Monat für Monat gibt die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e.V. in Volkach mit ihren Buchprämierungen Orientierungshilfe im dichten Bücherdschungel. Hier nun der zweite Teil der Titel in den drei Rubriken “Bilderbuch”, “Kinderbuch” und “Jugendbuch”, die den Akademiemitgliedern in den letzten Monaten besonders ins Auge gefallen sind.
Eindrucksvolles Lebensbild
Die kenntnisreiche, anschalich geschriebene Biographie vermittelt gerade jungen Menschen ein eindrucksvolles Lebensbild des großen russischen Dichters und gewährt fundierten Einblick in sein literarisches Werk.
Robert Opitz: Kennst Du Fjodor Dostojewski? 138 Seiten, Bertuch Verlag, 12,80 Euro, ab 14 Jahren.
Viele Fragen offen
Anton ist der beste Fußballer seiner Altersstufe, ein begabter Hobbyzauberer und ein beliebter Spaßvogel. Aber irgendwie lässt er niemanden an sicher heran, jedenfalls nicht näher. Die Ausnahme ist Jojo. Jojo bewundert Anton - und doch sind da viele Fragen, auf die Anton eher Ausflüchte als Antworten hat: Woher zum Beispiel hat er seine immer neuen teuren Handys? Und warum gibt es zweimal in der Woche einen anderen unwahrscheinlichen Grund, warum ihn sein Vater nicht vom Fußball-Training abholt? Jojo beschließt, Antons Geheimnis auf die Spur zu kommen. Ein einfühlsam erzählter Freundschaftsroman aus Schweden.
Peter Pohl: Anton, ich mag dich. 144 Seiten, Hanser Verlag, 12,90 Euro, ab 10 Jahren.
Himmel auf der Zunge
Arthurs Goldfisch Leo ist krank. Wenn nichts geschieht, stirbt er bald an Langeweile. Arthur erfährt: Ein Gedicht kann ihn heilen. Was aber ist ein Gedicht? Arthur fragt die Bäckersfrau. “Ein Gedicht? Das ist wie frisches Brot im Magen”, sagt sie. Arthur fragt die Oma. “Wenn du deinen alten Pulli umgekehrt anziehst”, antwortet sie. Und Manolo, der Fahrradhändler, sagt: “Bei einem Gedicht hat man den Himmel auf der Zunge.”
Jean-PierreSiméon: Gedicht für einen Goldfisch. Mit Bildern von Oliver Tallec. 48 Seiten, Gerstenberg Verlag, 9,90 Euro, ab 4 Jahren.
Zauberhafte Briefe
Holland ist von den Nazis besetzt. Lieneke, ein jüdisches Mädchen, lebt unter falschem Namen bei einer Arztfamilie. Ihr Vater, ein Wissenschaftler, versteckt sich an einem anderen Ort, ebenso der Rest der Familie. Er schickt seiner Tochter kleine Briefe, die er liebevoll illustriert und ausschmückt. Sie sollen Lieneke Mut machen. Der niederländische Widerstand bringt diese zauberhaften Briefe zu ihr. Lieneke und ihre Familie haben wie durch ein Wunder überlebt. Und auch die Briefe sind erhalten geblieben. Der Roman von Tami Shem-Tov erzählt die Geschichte von Jacqueline von der Hoeden, die heute als Nili Goren in Israel lebt. Alle Briefe, die Jacqueline als Lieneke von ihrem Vater bekommen hat, sind als Faksimile im Buch abgedruckt.
Tami Shem-Tov. Das Mädchen mit den drei Namen. 302 Seiten, Fischer Schatzinsel, 14,95 Euro, ab 11 Jahren.
Legenden neu erzählt
Dies ist eine farbige, phantasievolle Sammlung von Geschichten, die Erich Jooß für Kinder im Grundschulalter geschrieben hat. Hier werden lange vergessene Legenden auf überraschende Weise neu erzählt (“König Oswald und der Rabe”). Ein hilfloser Engel verirrt sich in einem Hinterhof, ein Fisch verlässt sein Bild im Museum und der Kaiser weist den goldenen Apfel zurück, der mit dem Versprechen der Unsterblichkeit verbunden ist. Aber warum tut er das? 28 Geschichten zum Vorlesen und Nachdenken – traurige und fröhliche Geschichten, die nichts aussparen, was zum Leben gehört, auch nicht den Himmel. Maren Briswalter hat das Buch durchgehend farbig illustriert. Sie ließ sich von den Erzählungen zu stimmungsvollen, magisch.eigenwilligen Bildern herausfordern, die den Band auch zu einem tollen Geschenk machen.
Erich Jooß: Die Zauberfeder. Geschichten wie Träume. Mit Bildern von Maren Briswalter. 152 Seiten, Sankt Michaelsbund, 19,90 Euro, ab 8 Jahren.
Virtuos und witzig
Schon als Kinder staunen wir Bauklötze oder führen einen Eiertanz auf. Als Jugendliche verstehen wir oft nur Bahnhof, haben eine lange Leitung oder gar keinen Bock. Und später packen wir entweder jede Gelegenheit beim Schopf oder werfen die Flinte ins Korn. Ein Sprichwort begleitet uns durchs Leben, es macht unsere Sprache lebendig, bunter und anschaulicher. Rund 500 Redensarten und Floskeln benutzt jeder im Alltag, doch nur selten wissen wir, woher die Sprüche eigentlich kommen, die wir klopfen. Rolf-Bernhard Essig hat sich auf die Suche nach den Ursprüngen der bekanntesten Sprichwörter gemacht. Virtuos und witzig illustriert, weckt sein Buch den Spaß an der Sprache.
Rolf-Bernhard Essig: Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt. Mit Bildern von Marei Schweitzer. 144 Seiten, Hanser Verlag, 12,90 Euro, ab 8 Jahren.
Photo Quelle/Copyright: jutta rotter, via pixelio.de
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