Das ganze Wesen des Menschen im Blick

Der Expressive Realismus als sogenannte “Wirklichkeitskunst”, durch die grundlegende Freiheit gegenüber einem bestimmten Zeitstil gekennzeichnet, ist Sammelbecken individueller malerischer Äußerungen. Spielt das Menschenbild bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts eine eher untergeordnete Rolle, rückt diese Malrichtung es ganz bewusst ins Zentrum des Interesses und gipfelt in der offenen Zwiesprache

wesen.jpgDer Expressive Realismus als sogenannte “Wirklichkeitskunst”, durch die grundlegende Freiheit gegenüber einem bestimmten
Zeitstil gekennzeichnet, ist Sammelbecken individueller malerischer Äußerungen. Spielt das Menschenbild bis in die Anfänge des
20. Jahrhunderts eine eher untergeordnete Rolle, rückt diese Malrichtung es ganz bewusst ins Zentrum des Interesses und gipfelt
in der offenen Zwiesprache des Künstlers mit sich selbst sowie im emotionalen Erfassen seines Gegenübers.

Geweitetes Blickfeld

Mit der Ausstellung “Menschenbilder” hat die Kunsthalle Schweinfurt nun einen zentralen Aspekt der Malerei des Expressiven Realismus augenfällig herausgearbeitet und damit ein besonderes Licht auf die von Joseph Hierling zur Verfügung gestellte Sammlung geworfen. Jährlich, so will es die Vereinbarung zwischen Sammler und Stadt, soll eine wechselnde Themenausstellung mit Bildern aus dem großen Sammlungsschatz der noch im Depot verwahrten Werke der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die von Dr. Erich Schneider und Andrea Brandl kuratierte Schau, die noch bis 25. Juli im Untergeschoss neben der Sammlung Joseph Hierling auf sieben Wänden in sieben Themenkomplexen gebündelt zu sehen ist, weitet das Blickfeld des Betrachters: Vor Erstaunen und Schrecken geweitete Augen, traurige, hoffnungslose Blicke, von Stolz, Scheu und Verlegenheit gezeichnete Züge – mit dem Expressiven Realismus betritt die Psychologie und mit ihr die ganzheitliche Erfassung des Individuums die Bühne und lässt hinter die von Leid und Diktatur geprägten Gemüter blicken.

Die in den Themengruppierungen “Selbst”, “Vis á Vis”, “Kinder”, “Akt”, “Mensch und Welt”, “Scheinwelten” und “Mythologie und Religion” präsentierten Arbeiten lassen nicht nur durch eine geschickte und dramaturgisch gut aufgebaute Hängung Bezüge untereinander erkennen, sondern schlagen auch Brücken in die im Stockwerk darüber
befindliche Dauerausstellung “Diskurse”.

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