Internetzensur – alles eine Frage der Perspektive

Für mehr als zwei Drittel der Bevölkerung steht fest: Die Freiheit im Internet muss erhalten bleiben. “Zensursula” und Co. das ist ihnen zuwider. Ihnen gegenüber steht eine ganz andere “Fraktion”. Denn ebenfalls zwei Drittel der Bundesbürger sagen, der Staat müsse strengere Regeln etablieren und mehr als die Hälfte unter ihnen

aberz.jpgFür mehr als zwei Drittel der Bevölkerung steht fest: Die Freiheit im Internet muss erhalten bleiben. “Zensursula” und Co. das ist ihnen zuwider. Ihnen gegenüber steht eine ganz andere “Fraktion”. Denn ebenfalls zwei Drittel der Bundesbürger sagen, der Staat müsse strengere Regeln etablieren und mehr als die Hälfte unter ihnen heißt gar eine stärkere Überwachung des Datenverkehrs gut. Herausgefunden hat das der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V., kurz BITKOM.

In ihrer akutellen repräsentativen Studie, die vom Umfrage-Institut Aris durchgeführt wurde, stellen sie heraus: Die “Bevölkerung (ist) uneins über Grundsätze der Internet-Politik”. Woran das liegen könnte macht BITKOM-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer deutlich: “Viele Menschen sind in der Frage nach dem richtigen Verhältnis von Freiheit und Sicherheit noch unsicher”, erläutert er den Hintergrund der Ergebnisse, die mit Hilfe von 1000 Personen ab 14 Jahren ermittelt wurden. Demnach wolle jeder zweite Bundesbürger gleichzeitig maximale Freiheit und maximale Sicherheit. Die Gesellschaft brauche deshalb Orientierungshilfen von der Politik und praktische Unterstützung von den Unternehmen.

Eine moderne Demokratie respektiert Netz-Geheimnisse

Doch ins Auge sticht dabei nicht nur die offensichtlich Zerrissenheit der Deutschen, sondern auch der augenscheinliche Konflikt der Generationen. So würden sich eher die Jüngeren, also bis 29 Jahre, für die Freiheit im Netz aussprechen. In Zahlen ausgedrückt: 77 Prozent. Ältere ab 65 Jahren hätten hingegen weniger Bedenken gegen staatliche Eingriffe €“ nur 31 Prozent seien gegen eine staatliche Zensur. In den Altersgruppen bis 49 Jahre lehnt dies demgegenüber jeder Zweite klar ab. Wo die Gründe hierfür liegen mögen, will netzpolitik.org wissen. Dort heißt es: “Das kann natürlich auch daran liegen, dass die mediale Berichterstattung über das Internet in den Zielgruppen-Medien immer etwas erschreckend ist. Da denkt man sicher als Unbeteiligter vom Fernsehsessel aus, dass im Netz nur Sodom und Gomorrha herrscht und der Staat was dagegen tun müsste.”

Aufklärung tut mal wieder Not. Und Professor Scheer glaubt, die rettenden Lösung gefunden zu haben, wenn er meint: “Wir brauchen eine breitere Debatte, wie Freiheit und Sicherheit im Web zusammengebracht werden können.” Während manche im Netz leichtfertig ihr ganzes Privatleben offenbarten, verzichteten andere aus Angst vor Ausspähung völlig auf Online-Transaktionen. Allerdings müsse hier der Eindruck vermieden werden, dass die Privatsphäre der Bürger durch immer schärfere Sicherheitsgesetze leichtfertig geopfert werde. “Ob vertrauliche Gespräche, außergewöhnliche Hobbys oder Flirts €“ viele Menschen hätten auch online ganz legale Geheimnisse. Eine moderne Demokratie müsse dies respektieren.”

“Das Problem ist nicht das Internet sondern die Gesellschaft.”

Ob das jedoch reicht? Ein Kommentator auf netzpolitik.org ist sich da nicht so sicher und schreibt: “Das Problem ist nicht das Internet sondern die Gesellschaft. Die Gesellschaft hat die Rentner abgehängt und auf’s Abstellgleis geschoben. Die Jüngeren kommen nicht nur nicht mehr dazu ihre eigene Familie zu sehen, sie haben auch keine Zeit mehr die Großeltern zu besuchen. Die unmenschliche Leistungsgesellschaft mit ihrer Dauermobilität, Flexibilität und dem ewigen Streben nach mehr Produktivität auf dem Rücken von Otto-Normalverbraucher hat die 3-Generationenfamilie zerstört. Die Rentner bleiben auf der Strecke und ratlos zurück.”

Photo Quelle/Copyright: erwist, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr

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