Russland: Erste Berichte über die Anschläge auf die Moskauer Metro

Am Montagmorgen wurde der Alltag in Moskau durch zwei Selbstmordanschläge in der Metro [EN] jäh unterbrochen, bei denen mindestens 38 Menschen getötet und mindestens 70 Menschen verletzt wurden (viele der Opfer waren Studenten unter 40 Jahren). Die Selbstmordanschläge wurden von zwei Frauen verübt, die angeblich mit den Nordkaukasus-Rebellen [EN] in

Am Montagmorgen wurde der Alltag in Moskau durch zwei Selbstmordanschläge in der Metro [EN] jäh unterbrochen, bei denen mindestens 38 Menschen getötet und mindestens 70 Menschen verletzt wurden (viele der Opfer waren Studenten unter 40 Jahren). Die Selbstmordanschläge wurden von zwei Frauen verübt, die angeblich mit den Nordkaukasus-Rebellen [EN] in Verbindung gebracht werden. Blogger waren unter den ersten, die über den tragischen Vorfall berichteten und wurden zum einzig stabilen Medium, während große Nachrichtenwebsites durch den hohen Datenverkehr lahmgelegt wurden und Fernsehkanäle zu langsam reagierten, um rechtzeitig Material bereitzustellen.

Twitter-User Krassnova beobachtete [RUS], dass der Twitter-Hashtag #metro29 [RUS, EN] 40 Tweets pro Sekunde verzeichnete, während Fernsehkanäle es auf vier Beiträge brachten. In weniger als ein paar Stunden wurde die Website metro29.ru eingerichtet, um über die Vorgänge zu berichten.

Eine der erste Blogger, die die Nachrichten verbreitete war Marina Litvinovich (aka LJ-User abstract2001), eine Oppositionsbloggerin, die Fotos von der Metro-Station Lubyanka veröffentlichte [RUS], wo sich der erste Anschlag ereignete:
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Es gibt außerdem ein YouTube-Video von der Evakuierung von Fahrgästen aus der Metro-Station Park Kultury, in der sich der zweite Anschlag ereignete; veröffentlicht von User baranovweb:

Es folgte ein zeitweiliger Zusammenbruch der Informationen und des Transportsystems. Da entsetzte Moskauer damit begannen festzustellen, ob ihre Freunde und Verwandten am Leben waren, brachen Mobiltelefonnetze im Zentrum Moskaus zusammen. LJ-User offnet beschwerte sich, dass einer der Gründe für den Zusammenbruch des Mobiltelefonnetzes eine bürokratische Routinemaßnahme war, die die Anbringung eines zusätzlichen Umwandlers für Mobiltelefone auch in extremen Situationen erforderte. Habrahabr-User rubyrabbit erstellte ein vollständiges Protokoll über den Ausfall der größten Nachrichtenwebsite.

Die Metro-Linie Sokolnicheskaya (rot) wurde aufgrund der Ermittlungen vollständig geschlossen. Blogger veröffentlichten ein Video des Gedränges an der Station Komsomolskaya. Gleichzeitig waren die Menschen zurückhaltend dabei, die Metro überhaupt zu benutzen, obwohl andere Metro-Linien geöffnet blieben. Der beliebte Blogger Nikolay Danilov (aka LJ-User nlveröffentlichte Bilder der Massen [RUS] an Pendlern auf dem Weg zur Arbeit:
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Die Fernsehkanäle waren nicht nur langsam, sondern wurden auch für ihren Mangel an angebrachter Haltung bei der Berichterstattung des Ereignisses kritisiert. Ein weiterer beliebter Blogger, Anton Nossik (aka LJ-User dolboeb), schrieb [RUS]:

“Um 12:00 Uhr begann der Channel One sein übliches Nachrichtenprogramm. Ohne jede Eile wurde über Metro-Anschläge in Tokio (1995), Baku, Paris, Düsseldorf, London, über das Beileid [des ukrainischen Präsidenten Victor Yanukovich], über die Beleidsbekundungen von [ukrainischen Abgeordneten], von Angela Merkel, Bernard Kushner berichtet. Dann gab es, sehr schnell, einen kurzen, eineinhalbminütigen Bericht über alle wichtigen Ereignisse in Moskau: 35 Tote, 70 Verletzte, die Metro zwischen Komsomolskaya und Sportivnaya ist außer Betrieb, im Zentrum gibt es Staus, die Regierung fordert die Erhöhung der Sicherheitsmaßnahmen an allen russischen Flughäfen. Einige Sekunden lang berichtete [Reporter] Timur Seraziev live vom Lubyanka-Platz, und danach wurde auf Werbung für gesundes Essen, Pepsi, ein Antistax, Schokoladeninspiration, den Saft The Loved One, das synthetische Öl Mobil1, Festerputzmittel, ein neues Yogurt-Apfel-Müsli, Afobazol – ein Mittel gegen Angst und Druck, Kaffee Jacobs Monarch und Nestle-Vollkorn-Cornflakes umgeschaltet. Jeder dieser Spots war länger als der Live-Report vom Lubyanka-Platz. Nach Ende einer 7-minütigen Werbepause begann eine ungeplante Ausgabe der Talkshow „District“.”

Sowohl Blogger als auch Nachrichtenportale füllten das Informationsvacuum. Das Nachrichtenportal lifenews.ru veröffentlichte eine Fotostrecke [RUS], die Bilder der in die Luft gesprengten Metro-Wagons [RUS] zeigte. LJ-User seg_o veröffentlichte Bilder [RUS] aus der Umgebung in der Nähe der Metro-Station Park Kultury. Sowohl die BBC als auch der Guardian stellten ihre Liveblog-Seiten ein - LiveBlog [EN] und Live Coverage [EN] – auf denen alle wichtigen Ereignisse verfolgt werden. LiveJournal eröffnete einen speziellen Kanal [RUS], um über das Thema zu berichten. Unten einige Berichte von Überlebenden der Explosionen:

oyolin:

“Ich arbeite in Lubyanka. In der Schule. Ich beginne um 8. Um 7:50 Uhr komme ich an Kuznetsky Most an (Metro-Station). Ich wollte nach Lubyanka wechseln, aber dort war überall Qualm, es wurde niemand hineingelassen. Ich stieg am Halt Kuznetsky most aus. Auf dem Lubynka-Platz war alles gesperrt, Rettungsteams waren zur Stelle. Wir haben eine kritische Situation hier bei der Arbeit. Eltern rufen an, sehr nervös, Mütter weinen. Es ist furchtbar.”

kotikeksik:
“Es ist 14:40 Uhr. Ich habe es gerade geschafft mich zusammenzureißen. Ich zittere nicht mehr, wenn ich von meinem Stuhl aufstehe, ich weine nicht mehr. Ich versuche zu funktionieren.”

davete:

“Ich war auf dem Weg nach draußen am Halt Park Kultury (Metro-Station). War dabei, die Metro zu verlassen. Polizeibeamte gehen neben mir. Eine Frau fragt sie:
- Was ist passiert?
- Nun, ein Unfall, technische Gründe.
In genau diesem Moment gibt es eine Explosion. Im Zug, der in die entgegengesetzte Richtung fährt, in Richtung der Kropotkinskaya-Station. Explodierte irgendwo in der Mitte. Es gab nicht so viele Menschen, keine Massenpanik. Aber die Explosion war sehr stark. Kein Zweifel, diese Bombe ist eine Militärbombe.”

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Global Voices. Die Übersetzung erfolgte durch Tina Seidenberger, Teil des “Project Lingua“. Die Veröffentlichung auf der Readers Edition erfolgte mit freundlicher Genehmigun von Global Voices.

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