Kuranyi hofft auf einen barmherzigen Samariter – Ein Kommentar

Bundestrainer Joachim Löw sollte den Stürmer des FC Schalke 04 wegen dessen Flucht aus dem Stadion begnadigen. Es war an diesem 11. Oktober 2008. Die deutsche Fußballnationalmannschaft spielte in einem WM-Qualifikationsspiel in Dortmund gegen die russische Elf. Kevin Kuranyi jedoch war frustriert wegen seiner Nichtberücksichtigung und verließ das Stadion wutentbrannt.

236px-Kevin_Kuranyi_2005.jpgBundestrainer Joachim Löw sollte den Stürmer des FC Schalke 04 wegen dessen Flucht aus dem Stadion begnadigen.

Es war an diesem 11. Oktober 2008. Die deutsche Fußballnationalmannschaft spielte in einem WM-Qualifikationsspiel in Dortmund gegen die russische Elf. Kevin Kuranyi jedoch war frustriert wegen seiner Nichtberücksichtigung und verließ das Stadion wutentbrannt. Bundestrainer Joachim Löw stellte klar, dass Kuranyi, solange er im Amt sei, nicht mehr im DFB-Trikot auflaufen werde. Seit diesem Tage hat sich viel getan. Jeder der beiden ist seinen eigenen Weg gegangen. Deutschland qualifizierte sich auch ohne Kuranyis Tore für die Weltmeisterschaft in Südafrika im Sommer dieses Jahres. Doch seit dieser Bundesligasaison hat sich das Blatt gewendet. Kuranyi trifft und trifft.

17 Tore in 27 Bundesligaspielen sind ihm in dieser Saison gelungen. Nach 27 Spieltagen führt der 28-Jährige Stürmer die Torjägerliste an. Und spätestens seit dem Spiel letzter Woche zwischen Bayer Leverkusen und dem FC Schalke 04 (0:2) ist allen klar, wohin der Wind weht. Kuranyi schoss beide Tore für die “Knappen” und festigte damit die Tabellenführung vor dem FC Bayern München. Ganz Fußball-Deutschland spricht nur noch von einem Fußballspieler: Kevin Kuranyi- zum Ärger von Bundestrainer Löw. Dieser nämlich nimmt die Leistungen des Ex-Stuttgarters ohne jeglichen Kommentar entgegen. Man könnte meinen, egal wie oft Kuranyi trifft, zur Nationalmannschaft wird er nicht mehr berufen.

Experten und Fußball-Fans sind sich aber einig: Kuranyi muss wieder für die Nationalelf auflaufen. Prominente Befürworter hat  der deutsch-brasilianer allemal: Kaiser Franz Beckenbauer, Fußball-Legende Uwe Seeler und Stefan Effenberg, um nur ein paar Ex-Profis zu nennen, wünschen sich ein Comeback des Stürmerstars. Auch Sturm-Konkurrent Stefan Kießling von Bayer Leverkusen denkt, “dass er es verdient hätte”.

In die Ecke setzen und Trübsal blasen, nein das entspricht nicht Kuranyis Ideal. Ohne große Worte hat er die Entscheidung des Bundestrainers hingenommen. Leistungssteigerungen ließ er aber folgen und versprach, dass er für seine Rückkehr ins Team kämpfen wolle. Bisher sind alle Bemühungen umsonst. Ein Umdenken auf Löws Seite ist (noch) nicht in Sicht. Eigentlich schade. Gerade mit Blick auf die Weltmeisterschaft im Sommer benötigt Löw treffsichere Stürmer, doch die sind im Moment eher Mangelware. Miroslav Klose und Lukas Podolski kommen bei ihren Vereinen in dieser Saison einfach nicht in Tritt; beide haben nur magere 2 Saisontore vorzuweisen. Auch Mario Gomez war bis vor kurzem verletzt. Einzig Stefan Kießling bringt die Form mit, um bei einem so großen Turnier dabei zu sein. Und natürlich Kuranyi. Ein Erfolgsgarant. Ein Überflieger. Die Überraschung der Saison. Eine zweite Chance hätte er sich allemal verdient. Fehler werden von Menschen immer gemacht, und sie sollten verziehen werden. Auch Löw sollte das beherzigen. Denn öffentliche Seitenhiebe gegenüber dem Bundestrainer gab es von Kuranyi nie, und der Angreifer weiß, dass er Fehler gemacht hat. Der zweifache Familienvater hat diese eingestanden und vergeblich um Vergebung gebeten. Löw sollte die ausgestreckte Hand des Schalkers nicht ablehnen. Gerade wegen seiner Formkurve und seiner Leistungen in dieser Saison. Podolski und Klose haben zwar große Verdienste im Team, aber es sollte die momentane Leistung der Spieler zählen- die rechtfertig Kuranyi zurzeit auf jeden Fall.

Jetzt kann “Jogi” Löw Stärke beweisen und Charakter zeigen. Mit der Nominierung würde er nicht nur Kuranyi persönlich eine Freude bereiten, nein der 50-Jährige könnte auch zeigen, dass ihm Fehler nicht fremd sind und er auch bei Geständnissen dieser, die Türe wieder öffnet. Denn Mut gehört bei solch’ schwierigen Entscheidungen, wie Löw sie zu treffen hat, dazu; beweist er ihn? Eine noch ungeklärte Frage.

Kuranyi jedenfalls bleibt nur eines übrig: er muss warten. Warten auf Vergebung. Warten auf die Einsicht des Bundestrainers. Und warten auf den vielleicht barmherzigen Samariter des Joachim Löw.

Foto: Horst Ettensberger, via de.wikipedia.org

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