Behütet vom Blogampelamt

Es war ein Internet-Gipfeltreffen wie die re-publica in Berlin, nur hochkarätiger und viel virtueller. Es ging um die Zukunft der deutschen Blogs, deren völlig unzuverlässige “politische Ausrichtung” gerade harsch von einem Leser namens SwissLupe kritisiert worden war. Doch wie damit umgehen? Wie reagieren, wie Wiederholung ausschließen und Qualitätsblogging abgrenzen von

blogampelamt.jpgEs war ein Internet-Gipfeltreffen wie die re-publica in Berlin, nur hochkarätiger und viel virtueller. Es ging um die Zukunft der deutschen Blogs, deren völlig unzuverlässige “politische Ausrichtung” gerade harsch von einem Leser namens SwissLupe kritisiert worden war. Doch wie damit umgehen? Wie reagieren, wie Wiederholung ausschließen und Qualitätsblogging abgrenzen von der gemeinen Wald- und Wiesenschreiberei, die ohne exakte Notengebung auskommt und der Willkür individueller Beurteilung damit Tür und Tor öffnet.

Ausreden gelten nicht, ein Ausgleich auf lange Sicht, nein, da war sich die Spezialistengruppe aus Die Anmerkung, KarleduardsKanal, Gundermann und PPQ schnell einig. Es reiche nicht, hieß es, “auf dreimal Nazibashen zweimal FDJ-Kritik zu gießen und anschließend mit einem mahnenden Text in Richtung etablierte Parteien nachzuwaschen”, ehe Kultur, der Sport und das Wetter wie üblich in der ARD versöhnlich stimmen.

Schnell war Einigkeit erzielt: Was Deutschland wirklich braucht, ist ein allgemeinverbindliches Fernmarkierungsystem für Blogeinträge.

Texte könnten mit der “Blogampel” jeweils individuell farblich markiert werden – Botschaften im Kampf gegen den “braunen Sumpf” (Angela Merkel) würden etwa braun gekennzeichnet, zurückhaltend-nachdenkliche Vorsicht-vor-links-Geschichten bekommen ein leuchtendes Rot, liberale Steuerberichterstattung erhält aus historischen Gründen kein Gelb, sondern Blau. Und so weiter.

Da sich nach derselben Logik auch ganze Blogs durchfärben ließen, bräuchte der neugierige Leser nicht mehr lesen und nicht mehr denken, denn er könnte im Idealfall durch bloßes Abzählen die politische Ausrichtung gut finden oder rigoros ablehnen.

Bei Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner und der amtierenden Arbeitslosenverantwortlichen Ursula von der Leyen, die als Internetexpertin der Bundesregierung gilt, traf die Idee sofort auf offene Ohren. Es sei überaus begrüßenswert, hieß es, wenn sich die Bloggerszene selbst Gedanken um ein Jugendschutzsystem mache, das auch Andersdenkende einschließe. Das von Kreis der Initiatoren inzwischen patentrechtliche geschützte Instrument der “Blogampel” halte die Bundesregeirung für ein “geeignetes Mittel der Selbstzensur”. Für die Umsetzung der Blogampelpflicht, die ab 1.1. kommenden Jahres für alle deutschsprachigen Blogangebote gelten soll, plane das Kabinett in Zusammenarbeit mit den Patentinhabern und Initiatoren die Einrichtung eines Blogampelamtes, in dem eine Blogampelkommission die Bewertung einzelner Leseangebote im Netz vornehmen werde.

Das Blogampelamt (BAA), das ersten Plänen zufolge eine Ausgründung des Familien-Mysteriums sein und im Örtchen Klein-Labenz in der strukturschwachen Region um das mecklenburgische Warin seinen Sitz nehmen wird, werde als Instrument der Selbstkontrolle gleich der FSK bei den Anbietern von Filmen und Fernsehsendern eine allgemeinverbindliche Blogabnahme durchführen und für einzelne Beiträge jeweils Freigaben erteilen. Es werde aber auch möglich sein, unter dem Namen “Blog’n'Roll” sogenannte globale Bloggerlizenzen zu erwerben, die sich am Modell der früher in der DDR vergebenen Einstufungen für Musikgruppen orientieren sollen. Dazu sei es notwendig, unter Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses eine Arbeitsprobe in Echtzeit anzufertigen, die dann von BAA-Experten auf Wertigkeit überprüft wird.

Die Bundesregierung verspricht sich von der Umsetzung des Vorschlages aus der Bloggerszene einen Qualitätssprung bei den Beiträgen in der deutschsprachigen Bloggosphäre. Zudem könnten beim Blogampelamt mindestens 213 neue Stellen geschaffen werden. Die Blogampelkommission selbst soll mit führenden Internet-Politiker wie Dieter “Trallafitti” Wiefelspütz hochkarätig besetzt sein, die jeweilige Einfärbung der Blogangebote wird preisgünstig vom Bundesinformationsamt übernommen. Dazu müssen teilnehmende Blogger nur Benutzernamen und Kennwort ihres Blog ans Blogampelamt nach Klein-Labenz senden. Die Mailadresse dafür lautet BAA

Quelle: politplatschquatsch.com

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