen verachtende Dinosauriertechnik eintritt, kann behaupten, er hätte es nicht besser wissen können. Die Informationen sind da, man muss sie nur zur Kenntnis nehmen.